Es war keine einfache Entscheidung. Sie war so schwierig, dass Fredy Gut vor dem ersten Wahlgang offen liess, ob er als Ammann kandidieren wollte oder nicht. Er kandidierte dann als Vizeammann, wie auch Gemeinderat Steven Schneider.

Nach dem ersten Wahlgang hatte Kölliken zwei gewählte Gemeinderäte, drei Vakanzen und weder Ammann noch Vizeammann. «Ich musste zuerst mit mir ins Reine kommen, wissen, was ich selber will», sagt Fredy Gut (FDP).

Denn Kölliken ist kein einfaches politisches Pflaster. Das Wissen darum hat ihm den Entscheid nicht einfacher gemacht. Eine dieser Geschichten ist beispielsweise jene um den Dorfplatz, für dessen Umgestaltung Pläne vorlagen.

Nach der Gemeindeversammlung wurde jedoch das Referendum ergriffen, der Investor zog sich zurück und der Dorfplatz liegt noch heute brach. Kein Wort mehr verlieren will Gut über die anderen vergangenen Geschichten. «Weitere Details sind nicht nötig», sagt er.

Nun blickt Fredy Gut optimistisch in die Zukunft. «Die politischen Kräfte halten sich in gewissen Bereichen fast die Waage, sodass Entscheide einmal so und einmal so ausfallen können», sagt er. Die letzten Entscheide an der Gemeindeversammlung seien jedoch klar und eindeutig gewesen. «Irgendwann muss man die Vergangenheit abhaken können und an die Zukunft denken», sagt er.

Titel war ihm nicht wichtig

«Ich wusste, ich werde nicht Ammann, weil ich gerne Titel habe, sondern weil ich etwas für die Gemeinde tun will.» Er stehe auch nicht gerne im Rampenlicht aber als Ammann gehöre das halt dazu.

Trotz der Querelen in der Gemeinde hat sich Fredy Gut entschieden, als Ammann zu kandidieren, und wurde schliesslich in stiller Wahl gewählt. «Das Amt ist anspruchs- und verantwortungsvoll. Deshalb gehe ich es mit grossem Respekt und einer gewissen Vorsicht an. Ich will mein Amt so gut wie möglich ausführen und freue mich, für die Gemeinde Kölliken Ammann sein zu dürfen.» Vor seinem Entscheid hat sich Gut mit seiner Frau und seiner Familie beraten, sich mit Freunden und der Partei besprochen sowie sich von Gemeindeschreiber Felix Fischer über die Aufgaben eines Ammans orientieren lassen.

Er verlässt sich aufs Bauchgefühl

Fredy Gut ist gelernter Karosserie-Spengler mit Meisterprüfung und hat 24 Jahre bei einer Versicherung gearbeitet. Seit 26 Jahren wohnt er in Kölliken, davon war er 16 Jahre als Stimmenzähler aktiv, bevor er vor sechs Jahren für die FDP in den Gemeinderat gewählt wurde. Die vergangenen vier Jahre war er Vizeammann.

In dieser Zeit habe er gelernt, sich vermehrt auf sein Bauchgefühl zu verlassen, dieses habe ihn noch nie im Stich gelassen. «Ich versuche, korrekt und anständig zu sein und auch keine personenbezogenen Entscheide zu fällen», sagt Gut. Er sei direkt, aber mit dem nötigen Respekt.

Seine Schwäche sei, dass er sehr emotional reagiere und sich in eine Sache reinsteigern könne. «Es hilft dann, wenn ich eine Nacht darüber schlafe», sagt er. «Fredy Gut ist einer, der sich Zeit nimmt für sein Amt», sagt Vizeammann Steven Schneider. Er sei kooperativ und offen, arbeite über die Partei hinaus und setze sich für die Sache ein.

Auf die Gemeinde warten viele Herausforderungen und Projekte. «Wir müssen die Finanzen im Lot halten, sonst steht eine grössere Steuererhöhung an», sagt Gut. «Wir müssen sorgfältig überlegen, welche Projekte wichtig und nötig sind und welchen finanziellen Rahmen die Gemeinde für deren Realisierung bereitstellen kann.»

Man müsse unterscheiden zwischen nötigen Projekten und wünschenswerten. So stehen Sanierungen der Badi, der öffentlichen Bauten und von verschiedenen Strassen und die Schulraumplanung an.

Gut ist verheiratet und Vater von drei erwachsenen Töchtern. Vor fünf Jahren liess er sich pensionieren. Heute ist er 66 Jahre alt und geniesst neben seinem neuen Amt das Leben. Vor allem beim Radfahren.

«Das Rad begleitet mich seit ewiger Zeit», sagt er. Er geht viel biken und fährt mit seinem Mountainbike in der Gruppe «Fun Bikers Ü50». So sagt Gemeindeschreiber Felix Fischer über ihn: «Fredy Gut ist wohl der besttrainierte Gemeindeammann in der Region. Seine Begeisterung für den Sport reicht vom Schnee bis auf die Strasse.»

In diesem Jahr ist für Gut auch Zeit für ein Abenteuer: Entweder will er mit dem Rennvelo an einer Pyrenäentour mitmachen oder einmal mit dem Bike diagonal durch die Schweiz radeln. Doch der Entscheid steht noch offen.