Oberkulm

Parteien tauschen Nettigkeiten aus: Wie Roger Schmids Team zusammengestellt wird

Der bisherige Vizeammann Roger Schmid (SVP) scheint als neuer Gemeindeammann gesetzt.

Der bisherige Vizeammann Roger Schmid (SVP) scheint als neuer Gemeindeammann gesetzt.

In Oberkulm ist die SP, die bisher den Gemeindeammann stellte, derart schwach, dass es bei der Suche nach Gemeinderatskandidaten zu einer Art Schulterschluss der Ortsparteien kommt. Für die Gesamterneuerungswahlen, die bereits am 25. Juni stattfinden, fehlt noch ein Kandidat.

Zum ersten Mal seit vielen Jahren haben sich sämtliche Ortsparteien und die IG Oberkulm zusammengetan, um die Kandidatensuche gemeinsam anzugehen. Die politische Vielfalt steht hinten an. Zwar suchen die Parteien in den eigenen Reihen, die Kandidaturen werden aber abgesprochen. Zwei Sitze sind im Gemeinderat neu zu besetzen: Gemeindeammann Edmund Studiger (SP) und Gemeinderätin Barbara Bögli (SVP) stellen sich nicht mehr zur Wiederwahl. Wieder antreten wird Vizeammann Roger Schmid (SVP). Der 59-Jährige will als Ammann die Nachfolge von Edmund Studiger antreten. Als Vizeammann kandidiert der bisherige Gemeinderat Christian Hirt (FDP). Ebenfalls zur Wiederwahl stellt sich FDP-Parteikollegin Verena Brändli.

Die Gründung eines Findungskomitees hatte die IG Oberkulm angestossen – eine überparteiliche Gruppe, die in verschiedenen Anliegen im Dorf aktiv ist – und die Ortsparteien schlossen sich der Idee an. «Wir haben entschieden, dass es keinen Sinn macht, gegeneinander zu schiessen», sagt Sandro Lasen, SVP-Ortsparteipräsident, auf Anfrage. «Wir wollen die Energie lieber darauf verwenden, gemeinsam nach fähigen Kandidaten zu suchen.»

Die SVP schickt neben Ammann-Kandidat Roger Schmid sicher noch einen neuen Kandidaten ins Rennen: Bruno Ritter. Der 62-jährige Sekundarlehrer ist seit August 2013 in der Gemeinde wohnhaft und seither Mitglied der örtlichen SVP. Eine mögliche dritte Kandidatur aus den Reihen der Volkspartei ist gemäss Präsident Lasen noch in Abklärung.

SP hat Mühe, den Sitz zu verteidigen

Auch die SP sucht noch nach Kandidaten. Denn einfach so kampflos abgeben wollen die Sozialdemokraten ihren Sitz nicht. Aber man müsse realistisch bleiben, sagt der amtierende Gemeindeammann Edmund Studiger. Die Suche nach einem Gemeinderatskandidaten aus den eigenen Reihen sei schwierig. Für die anderen Ämter habe man zum Teil Kandidaten finden können. So wird es etwa um die drei Sitze in der Schulpflege zu Kampfwahlen kommen. «Einfach irgend jemanden aufstellen, nur damit man jemanden auf der SP-Seite hat, macht ja auch keinen Sinn», sagt er. Schliesslich werde im Rat wenig Parteipolitik betrieben, zentral seien die Sachthemen.

Dem pflichtet der SVP-Mann Roger Schmid bei. Für den amtierenden Vizeammann ist klar, er wird – sollte er als Ammann gewählt werden – das Steuer nicht komplett herumreissen: «Ich will im Gemeinderat nicht politisieren. Mein Ziel ist es, die Anliegen der Bevölkerung auszuwägen und mehrheitsfähige Lösungen zu finden.» Natürlich habe er im Sinn, «gewisse Justierungen vorzunehmen», wie er sagt. Damit spricht er vor allem den Finanzhaushalt der Gemeinde an. Dass er fähig ist, hier Veränderungen herbeizuführen, hat er in den letzten Jahren bewiesen.

Ressort Finanzen in SVP-Hand

Schmid, der 2004 mit seiner Familie aus dem Kanton Zürich ins Wynental zog, sitzt seit 2010 im Oberkulmer Gemeinderat, seit Beginn als Vizeammann. Als selbstständiger Versicherungsbroker hat er die Ressorts Finanzen und Steuern übernommen – eine ungewöhnliche Rochade, sind die Finanzen doch meist in der Hand des Ammanns. «Ein Glück» sei es für ihn gewesen, sich um die Finanzen kümmern zu dürfen, sagt er heute.

Er sei zufrieden mit dem eingeschlagenen Weg und «guten Mutes», dass der Gemeinderat diesen auch in neuer Zusammensetzung so weiterführen könne. «Für uns ist klar, wir wollen die Infrastrukturen aufrechterhalten und mit aktuellen Instrumenten arbeiten», so Schmid. «Aber wir hinterfragen heute die Kosten vermehrt.» Ziel sei nicht, um jeden Preis zu sparen, sondern als Gemeinde attraktiv zu bleiben und deshalb zum Steuerfuss (aktuell 122 Prozent) «Sorge zu tragen».

Dazu gehöre auch der kritische Blick auf die regionale Zusammenarbeit. Schmid ist kein Skeptiker. Die regionale Zusammenarbeit finde er richtig und wichtig. Aber er betrachte es als seine Aufgabe, hier und da den Mahnfinger aufzuhalten und Aufwand und Ertrag zu hinterfragen, auch wenn das nicht bei allen gut ankomme. Im aktuellen Bezirksschulstreit ist für ihn klar: Der Standort Unterkulm muss erhalten bleiben – entweder basierend auf einer guten Zusammenarbeit mit der Kreisschule Homberg, im schlimmsten Fall «unter Direktive des Kantons», wie Schmid sagt.

So wie es bis jetzt aussieht, will ihm aus dem Kreis der bisher Nominierten das angestrebte Ammann-Amt niemand streitig machen. Ein Kampfkandidat müsste sich sputen: Die Anmeldefrist läuft diesen Freitag, 12 Uhr, ab.

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