Reinach
Post hat genug: Pinkler legen Reinacher Post-Briefkasten lahm

Der gelbe Riese hat genug gelber Gestank: Die Poststelle Reinach schliesst einen Briefkasten, weil ein Unbekannter in den Postbriefkasten pinkelte. Für die Post ist klar: «Es ist nicht Aufgabe der Post ein gesellschaftliches Problem zu lösen.»

Peter Siegrist
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Wohin mit der Briefpost? Ein Stahlblech verschliesst Briefkasten und Frankierautomat. psi

Wohin mit der Briefpost? Ein Stahlblech verschliesst Briefkasten und Frankierautomat. psi

Bei der Post Reinach hat sich der Platz vor der Postfachanlage und dem Briefkasten zum Hotspot entwickelt.

Jeden Morgen treffen sich hier Oberstufenschüler des benachbarten Schulhauses, um eine letzte Zigarette zu rauchen, bevor sie die Glocke zum Unterricht ruft.

Postfachbenützer, die sich täglich durch ein rauchendes Dutzend quetschen müssen, stören sich an dieser Situation. Immer wieder deponieren Jugendliche Reste von ihrem Frühstück, Papierbeutel und Becher und Kippen auf dem Boden und auf der Briefwaage.

Die Post hat auf diese unangenehme Situation reagiert, eine Hausordnung erlassen und angeschlagen. «Rauchen, Essen und Trinken sind verboten.»

Ebenso das Wegwerfen oder Deponieren von Abfall, das Abspielen von Musik und das Blockieren der Eingangstüre. «Verstösse gegen diese Hausordnung können zur Strafverfolgung und Schadenersatzforderung führen», schreibt die Post.

Pinkelattacke auf den Briefkasten

Weil kürzlich Unbekannte in den Postbriefkasten pinkelten, wurde dieser verschlossen. Briefe können nur noch auf der Ostseite eingeworfen werden.

Inzwischen habe man Anzeige gegen unbekannt eingereicht, sagt Yvonne Raudzus, Sprecherin der Post.

Die Situation sei für das Personal vor Ort sehr unangenehm und mit einem hohen Reinigungsaufwand und Kosten verbunden. Es seien verschiedene Massnahmen eingeleitet worden. Letztlich sei es nicht Aufgabe der Post, ein gesellschaftliches Problem zu lösen.

Der Schule sind Hände gebunden

Verschiedene Passanten monierten, dass die Lehrerschaft nichts unternehme.

Kurt Keller, Schulhausleiter im Centralschulhaus sagt, das Rauchen und Kiffen von Schülern sei für die Schule ein Problem. «Wir schauen da nicht weg, doch es gibt ein Aber.»

Der Einfluss und das Ergreifen von Sanktionen gegen fehlbare Schüler endet für die Lehrerinnen und Lehrer an der Grenze des Pausenplatzes. «Auf unserem Gelände überwachen wir die Schüler, hier greifen wir ein, wenn die Schulordnung übertreten wird.»

Wer auf dem Pausenplatz rauche, werde bestraft, wer bekifft zum Unterricht erscheine, werde verzeigt. «Der Schulweg, und der öffentliche Raum hingegen entziehen sich der Schule.»

Selbst wenn Schüler provokativ an der Pausenplatzgrenze rauchen, könne die Lehrerschaft sie nur wegweisen und den Eltern melden. Aber Sanktionen ergreifen dürften Lehrerinnen und Lehrer hier nicht. Dies bestätige auch die Polizei.

«Ausserhalb des Schulgeländes sind die Eltern, nicht die Lehrer zuständig», sagt Keller, «und genau das wissen die Schüler.» Der Schulhausleiter hatte Kontakt mit der Post und ist froh, dass die Post mit der Hausordnung eine Grundlage geschaffen hat, Fehlbare wegzuweisen.

Das gleiche sollte auch beim Kirchgemeindehaus geschehen, sagt Keller, dort ist ein zweiter Raucherplatz. Kirchenpflegepräsidentin Hannelore Zingg bestätigt denn auch, dass sie wiederholt rauchende Schüler vom Eingang wegweisen müsse und die Situation unerträglich sei.

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