Hilfseinsatz
Papiersammeln: Gut für die Schulkasse, aber mit Risiko für die Kinder

Sieben Gemeinden im Bezirk Zofingen setzen nach wie vor auf Schüler als Papiersammler. Der Rest verzichtet darauf – vor allem wegen der Sicherheit.

Caroline Kienberger und Emiliana Salvisberg
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Die Beiträge, welche die Schulen für das Sammeln des Altpapiers erhalten, nutzen sie oft als Zustupf für Lager und Exkursionen.

Die Beiträge, welche die Schulen für das Sammeln des Altpapiers erhalten, nutzen sie oft als Zustupf für Lager und Exkursionen.

Pascal Meier

Ab nächstem Schuljahr gibt es in Strengelbach keine Oberstufe mehr. Damit fällt auch die Papiersammlung durch die Oberstufenschüler weg. «Für die Schule und den Gemeinderat war klar, dass die Sammlung durch die Primarschüler keine Option ist», schreibt der Gemeinderat. Strengelbach prüfte zunächst, ob eine Entsorgungsfirma die Arbeit übernehmen könnte.

«Der wirtschaftliche Ertrag ist jedoch bescheiden.» Da für Altpapapier Tagespreise gelten, kommt es zudem zu erheblichen Schwankungen. In den vergangenen sieben Jahren sei die Sammelmenge um rund 40 Prozent zurückgegangen. Die Entsorgungszentren in der Region hätten dazu beigetragen. In Strengelbach können die Einwohner zudem die Sammelstelle beim Werkhof nutzen.

Verzicht wegen Unfallgefahr

Während 40 Jahren sammelten in Nebikon die Schülerinnen und Schüler das Altpapier ein – im Sommer 2015 war damit Schluss. Das Gemeindepersonal übernahm diese Aufgabe. Zwei Gründe gaben den Ausschlag: Die Unfallgefahr und organisatorische Aspekte.

Das Thema Sicherheit bei Papiersammlungen durch Schüler ist spätestens seit Mai 2007 akut. Damals verunfallte in Buchrain LU ein Schüler tödlich. Er war von einem Lastwagen gestürzt und überrollt worden.

Der Rechtsberater des Lehrerverbandes Schweiz, Peter Hofmann, publizierte 2014 im Magazin «Bildung Schweiz» einen Artikel. Papiersammlungen seien «ein Risiko zu viel für die Schule», schrieb er.

Lehrerinnen und Lehrer könnten sich gar nicht gegen den Einsatz ihrer Klassen wehren, weil sie von der Gemeinde angestellt seien und den Weisungen des Arbeitgebers folgen müssten.

Die Verantwortung bei einem Vorfall geht laut Hofmann deshalb an die Gemeinde über. Bei einem Vorfall können Gerichte und Unfallversicherungen Eventualvorsatz geltend machen. Gewisse Versicherungen schliessen den Eventualvorsatz aber aus, zahlen bei einem Vorfall also nicht.

«Ich wünsche den Gemeindeverantwortlichen viel Vergnügen, wenn eine Haftungsklage kommt», so Hofmann. Der Schweizerische Gemeindeverband rät den Gemeinden von Papiersammlungen durch Schüler ab. (AWI)

Strengelbach ist nicht einzige Gemeinde im Bezirk, die die Papiersammlung in dieser Form aufgibt. Eine Umfrage zeigt: Rothrist, Oftringen, Murgenthal, Vordemwald, Kirchleerau, Mooslerau, Uerkheim, Staffelbach und Wiliberg sind ebenfalls auf eine andere Lösung umgestiegen. Brittnau wechselt dieses Jahr auf ein neues System; eine externe Firma soll die Aufgabe übernehmen.

Die Schule Rothrist führt seit 2013 keine Papiersammlungen mehr durch – dies aufgrund der hohen Unfallgefahr (siehe links), so Stephanie Schoch, Sachbearbeiterin Abteilung Planung und Bau der Gemeinde Rothrist. Die Papiersammlung werde heute durch die gleiche Unternehmung, welche den Kehricht einsammelt, abgewickelt.

Finanziell ändere sich dadurch wenig: Die Schule habe früher von der Gemeinde einen Pauschalbetrag pro Kilogramm erhalten, welcher in etwa der Entschädigung des Altpapierverwerters entsprach. Mit dem heutigen System halten sich die Kosten für das Einsammeln und die Entschädigung etwa die Waage.

Werkdienst entlasten

Wegen den ständig sinkenden Sammelmengen hat Oftringen vor drei Jahren die Altpapier-Sammlung zum Selbstkostenpreis an eine externe Firma übergeben. «Der Unterschied liegt weniger im finanziellen Bereich.

Wichtiger ist die Entlastung des Werkdienstes für dringendere Aufgaben», hält die Abteilung Bauen Planen Umwelt der Gemeinde Oftringen fest. Ebenfalls seien die Sicherheitsbedenken der Lehrer und Eltern berücksichtigt worden.

Murgenthal hat die Papiersammlung durch die Schüler 2009 mit dem neuen Abfallkonzept abgeschafft und durch eine monatliche Holsammlung, durchgeführt von einem Transportunternehmer, ersetzt.

Damit wollte die Gemeinde die Gesamtmenge des separat gesammelten Papiers erhöhen und erreichen, dass weniger Papier in der Kehrichtverbrennung landet. Sicherheitsüberlegungen seien mit ein Grund gewesen für die Umstellung.

Vordemwald verzichtet seit der Inbetriebnahme der örtlichen Sammelstelle an der Gländstrasse auf eine Papiersammlung durch Schüler. Dieses System erweise sich als wesentlich effizienter.

In Zofingen, Aarburg, Safenwil, Kölliken, Bottenwil, Reitnau und Attelwil sind dagegen noch die Schüler unterwegs. In Zofingen an etwa neun Tagen pro Jahr. Auf den meisten Touren sind die Klassen von der Bezirksschule und der SeReal zusammen mit den Lehrpersonen unterwegs.

«Mitarbeiter des Werkhofs Zofingen sammeln aus Sicherheitsgründen im Mühlethal sowie an Hanglagen mit motorisierten Fahrzeugen», sagt Christoph Wälti, Leiter Werkhof Zofingen.

Mit der Aufhebung der Hauptsammelstelle und der Auslagerung der Wertstoffsammlung an eine externe Firma seien die Mengen stark gesunken, entsprechend auch die Einnahmen für die Schulen. Eine Umstellung ist kein Thema, wurde aber schon diskutiert, da der Verkehr sehr zugenommen hat.

In der Gemeinde Aarburg liegt die Organisation der Papier- und Kartonsammlung bei der Schule und steht unter Lehreraufsicht. «Die Schule ist an den Sammlungen interessiert, weil sie die Entschädigung zugunsten von Schulprojekten und Lagern einsetzen kann», sagt Lars Bolliger, Leiter Bau Planung Umwelt der Gemeinde Aarburg.

Sammlungen durch das Bauamt würden nicht zur Diskussion stehen, da die Ressourcen fehlen. Die Variante Entsorgungsstelle wurde geprüft, aber verworfen.

«Die meisten Schüler sammeln gerne Papier, selbst wenn das Wetter nicht so super ist», sagt Matthias Bär, Co-Schulleiter der Kreisschule Safenwil-Walterswil. Einmal pro Quartal sind die Oberstufenschüler auf Tour. Ansonst gibt es keine Möglichkeit, Papier privat zu entsorgen.

«Die rund 7000 Franken werden in Projekte investiert, die den Schülern zugutekommen.» Dies sind besondere Anlässe wie Reisen, Exkursionen oder die Anschaffung von Spielgeräten für den Pausenplatz.

In Kölliken werde die Sammlung von den Oberstufenschülern «zu Fuss» erledigt. Die Schule erhält eine gewichtsabhängige Rückvergütung. Beim Einsatz durch das Bauamt würden Lohn- und Fahrzeugkosten in unbekannter Höhe anfallen.

In Bottenwil helfen die Schülerinnen und Schüler der 4., 5. und 6. Klasse mit. Bauamt und Schulhauswart sind ebenfalls involviert. Eine Abschaffung sei noch kein Thema gewesen. Jeweils drei bis vier Kinder werden von einem Erwachsenen begleitet.

Die Schüler der Kreisschule Oberstufe Oberes Suhrental führen vier Mal pro Jahr eine Papiersammlung durch. Die Schulleitung berücksichtige den Aspekt der Sicherheit – und habe besonderes Augenmerk darauf.