Reinach
Ortskern kommt vor Zentrum am Rand

Die vorgestellte Versorgungsstudie Wynental über die einkaufsmöglichkeiten in der Region plädiert für einen starken Ortskern.

Peter Siegrist
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AargauSüd-impuls-Präsident Roger Müller stellt die neue Geschäftsführerin Ursula Hilfiker (r.) und Raumplanerin Barbara Gloor (l.) vor. psi

AargauSüd-impuls-Präsident Roger Müller stellt die neue Geschäftsführerin Ursula Hilfiker (r.) und Raumplanerin Barbara Gloor (l.) vor. psi

An der gut besuchten Infoveranstaltung von aargauSüd impuls im Reinacher Saalbau wurden viele der zahlreichen Besucher überrascht. Bei der Vorstellung der Studie zur Versorgung im Wynental (az Aargauer Zeitung vom 7. Januar) kristallisierte sich rasch die Bedeutung des Ortskerns heraus.

Peter Kotz von der Planungsfirma Interurban, Zürich, zeigte deutlich auf, dass Reinach nur einen Schub zur Eigenständigkeit erleben könne, «wenn zuerst der Ortskern gestärkt werde». Wer mit der vorgefassten Meinung an die Veranstaltung gekommen war, die Planer wollten den Leuten lediglich ein Einkaufszentrum am Dorfrand schmackhaft machen, wurde eines anderen belehrt.

Reinachs Schwächen und Stärken

Die Studie weist nach, dass die Region Oberwynental klar wohnorientiert ist, dass sie mit 36 Arbeitsplätzen auf 100 Einwohner deutlich unter dem schweizerischen Schnitt von 51 auf 100 liegt.

Kotz zeigte auf, dass Reinach eine hohe Versorgungszentralität hat. Dennoch, im Zentrum wird nur rund die Hälfte des Umsatzes erwirtschaftet. «Das ist am unteren Limit», sagt Kotz, «in Reinach fehlt der dominante Ortskern. Würde nun im Moos im Norden Reinachs ein Einkaufszentrum mit 10000 Quadratmetern gebaut, hätte das Folgen für das Zentrum. Es wäre damit zu rechnen, dass nicht alle Detailhändler bleiben. «Wenn die so genannten Signalanbieter zügeln, ist es um den Ortskern geschehen», so Kotz, «das ist ein echtes Gefahrenmoment.»

So stelle sich die Frage, ist es nicht möglich im Zentrum etwas zu realisieren statt am Dorfrand. Reinach habe mit den ungenutzten Grossarealen in Zentrumsnähe durchaus ein Nutzungspotenzial, war zu erfahren. So kommt der Planer Kotz zur Quintessenz, dass «Reinach diese Areale unbedingt in Planung einbeziehen muss.»

In der anschliessenden regen Diskussion stellte ein Votant das Areal der ehemaligen Drahtfabrik Voco zur Diskussion. Das sei eine Möglichkeit, wobei man nicht allein an Einkaufsmöglichkeiten denken solle, sagte Kotz. Allerdings kam rasch ein Einwand: «Wie soll das mit dem Verkehr gelöst werden?»

Martin Heiz, der Reinacher Gemeindeammann klärte die Situation des Voco-Areals. Es gäbe zwei Probleme zu lösen. Erstens seien in diesem Gelände Altlasten zu beseitigen, damit Investoren überhaupt Interesse zeigen würden. Zweitens müsse eine Lösung gefunden werden, um dieses Gebiet für den Verkehr zu erschliessen. «Wir haben mehrere Perlen im Dorf, aber immer stellt sich die gleiche Frage, wie kommen wir mit dem Verkehr dahin und wieder weg.»

Ein Votant brachte die Ansicht ein, ein Einkaufszentrum am Rand könne das Zentrum auch vom Verkehr entlasten. Allerdings war die Mehrheit derjenigen, die sich zu Wort meldeten, der Ansicht, der Ortskern müsse gestärkt werden. Einkaufszone, Begegnungszone und eine angepasste Gastronomie wurden erwähnt.

Roger Müller versprach, dass sich aargauSüd, aber auch die Gemeinden auf den Weg machten. «Auch bei der Nutzungsplanung ist jetzt die Zusammenarbeit und gegenseitige Absprache unter den Gemeinden im Wynental nötig. aargauSüd impuls bleibt dran», versprach Müller.