In der Eintretensdebatte wurde die Kontroverse Landschaftsschutz und Förderung des lokalen Gewerbes offensichtlich. So äusserte Hansjörg Wittwer, der Sprecher der Grünen, sie würden zwar die Entwicklung des Gewerbes bejahen, aber dennoch den Richtplan mehr gewichten. «Wir haben Respekt vor dem Richtplan und wollen Gleichheit für alle». Wittwer brachte weiter ins Spiel, dass die Region Aargau Süd rund 40 Hektaren Industrieland habe und zusätzlich die Industriebrachen in Reinach und Menziken. Die Region befinde sich in einer unkontrollierten Lage und die Einzonung von Fruchtfolgeflächen bewirke weitere Begehrlichkeiten, sagte Wittwer.

Angesichts der Petition von

70 Gontenschwilern, die sich wegen der mangelnden Information durch die Gemeinde beklagt hätten, forderten die Grünen die Rückweisung des Geschäfts. Dann könne die Gemeinde im Rahmen der bereits eingeleiteten Nutzungsplanung in einem demokratischen Prozess das Land kompensieren.

Sukkurs erhielten die Grünen von der SP. Rosmarie Groux erklärte: «Die Umlagerung von Arbeitsplätzen ist kein Verlust, die Gemeinden sollen regional denken und mit den Landreserven sorgfältig umgehen.» Auch die SP unterstützte die Rückweisung.

Die Sprecher von SVP, CVP, EVP verlangten, die Kompensation des eingezonten Landes und plädierten für die Rückweisung.

Die Haltung der Bezirksgrossräte

Mit Christine Haller, (GLP, Reinach) trat die erste Rednerin aus der Region ans Pult. Das Begehren der Unternehmer und die Dringlichkeit seien grundsätzlich unterstützungswürdig, aber angesichts der 25 Hektaren Landreserve Gontenschwils und der Industriebrachen in der Umgebung, sei es an der Zeit, regional zu denken. Haller plädierte für Nichteintreten und Rückweisung.

Auch der Reinacher René Kunz (SD), bewertete den Landschaftsschutz höher als die Gewerbebauten. «Ich verlange im Oberwynental eine Planung mit ganzheitlicher Entwicklung» sagte Kunz. Max Härri, (SVP, Birrwil) verlangte ebenfalls die Kompensation und das effizientere Bauen. Härri trat für Nichteintreten ein.

SLB und FDP unterstützen Vorlage

Weitere Aspekte brachte Bettina Ochsner, (FDP, Oberlunkhofen), sie wies darauf hin, dass eine Gesamtrevision längere Zeit brauche. Die FDP wolle die Existenz der Betriebe und die Weiterentwicklung Gontenschwils sichern. Mit dem Hinweis auf das Regionale Entwicklungskonzept REK plädierte sie auf die vorgezogenen «bedingte Teilzonenänderung.»
Grosse Unterstützung kam vonseiten Beat Leuenberger, (SLB, Schöftland). Er wies auf die Zusammenarbeit der Firmen im Mättenfeld hin, die zusätzlichen Arbeitsplätze für die Stiftung Schürmatt. Die Zeit drängt, «bei einem Nein würde der Kanton Luzern die Firmen gern aufnehmen.»

Im Namen einer Minderheit der SVP erhielt Leuenberger von Eugen Frunz, (Obersiggenthal) Unterstützung: «Hier ein Exempel zu statuieren ist fadenscheinig».
Und dann räumte Renate Gautschy, (FDP), Gemeindeammann von Gontenschwil engagiert verschiedene «Unwahrheiten und Gerüchte aus, plädierte für Eintreten, «damit wir im Herbst mit dem Projekt vor die Gmeind können.»

Mit 64 zu 63 gegen Rückweisung

Regierungsrat Peter C. Beyeler machte ruhig und sachlich dem Parlament klar, dass es lediglich über eine Richtplananpassung entscheide. «Die Einzonung machen dann Gemeinde und Bevölkerung». Weiter wies Beyeler darauf hin, dass es keine Rechtsgrundlage gibt für eine regionale Kompensation. «Bei einer Rückweisung wären die Chancen für die Unternehmen vorbei», so der Baudirektor.

Spannend die Abstimmung: Mit 79 Ja zu 48 Nein wurde Eintreten beschlossen, der Antrag der Kommission auf Rückweisung wurde mit 64 Nein gegen 63 Ja abgelehnt. Am Schluss stimmten die Parlamentarier mit 74 Ja gegen 52 Nein der Richtplananpassung zu.

Es war bereits im Vorfeld der Grossratsdebatte klar geworden, dass das Begehren der Gemeinde zugunsten des Gewerbes 2,74 Hektaren Landwirtschafts einzuzonen nicht auf einem Spaziergang durchzubringen ist. Verschiedene Parteien hatten in ihren Vernehmlassungen klar geäussert, dass sie die Anpassung des Richtplans nicht goutierten und von Gontenschwil eine Kompensation verlangen werden.

Rasche Lösungen verlangt

Martin Keller, der Präsident der vorberatenden Kommission Umwelt, Bau, Verkehr, Energie und Raumordnung (UBV) erklärte, obschon den Mitgliedern bewusst war, dass die Unternehmen auf eine rasche Lösung angewiesen seien, sei die Detailberatung «heftig geführt worden». Angesichts der 25 Hektaren Landreserven der Gemeinde Gontenschwil und der Industriebrachen in der Region, sei die Kommission zur Meinung gekommen, die Einzonung sei «nicht notwendig» oder die Fläche müsse «Eins zu Eins» kompensiert werden.