Uerkheim
Paul Feller: Werken statt herumsitzen und Trübsal blasen

Kaum jemand geht an Paul Fellers Haus einfach vorbei. Unermüdlich schreinert der rüstige Rentner Vogelhäuschen, Hundehütten, Blumentröge und sogar auch mal ein Katzenhaus, wenn dies gewünscht wird.

Rosmarie Lippuner
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Paul Feller

Paul Feller

Aargauer Zeitung

«Nein, ich war Automechaniker», sagt Paul Feller auf die Frage, ob er Schreiner von Beruf sei, «zur Schreinerei als Hobby fand ich eher zufällig, kurz vor meiner Pensionierung.» Seine Pensionierung nach 25 Dienstjahren bei der Emil Frey AG in Safenwil ist bereits 18 Jahre her.

«Zu meiner Zeit musste man als Automechaniker einiges können. Während des Krieges war man gezwungen, Ersatzteile aus Stahl selber herzustellen, denn damals waren solche nicht erhältlich.»

Entdeckte Freude am Holz

Der begabte Mechaniker entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem wahren «Allrounder», dem Kollegen, Freunde und Bekannte alle Arten von Reparaturen anvertrauen konnten, von der Uhr übers Dreiradvelo bis zum Bügeleisen.

Als Paul Feller einen neuen Metallreifen für einen Holzbottich anfertigen musste, reizte es ihn, mal selber so einen Bottich zu machen, mitsamt den Holzteilen.

So begann seine «Karriere» als Schreiner, denn da entdeckte er seine Freude am Material Holz. Seit 20 Jahren schreinert Paul Feller mittlerweile vor seinem Haus unter dem Vordach. Anfänglich entstanden vorwiegend Blumentröge und «Milchmälchterli» (hölzerne Milchkessel), dann bestellte jemand eine Hundehütte. Darauf folgten Vogelhäuschen, und vermutlich kann man Paul Feller als Erfinder der «Katzenhütte» bezeichnen.

In den 20 Jahren hat die Frohnatur, die immer ein blaues Béret trägt, schon Hunderte von schmucken Hüttchen in allen Grössen gefertigt, meist im Auftrag, und wenn grad kein Auftrag vorlag, produzierte er auf Vorrat. Irgendjemand kam immer vorbei und entschloss sich spontan zum Kauf. «Das funktioniert meistens», sagt er, «nur diesen Frühling kam ein Blumentrögli nicht weg, da habe ich dann halt selber Tomaten angepflanzt.»

Manchmal denke er ans Aufhören, denn die Arbeit ermüde ihn sehr und seine Kinder lägen ihm längst in den Ohren, er solle es doch etwas ruhiger nehmen. «Aber was soll ich dann den ganzen Tag tun? Ich kann nicht den ganzen Tag herumsitzen. Ich brauche eine sinnvolle Beschäftigung», meint der 83-Jährige, «sonst werde ich trübsinnig.»

Auch für Kontakt ist gesorgt

«Soeben habe ich wieder eine Lieferung Holz erhalten. Firmen und Schreiner aus der Umgebung schenken mir Rest- und Abfallholz.»
Und so macht er sich wieder an die Arbeit mit Stichsäge, Fräse, Winkelschleifer und Bohrmaschine. Auch im Winter ist er draussen am Arbeiten, obwohl er dann zwischendurch die Hände aufwärmen muss. Die Beschäftigung im Freien hat aus seiner Sicht noch andere Vorteile: Regelmässig hebt Paul Feller die Hand zum Gruss, und öfter bleibt jemand für ein Schwätzchen stehen. Der fröhliche Handwerker schätzt den Kontakt und Austausch mit Menschen jeden Alters sehr.