Menziken

Per Bus und zu Fuss auf Burgers Spuren

Zigarren herstellen ist eine aufwendige Sache, ist von Monika Villiger zu erfahren.

Zigarren herstellen ist eine aufwendige Sache, ist von Monika Villiger zu erfahren.

Eine literarische Reise mit Worten und Tabak als Hommage an den Wynentaler Autor Hermann Burger

Hat Hermann Burger (1942 – 1989) den Wetter-Schalk gespielt? Wenn der Schiltener Schulmeister Schiltknecht in Friedhofnähe schon seine Nebelschule als Lebensschule führt, sollen die rund 40 Teilnehmer der literarischen Busreise Menziken – Schilten retour auch real-atmosphärisch etwas mitkriegen. Trüb ists; ein paar Tropfen fallen oben im Ruedertal, wo Burgers Hauptwerk «Schilten» spielt.

Man möchte meinen, dass das Spiel – sei es die Zauberkunst, die Burger gepflegt hat, aber auch Gedanken- und Wortspiele – den manisch-depressiven Künstler über Wasser gehalten hat, bis er 1989 nicht mehr konnte. Menzenmang, Starrkirch-Quittigen. Reiseleiter und Vorleser Markus Kirchhofer stellte den «Mann aus Wörtern» in dessen Texten vor: Regionales und Biografisches zu Hauf. Während Burger die SBB, wären Bahnen Religionen, der evangelischen Landeskirche zuordnet, sieht er die WSB als neu-apostolische Kirche: 12 klassische Stationen.

Mandi, der Paffer

Im «Sternen» Menziken beginnt die Reise, und auf dem Fussmarsch zur Bezirksschule dürfen die Teilnehmer eine Zigarre paffen. «Ich nehme eine für Ruedi mit», sagt eine Nichtraucherin. Kirchhofer erzählt gegen den Feierabendverkehr aus Burgers Lebensgeschichte. Amüsant und erhellend, gerade was Burgers Herkunftsfamilie angeht, sind die Ausführungen von Monika Villiger im Museum. Da kommt auch Mandi vor, der Schulkollege ihres Bundesratsbruders Kaspar. Jener durfte als Bub Modell stehen für Plakate. «Er war hübscher», kritisiert sie den Grafiker, doch das Schalkhafte habe er getroffen. An Tabak-Blindtests habe auch Hermann Burger mitgemacht, gesellig sei er gewesen, mit Humor gesegnet. Beim Ausgang gibts ein Lunchtäschli mit Landjäger, Streichkäsli, Apfel, Brot, Ovosport und Wasser. Wie es sich für ein Schulreisli gehört. Per Bus unterwegs ins Ruedertal, just beim Weiher linkerhand, erzählt Kirchhofer von der ins Surreale kippenden Geschichte «Der Puck», die daselbst spielt. Christian Wirz hat «Schilten» zu lesen begonnen, jedoch aufgegeben. Er und seine Menziker Kollegen David Leibundgut und Peter Holliger geniessen die Kulturreise mit Lokalbezug. Beim Friedhof neben dem Schulhaus Schiltwald erzählt Markus Kirchhofer von Burgers Arbeit, den 2000 Blättern Entwürfen, Recherchen und Notizen, die er auf 300 Seiten verdichtet hat. Zehn Minuten Friedhof: Gedanken nachhängen, Namen betrachten. In einer Reihe liegen zwei Männer namens Hermann. Ins Ruedertal blicken, Steinarten studieren und Lebensdaten.

Im Schulzimmer rezitiert Kirchhofer prägnante, pädagogik-kritische Sentenzen aus «Schilten»: von der Unvermittelbarkeit des wissenswerten Wissens, geistigen Inutilitarien. Und was Hans ohnehin lernen muss, darauf kann Hänschen verzichten. Werner Ernes schwarzweisse Bilder hängen an der Wand, und nach einem Ausschnitt aus dem Schilten-Film gehts auf einen Abstecher nach Wetzwil mit Burgers «Knüppel-aus-dem-Sack-Walpurgisnacht», einer deftigen Fasnachtsszene mit «besoffenen Böcken und scharf gewordenen Ballhuren».

Bei «Schwynigs mit Cheschtänä», einem Urner Gericht, Bezug zum Roman «Die künstliche Mutter», und einer Menziker Mostcreme geht nach gut fünf Stunden die Burger-Reise im «Sternen» gemütlich zu Ende.

Reisedaten: Freitag/Samstag, 15./16. Mai, Vorverkauf: Seetaltourismus, Lenzburg, Tel. 062 886 45 42

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