Oberkulm/Kölliken
Oberkulm stellt sich gegen eine Aufstockung der Schulsozialarbeit

Gemeinderäte waren gegen eine Pensenerhöhung – Kölliken sprach sich trotzdem dafür aus

Sibylle Haltiner und Christine Wullschleger
Merken
Drucken
Teilen
Die Gemeinderäte von Kölliken und Oberkulm wollten die Pensen bei der Schulsozialarbeit nicht erhöhen. Der Kölliker Souverän sagte trotzdem Ja.

Die Gemeinderäte von Kölliken und Oberkulm wollten die Pensen bei der Schulsozialarbeit nicht erhöhen. Der Kölliker Souverän sagte trotzdem Ja.

Patrick Züst/Symbolbild

Die Schulsozialarbeit wird an der Kreisschule Mittleres Wynental sowie an den Primarschulen Oberkulm, Unterkulm und Teufenthal nach einer Pilotphase definitiv eingeführt. Hierzu haben die Stimmberechtigten an den Gemeindeversammlungen in allen drei Dörfern ihr Einverständnis gegeben. Da die Erkenntnisse aus der Pilotphase ausserdem einen höheren Pensenbedarf auswiesen, wurde zusätzlich eine Erhöhung des Stellenpensums um 60 auf 140 Prozent beantragt. Die Gemeindeversammlungen in Unterkulm und Teufenthal hiessen die Aufstockung gut. Allerdings war eine Zustimmung in allen drei Verbandsgemeinden nötig.

Gemeinderat gegen Aufstockung

In Oberkulm stellte der Gemeinderat einen Ablehnungsantrag für die Erhöhung des Pensums und die dadurch entstehenden Kosten von 34 240 Franken. Schulpfleger Sandro Lasen erhielt die Gelegenheit, die Schulsozialarbeit vorzustellen. Er wies darauf hin, dass durch diese Einrichtung viele Probleme bereits in einem frühen Stadium erkannt und gelöst sowie oft höhere Kosten für Einweisungen in Sonderschulen und Heime vermieden werden könnten. «Die Schulsozialarbeit ist an unseren Schulen gut eingeführt und konnte bereits bei schwerwiegenden Problemen Unterstützung bieten.» Allerdings sei die Arbeit mit einem 80-Prozent-Pensum kaum zu schaffen. «2014 hatten wir 329 Fälle», erklärte Lasen. Daneben käme die Präventionsarbeit zu kurz und es wäre wünschenswert, wenn sowohl eine männliche wie auch eine weibliche Ansprechperson zur Verfügung ständen.

In der nachfolgenden Diskussion wiesen vor allem Eltern auf die wichtige und hilfreiche Arbeit der Schulsozialarbeit hin. Auch wurde moniert, dass der vergleichsweise geringe Betrag für die Aufstockung in keinem Verhältnis zu anderen Ausgaben der Gemeinde stehe. «Es wird am falschen Ort gespart», hiess es.

FDP gegen definitive Einführung

Die FDP wollte gar die definitive Einführung verhindern und stellte den Antrag, die Pilotphase zu verlängern, da keine neutrale Auswertung vorliege. Diesen Vorwurf konterte Sandro Lasen. «Eine externe Evaluation ergab gute Noten und nach der Kündigung der ersten Sozialarbeiterin wurde die Organisation angepasst.»

In der anschliessenden Abstimmung hatte der Antrag der FDP keine Chance, die definitive Einführung wurde mit 87 Ja- zu 13 Nein-Stimmen gutgeheissen. Die Pensenerhöhung allerdings schickte der Souverän bachab. Der Antrag des Gemeinderats auf Ablehnung wurde mit 68 Ja-Stimmen gutgeheissen, nur 52 Personen sprachen sich für die Aufstockung aus.

Kölliken genehmigt Erhöhung

Auch an der Gmeind Kölliken wurde über die Erhöhung des Pensums für die Schulsozialarbeit befunden: Sie soll ab dem 1. Januar 2016 von 60 auf 80 Prozent erweitert werden. Gründe dafür sind unter anderem die steigende Anzahl Gespräche und die fehlende Zeit für Präventionsarbeit. Die Pensenerhöhung bringt Mehrkosten von 20 000 Franken mit sich, denen der Gemeinderat kritisch gegenüber stand. Das Angebot der Schulsozialarbeit decke weit mehr ab, als einst beschlossen wurde, sagte der zuständige Gemeinderat Roland Frei. Er rechnete vor, wie viele Stunden pro Jahr der Schulsoziarbeit mit einem 60-Prozent-Pensum zur Verfügung stehen und zog davon jeweils eine Stunde für die 544 getätigten Gespräche im Jahr 2014 ab. So kam er auf über 600 Stunden Restzeit, welche laut Frei nicht ausgewiesen sind. Der Gemeinderat empfahl deshalb den Antrag zur Ablehnung.

Danach ergriff Kathrin Schlatter, Vizepräsidentin Schulpflege, das Wort und zeigte auf, dass das Pensum der Schulsozialarbeit unter dem Durchschnitt verglichen mit dem Angebot der umliegenden Gemeinde liege. Sie sehe nicht, wo dass Angebote ausserhalb des beschlossenen Rahmens bestehen. «Bei der Einführung der Schulsozialarbeit war das notwendige Pensum schwierig einschätzbar, doch jetzt braucht es mehr Ressourcen, um effektiv arbeiten zu können», sagte sie, «zudem geht es hier um die Kinder, sie trifft keine Schuld, wenn sie in solch schwierige Situationen kommen.» Die Gemeindeversammlung stimmte dem Antrag auf Pensenerhöhung schliesslich mit 81 Ja- zu 21 Nein-Stimmen klar zu.