Reinach
Polymechaniker gesucht: Selbst in Trend-Berufen hat es noch freie Lehrstellen

Das Projekt «Faszination Berufswelt aargauSüd» versucht, potenzielle Auszubildende und Arbeitgeber zusammen zu bringen.

Helen Dietsche
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Michael Micevski, Produktionsmechaniker im 2 Lehrjahr, Rudolf Gloor AG.

Michael Micevski, Produktionsmechaniker im 2 Lehrjahr, Rudolf Gloor AG.

Zur Verfügung gestellt

Kauffrau oder Kaufmann in Menziken, Sanitär-Installateur in Gontenschwil, Koch in Birrwil oder Polymechaniker in Leutwil – die Besetzung der Lehrstellen gestaltet sich für viele Unternehmen schwierig. Ziel des Neue-Regionalpolitik-Projekts «Faszination Berufswelt aargauSüd» ist es, den Schülern in der Region das Angebot an Berufslehren besser bekannt zu machen und so das Problem der Lehrstellenbesetzung der Unternehmen in der Region zu entschärfen, im besten Fall zu lösen.

Bei der Rudolf Gloor AG in Leutwil wird ein Polymechaniker oder Produktionsmechaniker gesucht. Beide Berufe haben sehr gute Zukunftsaussichten. Geschäftsführer Roland Gloor dazu: «Wir sind ein typischer Familienbetrieb mit elf Mitarbeitenden und bieten unseren Lernenden eine praxisbezogene, vielseitige Ausbildung an. Je nach schulischen Leistungen als Polymechaniker EFZ (4 Lehrjahre) oder als Produktionsmechaniker EFZ (3 Lehrjahre). Wir stellen alle zwei Jahre einen Lehrling ein und hoffen, vielleicht mithilfe von ‹Faszination Berufswelt aargauSüd› einen passenden Kandidaten zu finden.»

Das Spital kann auch KV

Das Asana Spital Menziken ist einer der grössten Ausbildner in der Region Oberes Wynental. Tanja Stamms, Leitung Human Ressources im Asana Spital Menziken, konnte die freie KV-Lehrstelle bis jetzt noch nicht besetzen. «Vielen Jugendlichen ist nicht bewusst, dass man in einem Spital neben den Pflegeberufen auch eine kaufmännische Ausbildung machen kann. Eine sehr attraktive sogar. Unsere Branche, Spitäler, Kliniken und Heime, ist höchst interessant und abwechslungsreich.»

Bei der Suche nach KV-Lernenden setzt Tanja Stamms auf Mund-zu Mund-Propaganda der speziellen Art: «Ich veranstalte einmal im Jahr einen Elternmorgen. Ziel ist es, die Eltern der Lernenden persönlich zu treffen um ihnen Informationen zum Asana Spital Menziken und wichtige Informationen rund um die Ausbildung ihrer Kinder zu geben. Die Eltern schätzen den Austausch und werben so in ihrem persönlichen Umfeld für unsere Ausbildungsplätze.»

Bei Bertschi genügt ein Anruf

Auch bei der E.+W. Bertschi AG in Gontenschwil ist noch eine Lehrstelle frei. Berufsbildner Joel Bertschi erklärt: «Wir bilden seit vielen Jahrzehnten erfolgreich Lernende aus. Die Lehrstelle für den Sommer 2019 ist leider noch nicht besetzt. Wir haben keine einzige Bewerbung. Wer bei uns eine Lehre als Sanitär-Installateur macht, wird ein Allrounder in unserer Branche. Wir decken eine Vielfalt von Themen ab: Heizung, Sanitär, Spenglerei, Lüftung, Werkleitungsbau und vieles mehr.»

Was erwarte Joel Bertschi von seinen Lernenden? «Wichtig sind für mich Ehrlichkeit und ein anständiges Auftreten. Unsere Arbeitsplätze variieren je nach Kunde: Heizungskeller und Estriche stehen genauso auf dem Programm wie blank polierte Küchen und Bäder.»

Joel Bertschi ist ein unkomplizierter Mensch und so handhabt er es auch mit den Bewerbungen: «Eigentlich ist es mir am liebsten, wenn interessierte Jugendliche sich telefonisch melden, wir uns dann treffen, schauen ob die Chemie stimmt und dann wird das weitere Vorgehen besprochen. Für eine erfolgreiche Lehre ist neben logischem Denken und guten Mathe-Kenntnissen vor allem eines wichtig: die Motivation, den Beruf zu erlernen.»

Offene Lehrstellen 2019, aargauSüd: www.faszination-berufswelt.ch/2019

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KMU-Lehrstellen sind oft vielfältiger

Andrea Zulauf aus Menziken ist Prüfungsexpertin für das Qualifikationsverfahren (Lehrabschlussprüfung) für KV-Lernende der Branche Handel und Dozentin für Berufsbildner dieser Branche. Dass kleine und mittlere Unternehmen mehr Mühe haben, ihre Lehrstellen zu besetzen, wundert Andrea Zulauf nicht: «Banken, Versicherung und auch grosse Detailhändler betreiben ein ganz anders Lehrstellenmarketing als KMU, und A das nicht nur im KV-Bereich.» Aber, so Andrea Zulauf: «Wer eine Lehre in einem KMU macht, hat in der Regel viel mehr Möglichkeiten, Kreativität und Eigeninitiative zu entwickeln. Denn wo bei Grosskonzernen strenge Ausbildungspläne den Alltag bestimmen, läuft in KMU nicht immer alles nach Plan: Viel Unvorhergesehenes muss verarbeitet werden, es werden unkomplizierte Lösungen erwartet. Die müssen Lernende oft selber finden, da ist Mitdenken gefragt.»