Hinter der Bühne ein Handballtor, darin ein Netz mit Fussbällen: In der Aula des Schulhauses Schlossrued hängen Tricots vom FC Barcelona bis St. Pauli. Und das «Servicepersonal» der organisierenden Kulturkommission trägt Leibchen des SC Schöftland. Zu Gast sind das Urgestein des FC Aarau und Trainermacher Ruedi Zahner, Autor Markus Kirchhofer und Christoph Bopp, ehemaliger Spitzenhandballer und heute Journalist.

Trainer als Seelsorger

Wer «Pausenpredigt» googelt, kommt auf Sportberichte in Zeitungen, wo Pausenpredigten Wirkung gezeigt hätten – kaum auf seelsorgerische Angebote. Dennoch: «Der Trainer ist auch ein Stück weit Pfarrer», sagt Ruedi Zahner. Wenigstens sollte er zu den Seelen seiner Spieler Sorge tragen. Was soll man sagen nach einer Niederlagenserie, und im aktuellen Spiel liegt man bereits wieder 0:3 hinten?

Ruedi Zahner erweist sich als gewiefter Rollenspieler, wenn er Trainertypen auftreten lässt, die er erlebt hat, ohne deren Namen zu nennen. Da ist der Polterer, der seine Spieler anschreit und als «metrosexuelle Weicheier» apostrophiert, daneben derjenige, der es gut meint, dessen Körpersprache die Niederlage im Spiel aber schon vorausnimmt. Auch wer nichts sagt, hat keine Garantie. Und wenn er einen Trainer französischer Muttersprache sagen lässt, «aus einem traurigen Arsch kommt kein fröhlicher Furz», ist das keine Jobgarantie. Immerhin: ohne Freude keine Punkte. Das ist Zahners Credo.

Ein Trainer müsse ein guter Mensch sein und für die Spieler da sein, sagt Zahner und nennt Hitzfeld als Beispiel. Nach einem Kantersieg habe er auch die Verteidiger gelobt, nicht nur die Torschützen. Wertschätzung, gesehen werden: «Dann seckelst du für den Trainer!» Dazu kommen Ruhe, Souveränität, Gelassenheit. Oft werde wegen des Drucks zu viel geredet. «Stress macht dumm», denn er verhindere klares Denken. Erfolgreiche Trainer wüssten: «Für den Erfolg brauche ich meine Spieler.» Eine Aussage, die Bopp von Handballtrainer Arno Ehret kennt: «Du bist den Spielern ausgeliefert.»

Wohlfühlpädagogik, wie Christoph Bopp moniert? Zahner kontert: «Wann habe ich meine beste Leistung gebracht? Wenn ich mich wohlgefühlt habe, nicht unter Druck.» Der Trainer sei halt das schwächste Glied, und wenn einer jammere «Wenn ihr nicht trefft, triffts mich», kann er keine Freude, kein Vertrauen vermitteln. Markus Kirchhofer, der zwei Texte mit Fussballbezug vortrug, vergleicht die Rolle des Trainers mit jener einer Lehrperson.

Körpersprache wichtig

Wichtig, um Erfolg zu haben, sei die Körpersprache. Bereits beim Einmarschieren müsse man dem Gegner signalisieren, dass man bereit ist. Nicht vor Ehrfurcht erstarren. Zahner: «Das ist im Leben auch so.» Bestätigendes Nicken aus dem Publikum. Schliesslich lanciert Bopp Kirchhofer. Was bedeutet das Zitat von Albert Camus auf Kirchhofers Shirt mit der Aufschrift: «Alles, was ich über Moral und Verpflichtungen weiss, verdanke ich dem Fussball»?

Camus sei in Algier so sozialisiert worden: im Kollektiv etwas erreichen, an Niederlagen wachsen. Von wegen Moral und Menscheln: Um einen Trainerfreund vor dem Abstieg zu retten, könne man versuchen, ihn gewinnen zu lassen. Fazit des Abends: Die anderthalb Stunden Lebenskunde mit Pausentee und Russenzopf boten ein höchst unterhaltsames Kabinenerlebnis.