Kölliken
Portal steht da stolz und nutzlos: Standplatz für Findling gesucht

Künstler Andres Brändli sucht einen neuen Standplatz für seinen architektonischen Findling auf dem Dorfplatz in Kölliken – dort, wo er 30 Jahre lang gelebt hat.

Hubert Keller
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Das Portal zum Kölliker Dorfplatz kann nicht ewig hier stehen bleiben. Ausser Andres Brändli (rechts) gelingt es im Gespräch, Gemeindeammann Fredy Gut von dessen Nutzen für die Gemeinde zu überzeugen.

Das Portal zum Kölliker Dorfplatz kann nicht ewig hier stehen bleiben. Ausser Andres Brändli (rechts) gelingt es im Gespräch, Gemeindeammann Fredy Gut von dessen Nutzen für die Gemeinde zu überzeugen.

Mario Heller

«Seit vier Jahren steht es hier, und niemand weiss so recht warum.» Der dies sagte, ist Andres Brändli, Tierarzt, Künstler, Sprengmeister und Aarauer, der 30 Jahre in Kölliken gelebt hat und da «immer noch Fleisch und Geld holt».

Als Tierarzt praktiziert er lange nicht mehr, die Ideen aber gehen ihm nicht aus. Und so hat er denn vor vier Jahren ein uraltes Ladenportal, eine prächtige Steinmetzarbeit aus dem vorletzten Jahrhundert, vor dem endgültigen Zerfall gerettet und kurzerhand auf dem Dorfplatz in Kölliken aufgestellt.

Nun steht es also da, stolz und nutzlos, auf dem Dorfplatz Kölliken, und mit dem Platz ist es so eine Sache. Seit über 20 Jahren wird heiss diskutiert, was mit ihm geschehen soll, verändert hat er sich aber in dieser Zeit nicht gross. Im Sommer 2010 meldete ein schwedischer Investor, dass er sich auf dem Dorfplatz engagieren möchte, eine Wohnüberbauung mit Lebensmittelladen und anderen Verkaufsflächen schwebte ihm vor.

Die Gemeindeversammlung genehmigte daraufhin den Verkauf des Dorfplatzes. Doch ein Referendum verhinderte das Vorhaben, der Investor zog sich zurück und so blieb alles beim Alten. Nur Brändlis nutzloses Tor gab dem Platz, wenn auch keine neue Bestimmung, so doch ein neues Gepräge.

Das Steinhauen ist Brändlis Passion und so passt die Aktion mit dem Portal gut zu ihm. Das Portal samt Schaufensterumrahmung habe irgendwo in Däniken gelegen, in einem Steinlager unter Dornen, sagte Brändli. Zu einem Spottpreis habe er es von Abbruchunternehmer Huber, Wöschnau, erwerben können. Restauriert, durfte Brändli das architektonische Relikt in Kölliken aufstellen. «Auf Zusehen hin habe ihm der Gemeinderat dies bewilligt», sagte er. Das bedeutet, dass er für das Portal einen Käufer, beziehungsweise einen Abnehmer und einen neuen Verwendungszweck suchen muss.

Sonst kam niemand

Über 100 Personen hat Brändli angeschrieben und gestern Morgen zum Apéro eingeladen. Gekommen ist ein knappes Dutzend Gewerbler, Brändlis Kollegen, die sich jeweils donnerstags um elf zum Stamm treffen. Sonst kam niemand.

Und als er da vor seinen Kumpanen vom Stamm redete, klang das gar nicht so, als ob er das Protal wirklich weghaben wollte: «Kölliken ist die Gemeinde, die es fertigbringt, einen solchen Platz zu erhalten, Kölliken ist die einzige Gemeinde, die es fertigbringt, diesen auch vernünftig zu nutzen.» Als Standplatz seines Portals, versteht sich.

Der richtige Standort...

«Bleibt es stehen? Muss es weg, darf es weg? Solange es nicht im Wege steht, bleibt es wohl hier», sagte Brändli. Vielleicht wird es ja in die neue Planung des Platzes integriert? Ein entsprechendes Statement, das Hoffnung hätte schüren können, liess sich Gemeindeammann Fredy Gut aber nicht entlocken. Er verriet nur, dass in Sachen Dorfplatz wieder etwas gehe. Architekten wurden zu einer Testplanung eingeladen. Modelle hätten sie auch schon präsentiert. Ein Zentrum der Begegnung soll entstehen. Ob aber wenigstens einer der Architekten für sein Projekt einen repräsentablen Zugang à la Brändli vorsieht, das wollte der Gemeindeammann partout nicht verraten.

Wie meinte doch Brändli am gestrigen Apéro? Die ganze Werbeaktion hat zum Ziel, das Portal einem grösseren Personenkreis bekanntzumachen und vielleicht einen passenderen Standort zu finden. «Aber den», so Brändli, «scheint es nicht zu geben.»