Zetzwil
Pfarrer sein endet nicht mit der Pension

Nach 22 Jahren als reformierter Pfarrer in Zetzwil zieht es Beat Laffer zurück in die Heimat. Angst vor der Pension hat Laffer nicht. Im Gegenteil: Im Verein «Zukunft CH» will er sich weiterhin politisch engagieren.

Elia Diehl
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Beat Laffer räumt nach 22 Jahren das Pfarrhaus in Zetzwil. Edi

Beat Laffer räumt nach 22 Jahren das Pfarrhaus in Zetzwil. Edi

Mit der Ankunft von Beat Laffer als reformierter Pfarrer in Zetzwil 1991 kam Beständigkeit ins 1200-Seelen-Dorf im Wynental und in die Kirchgemeinde Gontenschwil-Zetzwil.

17 verschiedene Pfarrer gab es von 1951 bis 1988 allein in Zetzwil, danach hatte drei Jahre keines der Dörfer einen Pfarrer. Beat Laffer aber blieb 22 Jahre bis zu seiner Pensionierung – am kommenden Sonntag hält er in der reformierten Kirche Gontenschwil den Abschiedsgottesdienst.

Über zwei Dekaden hielt es ihn im Wynental. Heimat sei schliesslich auch dort, wo man sich wohlfühle, so der gebürtige Basler. Mit der Volljährigkeit all seiner drei Töchter im Jahr 2000 hätte er eigentlich gehen wollen.

Aber Laffer blieb, auch weil die Kirchgemeinde wegen des Abgangs des Gontenschwiler Kollegen wieder ganz ohne Pfarrer gewesen wäre. Als Hirte sorge er sich um seine Herde: «Für mich ist Pfarrer sein kein Job, sondern eine Berufung», sagt der 64-Jährige, davon könne man eigentlich nicht in Rente gehen.

Naturwissenschaft und Theologie

Zum Pfarrer wurde Laffer erst auf Umwegen. Nach der Mathe-Matura reichten seine Interessen von Maschineningenieur von physikalischer Chemie, Germanistik bis zu Diplomatie.

«Ich wusste, dass ich auch in einem weltlichen Beruf Christus dienen kann», sagt Beat Laffer, der religiös aufwuchs. So wählte er das Architekturstudium an der ETH. «Warum ich nach einem Jahr doch zur Theologie wechselte, kann ich hier nicht erklären.»

Vielleicht der Familie wegen? «Nein, zum Glück war mein Vater kein Theologe», sagt Sohn eines Bauingenieurs lachend.

1975 schloss Laffer in Theologie und Philosophie an der Uni Basel ab. Gerne hätte er in England oder den USA studiert. «Die Liebe liess mich aber nicht gehen», sagt der Pfarrer lächelnd.

Diesen Juni feierte er mit der besagten Liebe den vierzigsten Hochzeitstag. Bevor Beat Laffer 1979 seine erste Stelle als Pfarrer in Riehen antrat, folgte ein Studium in Naturwissenschaften.

«Die Spannung zwischen Glaube und Naturwissenschaft hat mich schon immer interessiert», so Laffer, aber einen Widerspruch sehe er noch heute keinen.

Keine Angst vor der Pension

Nach zwölf Jahren verliess er das städtische Riehen Richtung des ländlichen Zetzwil. «Ungewöhnlich, aber ich sah eine grosse Chance darin.» In der überschaubaren Landgemeinde sei es persönlicher und weniger anonym.

«Mir war auch klar: Wenn ich in Riehen bleibe, dann bin ich dort das Leben lang.» So wurden es 22 Jahre in Zetzwil, eine Zeit voller schöner Erlebnisse. Die Jugendlager in Nesslau und am Bodensee sind Laffers Höhepunkte.

Ein kleiner, sichtbarer Erfolg seiner Amtszeit sei der Name der Kirchgemeinde. «Sie heisst heute nämlich nicht mehr nur Gontenschwil, sondern Gontenschwil-Zetzwil, mit Bindestrich – trotz neuem Eherecht», scherzt Pfarrer Laffer.

Sein letzter Gottesdienst im Kirchlein Zetzwil am 7. Juli mit der Taufe des Kindes eines ehemaligen Konfirmanden war ein zweitletzter Höhepunkt vor der Verabschiedung des Neo-Rentners am 4. August.

Bereits heute Dienstag zieht er mit seiner Frau Gerda nach Biel-Benken, nahe seiner geliebten Geburtsstadt. «Die Humanistenstadt Basel ist für mich Heimat», schwärmt Laffer. «Als 8-Jähriger erlebte ich die Stadt als ein einziges, frohes Fest.» Die Feier zum 2000-jährigen Bestehen Basels 1957 sei eine prägende Erinnerung.

«Ich hab keine Angst pensioniert zu sein», sagt Laffer, langweilig werde es ihm mit nicht. Sport treiben und lesen werde er viel – über Kunst- und Literaturgeschichte, Naturwissenschaften, Politik und Soziologie.

Sorgen um die Demokratie

Angst macht Laffer aber die Bedrohung und Verhinderung der Demokratie, weswegen er sich weiterhin im Verein «Zukunft CH» politisch engagiert. Der Verein sieht den aufstrebenden Islam als eine der Ursachen für den Rückgang der Demokratie.

Laffer erklärt: «Gerade in der reformierten Kirche ist Glaube und Staat prinzipiell getrennt. Im Islam hingegen gehört dies prinzipiell zusammen.» Er verstehe, dass Muslime nur ihr Glaubensverständnis auslebten, dennoch sei die Scharia bzw. diese Glaubensauslegung eine Gefährdung für die demokratische Freiheit.

«Muslime sollen aber nicht als Fanatiker, Extremisten oder Islamisten abgestempelt werden, das ist Diskriminierung», sagt Beat Laffer deutlich. «Aber ich bin wegen des Nationalsozialismus und des Kommunismus sensibilisiert und gegen alles Totalitäre, sei es politisch oder religiös.»

Die Freude, mehr Zeit füreinander zu haben, zukünftig seine fünf Enkelkinder öfters zu sehen, überwiegt aber alles andere. Und eines ist klar. «Ich möchte weiterhin als Pfarrer sein», sagt der 64-Jährige, der gerne als Stellvertreter arbeiten würde.