Ochsenschwanz? Man kennt edleres Fleisch. Aber im Januarloch darfs auch etwas einfacher zu- und hergehen. «Es gibt nur zwei Menus», sagt «Central»-Chefin Anita Müller, «Ochsenschwanz mit Kartoffelstock oder eine vegetarische Gemüsewähe.» Abgesehen von Salat oder Suppe zur Vorspeise, gebrannter Creme oder Schokolademousse zum Dessert. Dem Anlass angepasst, kommen die Musiker Gogo Frei, Moni Schär und Dani Knechtli ohne Strom aus. Und auch Autorin Ursula Reist aus Küttigen setzt sich ohne Mikrofon durch.

Leiche im Teich

Musik und Literatur, dazu Essen und Trinken: Das ist das Konzept der Januarlochparty. «Wir hatten Klaus Merz, Düdül Steiner, Alex Gfeller und 2005, als ihn noch keine Sau kannte, Pedro Lenz», sagt Gogo Frei. Dieses Jahr liest Ursula Reist aus ihrem neusten Krimi. Das Buch sei am Zoll steckengeblieben, doch die Autorin macht gluschtig.

Ein Krimi, wie bereits seine vier Vorgänger, mit viel Lokalkolorit. Da wird im Teich eines gutbürgerlichen Aarauer Anwesens eine Leiche gefunden. Lacher im Publikum zeigen: Man kennt Hausherrinnen, die wegen Kinderlärm und Laub Terror machen können.

Zwei Menus pro Schwanz

Lesung und Konzert wechseln sich ab, und bei den kulinarischen Gängen dazwischen ist Gelegenheit zum Plaudern. Man duzt sich. Da sind Leute aus dem Bekanntenkreis der Künstler, auch aus dem Züribiet, aber auch Leute aus der Region, die nicht zum ersten Mal dabei sind. Oder «Central»-Gäste, die es kulinarisch mal etwas einfacher mögen. Ochsenschwanz eben.

Nicht die Suppe, sondern das Fleisch von dreijährigen Tieren. Anita Müller zeigt in der Küche, wie einfach sich das Fleisch vom Knochen lösen lässt, wenn die Schwänze eine Stunde geschmort haben. Ein Schwanz gebe Fleisch für etwa zwei Portionen her. Der Anlass, an dem jeweils 48 Personen teilnehmen können, ist ausverkauft. Das chüschtige Schwanzfleisch im feinen Saucenteich mitten im Kartoffelstock mundet.

«Kriminelle» Musik

Die Musiker passen ihr Repertoire der Lesung an. Der «Kriminaltango» von «Hazy selig» darf ebenso wenig fehlen wie «Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett» mit den Schlussreimen: «Mimi hat die Interpol und ich den Alkohol.» Süffige Musik also, «Jailhouse Rock», «Folsom Prison Blues», «I shot the Sheriff». Musik mit Herzblut interpretiert, und als Moni Schär in «Sheik of Araby» ihre Stimme nicht schont, fühlt man sich an Louis Armstrong erinnert.

Eine Puffszene in einem Etablissement an der A1 mit der «gut gerundeten Blondine Ludmilla», wo ein Protagonist des Krimis «Der Tod träumt nicht» den Gemeindeammann seines Wohnorts trifft, beendet die Lesung von Ursula Reist. Das Publikum ist bis zuletzt voll dabei, und bei den musikalischen Zugaben «Hemmige», «Tequila» und «S Tröimli» wippt es nicht nur mit. Es spart auch im Januar nicht mit Singen, wenigstens beim Refrain.