Schöftland

Polizeistunde für die «Haltestelle»: das ehemalige Restaurant wird nach 13 Jahren endgültig abgerissen

Was nach dem Abbruch an den Platz der «Haltestelle» kommt, ist noch nicht sicher.

Was nach dem Abbruch an den Platz der «Haltestelle» kommt, ist noch nicht sicher.

Das ehemalige Restaurant in Schöftland wird nach 13 Jahren des Leerstehens endgültig abgerissen.

Das Haus mit dem Namen «Haltestelle» ist ein markantes Gebäude. Breit und behäbig steht es an der Dorfstrasse Schöftland, umzingelt von Parkplätzen. Seit bald 13 Jahren steht es leer, und viele denken, man habe es bewusst verlottern lassen, um einen Abbruch zu provozieren.

Ziel erreicht, könnte man nun sagen: Noch bis zum 6. April liegt auf der Gemeinde Schöftland ein Abbruchgesuch für diese Liegenschaft auf. Bauherr und Besitzer ist die SFP Retail AG in Zürich mit einem Schweizer Immobilienfonds.

«Es entstehen nicht einfach Parkplätze»

Geplant sei, so Joachim Schütz von der SFP Retail AG, eine Erweiterung des Coop-Zentrums: «Noch ist vieles in der Schwebe; wir sind in der Projektphase, am Evaluieren.» Sicher ist eines: Wo die «Haltestelle» stand, entstehen nicht einfach Parkplätze. Bis etwas Neues gebaut wird, werde dieses Areal eingeschalt, also gesichert. Wann das Projekt aufgelegt wird, kann Schütz noch nicht sagen.

Keine «im Ortsbild wichtige Baute» mehr

Dabei galt das Gebäude bis zur Inkraftsetzung der neuen Bau- und Nutzungsordnung im letzten Jahr als «im Ortsbild wichtige Baute». Deshalb konnte Coop das Haus im Jahr 2007 auch nicht abreissen und, wie einst geplant, für Parkplätze nutzen. Nicht das Gebäude an sich war damals als schützenswert erachtet worden, sondern die Stellung des Hauses direkt an der Dorfstrasse, dessen Gebäudeprofil und Erscheinung. Seit der letzten Revision der Bau- und Nutzungsordnung, bei der zusammen mit der Kantonalen Denkmalpflege alle schützenswerten Bauten der Gemeinde überprüft wurden, gilt das nicht mehr.

Der Hinweis ist noch da, die Gartenwirtschaft nicht mehr.

Der Hinweis ist noch da, die Gartenwirtschaft nicht mehr.

Orchestrion, Kegelbahn und Gartenwirtschaft

Das Restaurant «Haltestelle» erhielt seinen Namen nach der Eröffnung der Strassenbahn (WSB) im November 1901. Das Haus war aber schon vorher ein Restaurant, seit Adolf Maurer 1866 da die Bierbrauerei «Zum Steinbock» errichtet hat, und zwar ein Restaurant, wie der Schöftler Chronik von Christian Holliger zu entnehmen ist, «mit einem Orchestrion, einer geräumigen Gartenhalle, einem grossen schattigen Garten und einer gedeckten Kegelbahn ausgestattet». Wer heute genau hinsieht, kann einiges davon noch erkennen. Oder sich, mit etwas Fantasie, vorstellen. Zumindest an Hinweisen auf die Gartenwirtschaft mangelt es am noch stehenden Haus nicht. Im Garten selber aber haben sich Brombeeren und andere Stauden breitgemacht.

«Feldschlösschen»-Bier und gutbürgerliche Küche

Ruedi Maurer, der ehemalige Gemeindeschreiber, erinnert sich gut an die «Haltestelle» als Restaurant mit gutem Namen auch dank gutbürgerlicher Küche. «Es gehörte der Brauerei Feldschlösschen; auf der Nordseite war das Bierdepot, von dem aus das Bier mit Lastwagen vertragen wurde», erinnert er sich. Im Vorkühlschrank-Zeitalter betrieb Feldschlösschen einen Eiskeller. Mit Stroh und Eis sei das Bier auch im Sommer kühl gehalten worden. Feldschlösschen ist noch immer ­präsent an der Fassade, beim Wirtshausschild und bei den Hopfenperlen-Lampen bei der Eingangstüre.

Legendäre Wirtsleute hätten die «Haltestelle» geprägt, weiss Ruedi Maurer, und er nennt Josef Balmer, den zweitletzten «Haltestelle»-Wirt. Neben der Kegelbahn sei auch unter Balmers die «wunderschöne Gartenwirtschaft» ein besonderer Anziehungspunkt gewesen.

Seit gut 12 Jahren, als die letzten Betreiber des Restaurants, Edgar und Renate Buchser, aufhörten, steht das Haus leer. Mal stand es als Unterkunft für Asylbewerber zur Diskussion, und es gab auch einmal ein Projekt von Coop mit Erweiterung der Verkaufsflächen. Ruedi Maurer erinnert sich auch an viele Telefonate in seiner Zeit als Gemeindeschreiber von Interessenten, die die «Haltestelle» hätten kaufen und betreiben wollen. Wann der Abbruch erfolgen soll, ist noch nicht sicher.

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