Suhre
Parteien kritisieren Landverlust durch Hochwasserprojekt

Das Rückhaltebecken Staffelbach beansprucht 4,9 Hektar an Fruchtfolgeflächen.

Flurina Dünki
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Die Begradigung ist mit ein Grund, dass das Suhrental regelmässig überschwemmt wird.

Die Begradigung ist mit ein Grund, dass das Suhrental regelmässig überschwemmt wird.

Der Versuch, der Suhre 1920 einen geraden Gewässerverlauf aufzuzwingen, kümmerte den Fluss wenig. Im Gegenteil, die Begradigung ist mit ein Grund, dass das Suhrental regelmässig überschwemmt wird und dies bereits schon bei verhältnismässig häufig eintretenden Hochwasserereignissen.

Das Hochwasserschutzprojekt des Kantons, das momentan ausgearbeitet wird, will ab der Luzerner Grenze bis Buchs Überschwemmungen bis zum Stärkegrad eines sogenannten 100-jährlichen Hochwassers verhindern.

Die drei Hauptmassnahmen bestehen in einem Hochwasserrückhaltebecken in Staffelbach, der Revitalisierung eines Suhre-Abschnitts und Meliorationen in Attelwil, Reitnau, Moosleerau und Staffelbach. Momentan läuft das Vernehmlassungs-, Anhörungs- und Mitwirkungsverfahren hinsichtlich der kantonalen Richtplanänderung zur Erstellung des Rückhaltebeckens Staffelbach. Dieses wird in Kombination mit Ausbaumassnahmen in Schöftland, Oberentfelden, Suhr und Buchs erstellt.

Rückhaltebecken

Das ist geplant:

Das Hochwasserrückhaltebecken in Staffelbach soll dereinst ein Rückhaltevolumen von einer Million Kubikmetern aufweisen. Folgende ergänzenden Ausbaumassnahmen sind dem Projekt angegliedert:

- In Schöftland sind eine Mauererhöhung und ein Erddamm auf einer Länge von rund 60 Metern geplant.

- In Oberentfelden und Suhr wird ein Teilabschnitt der Suhre abgesenkt und die Brücken, Ufermauern und Gebäude unterfangen.

- Im Industriegebiet von Suhr wird eine Ufermauer ersetzt und erhöht und der Längsdamm mit einem Querdamm ergänzt.

- In Buchs werden 120 Meter des bestehenden Damms erhöht und mit einer Ufersicherung versehen.

Im Richtplan soll das Projekt «Hochwasser Suhrental Suhre» vom Stand «Zwischenergebnis» auf «Festsetzung» wechseln. Zudem sollen die 4,9 Hektar Land, die künftig vom Rückhaltebecken beansprucht werden, im Richtplan als Reduktion an Fruchtfolgeflächen eingetragen werden. Denn sobald durch ein Vorhaben mehr als 3 Hektar Fruchtfolgeflächen dauerhaft verloren gehen, muss der Grosse Rat einer Richtplanänderung zustimmen.

Weniger Überschwemmungen

Durch das mittels Dämmen gestaltete Becken soll ein Gebiet von 70 Hektar weniger häufig überflutet werden (Staffelbach, Schöftland, Hirschthal, Muhen, Oberentfelden, Unterentfelden, Suhr und Buchs). Die Gesamtkosten, getragen von Bund, Kanton und Gemeinden, betragen rund 23 Millionen Franken. Die Berechnung der Projektverfasser ergibt, dass pro investierten Franken ein Schaden von 1,6 bis 1,8 Franken verhindert werden kann.

Noch bis zum 22. Dezember können zum Projekt Eingaben gemacht werden. Bereits haben Grüne und SVP ihre Meinung kundgetan. Die SVP lehnt die Richtplanänderungsvorlage ab. Dabei stört sie vor allem das Kosten–Nutzenverhältnis und der Verlust an Fruchtfolgeflächen. Der Landverlust betrage insgesamt 9,4 Hektar (rechnet man die Landflächen hinzu, die durch Revitalisierung und Meliorationen später noch an das Projekt fallen). Dies sei bedauerlich und solle auf alternative Massnahmen überprüft werden. Ferner erstaunt es die Partei, dass Bauten auf BLN-Gebiet (Bundesinventar der Landschaften von nationaler Bedeutung) «problemlos möglich sind», wenn es um Hochwasserprojekte gehe – im Gegensatz zu Gewerbe- und Landwirtschaftsbetrieben.

Auch die Grüne Partei ist nicht restlos glücklich mit dem Vorhaben. Sie stimmt der Richtplananpassung zu, verbindet damit aber die Forderung, die Fruchtfolgeflächen zu kompensieren. «Funktionierende Böden sind ein wesentliches, vielleicht das wesentlichste Element im Wasserhaushalt», teilt sie mit.

Weiteres Vorgehen

Die Vorhaben «Meliorationen» und «Revitalisierung Suhre» sind die nächsten geplanten Projektschritte. Mit den Neueinteilungen der Parzellen werden durch die Meliorationen unter anderem Fruchtfolgeflächen an der Suhre frei, die zur Revitalisierung benötigt werden. Nachdem die Gemeinden 2018 über die Melioration beschlossen haben, wird dem Grossen Rat der Verpflichtungskredit für die Revitalisierung vorgelegt.