Hirschthal
Pioniere: Ihre Weihnachtssterne wachsen ohne Torf

Die Familie Huber produziert in der Gärtnerei Huplant torffrei und leistet damit Pionierarbeit. Denn beim Torf-Abbau wird CO2 freigesetzt.

Christine Wullschleger
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In der Gärtnerei Huplant produziert die Familie Huber nur noch mit torffreier Erde
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So wurzeln die Weihnachtssterne in torffreier Erde
Das Christrosen-Gewächshaus
Hirschthaler Weihnachtsstern
So sieht die torffreie Erde aus
Die Christrosen
Hund Jambo begutachtet die Christrosen im Gewächshaus

In der Gärtnerei Huplant produziert die Familie Huber nur noch mit torffreier Erde

Sandra Ardizzone

Sie sind der Inbegriff dafür, dass Weihnachten bald vor der Tür steht: die Weihnachtssterne. Doch bis sie in der guten Stube Weihnachtsstimmung verbreiten können, ist es ein langer Weg. In der Gärtnerei Huplant in Hirschthal beginnt dieser in torffreier Erde.

«Der Torf soll nicht weiter abgebaut werden. Die Moore sind ein spezieller Lebensraum und beherbergen Tiere, die nur dort überleben können. Deshalb müssen sie geschützt werden», sagt Yvonne Huber. Sie führt zusammen mit ihrem Mann Adrian Huber die Hirschthaler Grossgärtnerei.

Torf hat gute Eigenschaften, welche im Gartenbau wichtig sind: Er ist ein guter Wasserspeicher und ist luftdurchlässig. Jedoch speichert er auch sehr viel Kohlenstoffdioxid (CO2), das beim Abbau freigesetzt wird.

In der Schweiz ist der Torfabbau seit 1987 verboten. Importiert werden Torf und torfhaltige Mischungen aber noch immer. Die Gärtnerei Huplant importiert war keinen Torf, jedoch die Jungpflanzen. Diese wachsen aber im Torfsubstrat. «Dagegen kann ich nichts tun, denn unsere Zulieferer haben noch nicht auf torffreie Produktion umgestellt», sagt Adrian Huber.

Sobald die Pflänzchen in Hirschthal ankommen, werden sie in torffreier Erde weiter gezogen. Diese besteht aus Rindenkompost, Holz- und Kokosfasern, Reissspelzen, Bims und Perlit, kleinen Gesteinskügelchen. «Diese alternative Erdmischung kommt gut ohne Torf aus», sagt Huber.

Huplant ist ein Pionier

Die gedeckte Produktionsfläche der Gärtnerei Huplant beträgt rund 12 000 Quadratmeter, die Gesamtfläche rund 60 000 Quadratmeter. Anfang dieses Jahres hat Huber die gesamte Produktion auf torffreie Erde umgestellt. «Im Betrieb brauchte ich keine neuen Einrichtungen. Die Umstellung muss im Kopf passieren», sagt er. Huber leistete damit Pionierarbeit in der Schweiz.

Josef Poffet vom Unternehmerverband der Gärtner, Jardin Suisse, schätzt, dass in der gesamten Schweiz erst fünf bis zehn Betriebe vollständig auf torffreie Erde umgestellt haben. «Die Familie Huber ist innovativ und nimmt das Zepter in die Hand», sagt er. Die Schweiz will ganz auf Torf verzichten, das sieht das sogenannte Torfausstiegskonzept vor (siehe Box).

«Unsere Branche ist deshalb gefordert, und wir sind froh, dass es Betriebe wie Huplant gibt, die das Problem aktiv angehen.» Jardin Suisse unterstützt das Ziel, künftig ohne Torf zu arbeiten. «Doch es ist auch unsere Aufgabe, die Grenzen aufzuzeigen. Denn man kann nicht bei allen Pflanzen auf Torf verzichten. Aber dort wo es Sinn macht, sollte man es tun», sagt Josef Poffet. Wichtig sei bei einer Umstellung, dass die alternativen Produkte nachhaltig seien und keine schlechtere Ökobilanz aufweisen würden als Torf. «Eine Umstellung kostet in jedem Fall Geld», ergänzt Josef Poffet.

Tausende Tonnen Torf werden jährlich importiert

Torf entsteht in den Mooren, wenn sich nicht zersetztes pflanzliches Material ansammelt. Die Moore werden trockengelegt, um Torf abzubauen. Dieser findet Verwendung im Gartenbau und zu grossen Teilen auch als Brennstoff. Seit 1987 ist es in der Schweiz verboten, Torf abzubauen, und die Moore stehen unter Schutz. Trotzdem werden jährlich bis zu tausende Tonnen Torf importiert. Im Dezember 2014 stellte der Bundesrat das sogenannte Torfausstiegskonzept vor, das darauf abzielt, auf die Verwendung von Torf ganz zu verzichten. Es basiert in einer ersten Phase auf der Umsetzung von freiwilligen Massnahmen und internationale Vereinbarungen. Wird das Ziel in der ersten Phase nicht erreicht, könnten in einer zweiten Phase auch handelspolitische Massnahmen zum Zug kommen. (cwu)

In diesem Sommer musste dies auch die Familie Huber erfahren und für die Umstellung Lehrgeld bezahlen: Sie mussten Kulturschäden in Kauf nehmen. Denn die neue Erde funktioniert längst nicht gleich wie Torf, obwohl sie ähnliche Eigenschaften aufweist. «Durch den Kompost hat sich die Erde ständig verändert, beispielsweise wurden die Töpfe heiss. Wir mussten lernen, damit umzugehen», sagt Huber. Mittlerweile hat er offenbar das richtige Rezept gefunden. Die Weihnachtssterne blühen in rot, rosa, weiss und gelb.

«Unseren Kunden ist oft nicht ganz klar, warum es wichtig ist, auf torffreie Erde umzustellen», sagt Adrian Huber. «Wir versuchen, bei jeder Gelegenheit die Gründe darzustellen», ergänzt Yvonne Huber. Das Geschäftsführer-Paar will die Sensibilisierung der Kunden nun noch mehr vorantreiben und erhofft sich durch den Einsatz von torffreier Erde auch einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz.

Jetzt, kurz vor dem ersten Adventstag, stehen die Weihnachtssterne und auch die Christrosen im Torfersatz eingebettet nebeneinander gereiht im Gartencenter Huplant und werden von den Kunden beäugt. Rund 10 000 Weihnachtssterne wollen die Hubers in diesem Jahr verkaufen und 56 000 Christrosen. So gibt es wieder Platz in den grossen Gewächshäusern, denn bald werden diese mit Stiefmütterchen und Geranien gefüllt. Bis im Frühling haben die Pflänzchen Zeit zum Wachsen. Natürlich in torffreier Erde.