Vor dem Rennen wirkt Thomas Amweg etwas angespannt. Kein Wunder: Es ist das erste Mal, dass er in der Formel 3000 antritt, zuvor fuhr er sehr erfolgreich in der Formel 3. «In der Formel 3 reden wir von 220 PS, in der Formel 3000 sind es 480 bis 500 PS», erklärt Amweg den Unterschied.

Bergrennen Reitnau

Eindrücke vom Bergrennen Reitnau

Nicht nur, dass es erst fünf Tage her ist, seit er zum ersten Mal in seinem Lola 99/50 Cosworth sass, auch die Elektronik macht Probleme. «Wir hatten bis zum Rennen viel Stress und konnten nicht alles lösen», sagt er vor dem zweiten Trainingslauf. «Aber es ist ein schönes Gefühl, in Reitnau zu starten, das ist unser Heimrennen», erklärt der 32-Jährige aus Ammerswil. Mit besorgtem Blick schaut er zum Himmel: «Ich hoffe nur, dass das Wetter noch besser wird. Ein neues Auto, und dann noch Regen, das wird schwierig.»

In den Fussstapfen des Vaters

Sein Vater Fredy Amweg gewann von 1971 bis 1998 jedes Schweizer Bergrennen mehrmals, und war auch im Ausland erfolgreich. Thomas möchte in seine Fussstapfen treten und bei den Bergrennen um den Tagessieg mitfahren. «Klar ist es der grosse Traum, dieses Rennen zu gewinnen. Aber ich muss nichts beweisen. Es braucht Zeit, sich auf ein Auto einzustellen.» Keine Show, sondern das neue Fahrzeug nicht zu demolieren, steht an erster Stelle in diesem ersten Rennen in der Formel 3000. Was macht ein Bergrennen aus? «Man muss mental bereit sein, in kurzer Zeit die gesamte Leistung abzurufen. Es gibt keine Auslaufzone, kein Herantasten. Man muss das Limit ausreizen, aber wenn man es überschreitet, ist man raus», erklärt der Rennfahrer.

Die wohl ausgefallenste Rennmaschine beim Bergrennen

Die wohl ausgefallensten Rennmaschinen beim Bergrennen

Einmal im Jahr wird es im beschaulichen Reitnau richtig laut: Wenn Rennfahrer ihre Boliden am legendären Bergrennen über den Asphalt jagen.

Als der erste Rennlauf startet, kommt die Enttäuschung nach der ersten Kurve: Amweg muss rausfahren, technische Probleme zwingen ihn zum Abbruch. Und der zweite Rennlauf findet nicht statt. Kurz vor Schluss kommt es zu einem Unfall.

Rennfahrer-Familie

Auch wenn das Debüt alles andere als gut gelaufen ist, stehen die Chancen gut, dass sich Thomas Amweg in Zukunft seinen Traum vom Tagessieg in Reitnau erfüllen kann. Die Frage, ob ihm das Rennfahren in die Wiege gelegt wurde, bejaht Amweg, ohne zu zögern. «Ich war schon als kleiner Bube an Bergrennen. Allerdings musste ich auch immer dafür arbeiten – seit ich selber fahre, muss ich mich auch um die Vorbereitungen kümmern.» Amweg bringt viel Rennsporterfahrung mit und wird auch von seiner Familie unterstützt, nicht nur vom Vater: «Mein Bruder, meine Schwester, mein Schwager, alle haben Erfahrung im Motorsport.»

Und fiebert der Vater, die grosse Rennlegende, am Streckenrand mit? «Ja, er ist immer sehr aufgeregt, viel nervöser als ich», sagt Thomas Amweg und schmunzelt. «Wir müssen ihn dann etwas beruhigen, damit er nicht alle mit seiner Nervosität ansteckt. Aber ich verstehe ihn. Wenn mein Bruder ein Langstreckenrennen am Nürburgring fährt, dann bin ich auch angespannt.»