Oberkulm
Oberkulmer Fusionsgegner: «Wir fühlen uns unter Druck gesetzt»

Der Widerstand gegen die geplante Fusion von Oberkulm und Unterkulm wächst. Jetzt tritt das Komitee «für Oberkulm – eigenständig stark» auf. Die Fusion komme zu früh und zu schnell, kritisieren sie. Jetzt verteilen sie ein Flugblatt.

Barbara Vogt
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Fusion Unterkulm – Oberkulm: Wenn es zur Fusion kommt, ändern sich diese Ortsschilder.

Fusion Unterkulm – Oberkulm: Wenn es zur Fusion kommt, ändern sich diese Ortsschilder.

AZ

Vor einigen Wochen wurde das Komitee «für Oberkulm – eigenständig stark» ins Leben gerufen. Es wehrt sich gegen eine Fusion der beiden Gemeinden Ober- und Unterkulm.

Ein Flugblatt des Komitees mit dem Titel «Mit einem Nein für Oberkulm» wird morgen Freitag in alle Haushaltungen der Gemeinde verteilt.

Die beiden einander zugewandten Tauben – eine für Oberkulm, die andere für Unterkulm – sind mit dicker roter Farbe durchgestrichen. Das Taubenbild war als Vorschlag für ein neues Wappen der Gemeinde Kulm entworfen worden.

In nächster Zeit wollen die Fusionsgegner auch Plakate mit «Deine Stimme zählt» im Dorf aufhängen. Kleber, ebenfalls mit der durchgestrichenen Taube versehen, sind auf zahlreichen Autos in Oberkulm zu sehen. Beim Pöstler klebt das Bild am Roller, mit dem er seine Post verteilt.

Fusion kommt zu früh

Das Komitee verteilt die Werbekleber gratis, es gebe jedoch Bewohner, die diese grosszügig mit einem «Nötli» bezahlen. «Die Gönnerbeiträge kommen in unser Kässeli und decken unsere Aufwände», sagt Urs Bader vom Komitee.

Urs Bader ist das älteste Mitglied des Komitees, in doppelter Hinsicht: Er ist 70-jährig und rief das Komitee sozusagen ins Leben. Vor einiger Zeit schrieb er einen Leserbrief gegen den geplanten Zusammenschluss. «Das gibt Ärger», dachte er.

Er irrte sich: Von vielen Seiten wurde er ermutigt, weiter zu kämpfen. Heute gehören 16 Leute dem Komitee an: Junge, Alte, Lehrlinge, Geschäftsführer, Linke, Rechte.

«Die Fusion ist ein emotionales Thema in Oberkulm», so Bader. «Wir haben nichts gegen die Unterkulmer. Aber wir wollen eigenständig bleiben. Dafür kämpfen wir.» Alle 14 Tage trifft sich das Komitee, um Aktionen zu planen.

Eine junge Frau sei dem Komitee beigetreten, weil sie sich nicht vorstellen könne, zu Unterkulm zu gehören.

Der Zusammenhalt in Oberkulm sei gut und könne durch die Fusion verloren gehen. Doch dies ist nicht das einzige Argument der Gegner. «Die Fusion kommt zu früh und geht zu schnell», sagt Urs Bader. «Wir fühlen uns unter Druck gesetzt.»

«Kein Rettungsanker»

Zu viele Punkte seien ungenügend abgeklärt worden, etwa welche Investitionen in den nächsten Jahren auf beide Gemeinden zukommen. Unterkulm stehe finanziell schlecht da.

Oberkulm sei zwar nicht auf Rosen gebettet, komme aber alleine gut zurecht.

«Unterkulm braucht Geld, ihre Investitionspläne sind 45 Prozent höher als in Oberkulm. Wir spielen nicht den Rettungsanker», sagt Bader. Ein Beispiel: der Böhlerkreisel. Die hohen Kosten seien bei den Investitionen nicht eingerechnet worden. «Das ist wie eine heisse Kartoffel, die von den Fusionsturbos nicht angefasst wird.»

Bei einer Fusion werden Kinder aus Ober- und Unterkulm von einer Schule zur anderen geschoben, befürchtet Bader.

«Die Oberkulmer müssen nach Unterkulm gehen, dort ist das Verkehrsaufkommen aber gross. Mir gefriert das Blut in den Adern, wenn ich sehe, wie Kinder mitten im Verkehr über die Strasse gehen. Solchen Gefahren wollen wir unsere Kinder nicht aussetzen.»

Bis jetzt ist Oberkulm überschaubar. Komme es zu einer Fusion, verliere man den Überblick und die Gemeinderäte hätten noch eine grössere Arbeitsbelastung, sagt Urs Bader. Auch könnte man das Gemeindehaus nicht mehr beibehalten.

Bei einem Nein bleiben Türen offen

Höchstes Ziel des Komitees sei es, niemanden zu beleidigen, am allerwenigsten die Unterkulmer, sagt Bader.

Auch stelle es sich nicht gegen die Zusammenarbeit in verschiedenen Bereichen. «Wir wollen aber ein eigenes Kässeli führen. Ein Paar heiratet auch nicht mit zwei leeren Portemonnaies.»

Wenn die Fusion nicht zustande kommt, will das Komitee die Türen zu Unterkulm nicht verschliessen: «Dann setzen wir uns an einen gemeinsamen Tisch und reden über eine allfällige Fusion in ein paar Jahren.» Was, wenn der Zusammenschluss zustande kommt? «Dann akzeptieren wir es. Schliesslich leben wir in einer Demokratie.»