Menziken

Oberwynentaler Fitnesspioniere ziehen ins Hochhaus – und wollen so die Konkurrenz fernhalten

Rosmarie und Thomas Wüst sind seit 1996 in Menziken tätig.

Rosmarie und Thomas Wüst sind seit 1996 in Menziken tätig.

Das traditionelle ProFIT in Menziken zügelt Ende August vom Sagiweg ins gegenüberliegende Hochhaus. Damit reagiert das Fitnesscenter auf den zunehmenden Konkurrenzkampf.

Die Fitnessbranche ist im Umbruch. Seit Jahren. Auch im Wynental. Fitnesscenter eröffnen und schliessen wieder. Die Konkurrenz wird grösser, der Druck auf die Betreiber steigt.

Rosmarie (61) und Thomas Wüst (62) aus Menziken konnten sich mit ihrem ProFIT im Oberwynental halten. Und dies schon seit über 20 Jahren. Ihr Erfolgsrezept: «Bei uns stehen unsere Mitglieder im Mittelpunkt», sagt Rosmarie Wüst. Hier werde der Kunde betreut, begleitet und beraten. Ganz im Gegensatz zu Discount-Center.

Jetzt steht eine grosse Veränderung an: Das ProFIT zügelt Ende August vom Sagiweg auf die gegenüberliegende Strassenseite ins Menziker Hochhaus. Dort, wo sich bereits der zweite Betreiber eines Fitnessklubs innerhalb von zwei Jahren nach nur wenigen Monaten zurückzieht. Das Ehepaar Wüst reagiert: «Die Fitnessbranche in unserer Region hat mit diesem Hin und Her ein Image-Schaden erlitten», ist Thomas Wüst überzeugt.

Das erste Studio in der Region

Rosmarie Wüst ist eine gebürtige Menzikerin. Ihr Mann ist auf der Burg aufgewachsen. Die beiden sind 1996 mit ihrer Familie aus der Region Baden zurückgekehrt in ihre alte Heimat. Mit dem Ziel, ein Fitnesscenter zu eröffnen.

Zuerst arbeiteten sie mit einem Geschäftspartner zusammen, sechs Jahre später haben die Wüsts das Ruder selber übernommen. Das ProFIT war eines der ersten Studios in der ganzen Region. «Wir haben Fitness nach Menziken gebracht», sagt Thomas Wüst stolz. Die Fitnesspioniere haben damit den Nerv der Zeit getroffen: «Von Anfang an hatten wir zwischen 450 und 600 Mitglieder», sagt Rosmarie Wüst. Diese Zahl sei über die Jahre stabil geblieben.

2008 übernahmen die Wüsts auch noch das Unterkulmer Studio MüliFIT – der Betreiber war Konkurs gegangen. Fortan führten sie zwei Fitnesscenter. Das Körperbewusstsein habe sich in den letzten Jahren stark verändert. «Junge Frauen und Männer wollen immer früher ihren Körper formen», stellt Rosmarie Wüst fest. Während die jüngsten bei den Anfängen von ProFIT um die 20 waren, sind heute schon 15-Jährige am Training interessiert.

Gleichzeitig habe sich im älteren Segment etwas verändert: «Heute wollen auch Pensionierte fit sein.» Das Fitnesscenter sei dann nicht nur zum Schwitzen da, sondern auch, um Leute zu treffen. Und genau das gehört zur Philosophie von Rosmarie und Thomas Wüst: Die Stimmung untereinander muss passen.

Die Konkurrenz wurde grösser

Während der Fitness-Boom in der ganzen Schweiz schon über 10 Jahren anhält, sind im Wynental erst in den letzten vier Jahren verschiedene Studios wie Pilze aus dem Boden geschossen. Die Konkurrenz brachte das ProFIT zwar nicht in grosse Bedrängnis. Aber bei jeder Neueröffnung verloren die Wüsts wieder zehn bis zwanzig Kunden.

Der Abopreis spielte wohl oft auch eine Rolle. «Wir bieten ab 870 Franken ein Jahresabo an», so Rosmarie Wüst. Dies bei einer Vollbetreuung. Da können Discount-Studios ohne Trainer vor Ort deutlich günstigere Angebote machen. Zudem mussten auch die Öffnungszeiten angepasst werden. «Früher öffneten wir erst um 9 Uhr», sagt Thomas Wüst, «jetzt schon eine Stunde früher».

Hochhaus gehört neu der UBS

Als im ehemaligen Alu-Hochhaus dann ein topmodernes Fitness Einzug hielt, wurde es für die Wüsts besonders schwierig. «Konkurrenz ist zwar gesund, aber auf so engem Raum nicht optimal», sagt Thomas Wüst. Nach eineinhalb Jahren schloss der Fitnessklub 2te Etage. ProFIT sprang ein und übernahm die Kunden des gescheiterten Trainingscenters. Im Dezember letzten Jahres eröffnete dann der Move-Fitnessclub – auch dieser war nicht erfolgreich.

Eigentümerin des Hochhauses ist mittlerweile nicht mehr die Kurt Weber AG, sondern die UBS Anlagestiftung. Von ihr wussten die Wüsts, dass in den Räumlichkeiten des Hochhauses weiterhin ein Fitnesscenter betrieben werden soll. Um zu verhindern, dass erneut ein Konkurrent einzieht, haben sich die Wüsts für die Flucht nach vorne entschieden. Sie werden die frei werdenden Flächen im Hochhaus übernehmen.

«Wir werden unsere Philosophie eins zu eins im neuen Studio weiterleben», sagt die 61-Jährige. Und auch die Preise bleiben gleich. Trotz der kurzen Distanz sei es für sie aber ein sehr grosser Schritt. «Nur, wenn unsere Mitglieder mitziehen, kann es ein Erfolg werden», sagen die Wüsts. Am bisherigen Standort wird es künftig kein Fitnessstudio mehr geben. Die Gefahr, dass in diesen Räumen auf einmal ein neuer Fitness-Konkurrent auftauchen wird, besteht jedoch nicht. Die Räumlichkeiten werden zu Wohnungen umgebaut.

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