Kölliken
Pfarrer bietet Einführung in Zen-Meditation

Im Kirchgemeindehaus Kölliken führt Pfarrer Toni Gruber ganz praktisch in die christliche Zen-Meditation ein. Dieser spirituelle Weg ist für ihn ein universeller.

Peter Weingartner
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Rose Mathis, Pfarrer Toni Gruber und Arno Erdmann üben sich in der christlichen Zen-Meditation im Kirchgemeindehaus Kölliken. WPO

Rose Mathis, Pfarrer Toni Gruber und Arno Erdmann üben sich in der christlichen Zen-Meditation im Kirchgemeindehaus Kölliken. WPO

Fünf weisse Kerzen sind um einen Blumenstrauss herum gruppiert. Sie stehen im Zentrum eines Kreises, den zehn Stühle bilden. Im Kirchgemeindehaus Kölliken führt Pfarrer Toni Gruber neun interessierte Personen, fünf Frauen und vier Männer, teils haben sie bereits Meditationserfahrung, in die christliche ZenMeditation ein.

Einstimmung mit Texten

Die Texte des spanischen Mystikers und Dichters Juan de la Cruz (Johannes vom Kreuz), 1542 geboren, zeigen, worum es in der Mystik geht: um eine Gotteserfahrung, welcher der rationale Geist nicht beikommt, ja für die es auch keine adäquate Sprache gibt. Erfahrung stehe jenseits allen Wissens.

«Der Verstand versteht die Erfahrung nie», sagt Gruber und meint, es gebe nicht nur Gotteserfahrungen, denen man mit Worten nicht beikomme. Wie kann man den Thymiangeruch beschreiben? Um solche Erfahrungen zu beschreiben, müsse man zur Poesie greifen.

Beim Tee nach der Meditation nennt Toni Gruber zwei Erfahrungen, die sich durch Meditation machen lassen: die Erfahrung des Verbundenseins mit allem und die Erfahrung der unendlichen Weite, die auch eine Leere sei. Dieser spirituelle Weg ist für ihn ein universeller; jede Kultur, so auch die christliche, habe ihre eigene Sprache und ihre eigenen Vorstellungen vom Göttlichen. Gruber hat sich beim Jesuiten Niklaus Brantschen und beim Benediktiner Willigis Jäger ausbilden lassen, beides Katholiken. «Im Buddhismus, wo Zen herkommt, ist Gott das Nichts», sagt er.

Ganz wach da sein

An diesem Abend geht es nicht um Gotteserfahrung, sondern darum «in den Augenblick zu kommen». Das heisst: ganz wach sein, nicht Gedanken wälzen, sondern da sein. Sich sammeln. Die Einen setzen sich auf eine Matte, andere auf ein Meditationsbänkli. Man darf aber auch auf dem Stuhl sitzen bleiben. Und dann blicken alle aus dem Kreis hinaus, auf den Boden, etwa 1,5 Meter entfernt. Das Zählen beim Ausatmen, immer bis zehn, hilft gegen das Abschweifen ins Kopfkino («Wie stehts wohl bei Island gegen Schweiz?»). Der Reporter hört jedes Geräusch, ein Auto draussen, im Haus geht irgendwo eine Türe. Und was ist dieses hohe Sirren im Ohr? Tinnitus oder die Strahlen eines elektronischen Geräts? Das Beissen am rechten Nasenflügel geht ebenso vorbei wie der leichte Schmerz in den Sitzbeinhöckern.

Erfahrungsaustausch

Die Viertelstunde ist schnell vorbei. Nun folgen fünf Minuten langsames Gehen um den Stuhlkreis herum. Wohltuend. Und auch die zweite Runde im Sitzen, schweigend mit offenen Sinnen, ist durchaus entspannend. Den Atem zählen statt der Glockenschläge («Es kann nur 9 Uhr geschlagen haben», sagt der Verstand.). Nach der Übung der Erfahrungsaustausch: Die Konzentration auf das Atmen hilft, Gedanken fernzuhalten. «Der Atem ist auch das Tor zum Unbewussten», sagt Toni Gruber. Man atmet unwillkürlich. Eine Frau erzählt, wie ihr in der Stille der Meditation schwierige Erlebnisse hochkämen, denen sie sich dann stellen müsse. Einige haben beim Sitzen Erkenntnisse, Visionen, Einfälle; andere brauchen dafür Bewegung. «Auch das Gehen hat etwas Meditatives», sagt Toni Gruber.

Beim Tee klingt der Abend aus. Der 55-jährige Gruber, Maschinenzeichner, Theologe, Psychotherapeut, ein «Suchender», wie er selbst sagt, ist von Willigis Jäger autorisiert, als Zen-Lehrer Zen-Meditationen zu begleiten. Er weist auf Meditationsgruppen in Kölliken hin und auf ein Wochenende vom 2. bis 4. November auf dem Herzberg, wo noch Plätze frei sind.

Dann löscht er die Kerzen, räumt auf. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer treten in die Nacht hinaus. Fussball? Ach ja, die Schweiz hat gewonnen. Nun halt.