Kölliken
Nur die Finanzierung der Bahnhof-Toilette gab an der Gmeind zur reden

Es war eine ruhige und überraschend diskussionslose Gemeindeversammlung. Einzig die Finanzierung eines Bahnhof-WCs gab zu reden. Der Gemeinderat informierte zudem darüber, wie er es künftig verhindern will, dass Kredite überschritten werden.

Janine Müller
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Der Kreisel «Sonnenkreuzung» kam über 700000 Franken teurer. Der Gemeinderat hat nun Massnahmen eingeleitet, damit dies nicht mehr passieren kann.

Der Kreisel «Sonnenkreuzung» kam über 700000 Franken teurer. Der Gemeinderat hat nun Massnahmen eingeleitet, damit dies nicht mehr passieren kann.

Es war die Bahnhof-Toilette, die an der Kölliker Gemeindeversammlung vom Freitagabend am meisten zu reden gab. 60000 Franken hätte die Gemeinde an eine Unisex-WC-Anlage am Bahnhof bezahlen müssen, hätte sie den Antrag des Gemeinderats abgelehnt. Doch die 119 anwesenden Stimmberechtigten folgten dem Vorschlag ihrer Exekutive und entschieden sich dazu, sich finanziell nicht an einer neuen WC-Anlage am Bahnhof zu beteiligen.

Der Gemeinderat gab vor der Abstimmung zu bedenken, dass es im 100 Meter entfernten Friedhofsgebäude bereits ein öffentliches WC gäbe. Der zuständige Gemeinderat Martin Bossard machte zudem darauf aufmerksam, dass öffentliche Toiletten oft von Vandalismus betroffen seien. Ein Votant machte sich trotzdem stark für die WC-Anlage: «Es ist ein Halbpreisangebot. Wollen wir später ein WC bauen, müssen wir mehr dafür bezahlen.» Die EVP unterstützte den Gemeinderat: «Sollte es einen Kiosk und oder eine Beiz am Bahnhof geben, dann müssen die ein WC bereitstellen. Damit hätte sich das Problem von alleine gelöst.»

Werner Boss äusserte sich gegen den Bahnhof-Kredit

Werner Boss, der an der Sommer-Gmeind den Antrag an den Gemeinderat überwies, den Einbau einer WC-Anlage zu prüfen, setzte sich vehement für die öffentliche Toilette ein – und kam damit nicht bei allen gut an. Vor allem auch, weil er sich nicht nur für die WC-Anlage einsetzte, sondern sich auch gegen den Kredit von 1,278 Millionen Franken für die Neugestaltung des Bahnhofs auflehnte. Dieser wurde an der Gemeindeversammlung im letzten Juni gutgeheissen. Boss ging so weit, dass ihn Noch-Gemeindeammann Roland Brauen darauf hinweisen musste, dass dies nicht das Thema sei. Den Beifall vieler in der Mehrzweckhalle hatte Brauen auf seiner Seite. Boss gab später bekannt, dass er von nun an den Gemeindeversammlungen fern bleiben werde. Er habe mit seinen Anliegen nie eine echte Chance gehabt, sagte er am Ende seines Beitrags.

Keine Überschreitungen mehr

Ansonsten zeigten sich die Kölliker nicht diskussionsfreudig. Die sechs traktandierten Kreditabrechnungen wurden diskussionslos angenommen, obwohl zwei Projekte mit enormen Kreditüberschreitungen aufwarteten. Der Knoten Risigasse kam 156000 Franken teurer als erwartet, der Kreisel bei der Sonnenkreuzung kostete gar über 700000 Franken mehr. Damit solche aussergewöhnliche Kreditüberschreitungen künftig nicht mehr vorkommen, präsentierte Bossard Massnahmen. In Zukunft müsse zwischen Gemeinde und Kanton besser geplant und koordiniert werden. Zudem wolle man all Vierteljahre Rapporte über die Verpflichtungskredite einholen und so die Kosten kontrollieren. Bei hohen Überschreitungen würde dann ein Baustopp eingeleitet. «So können wir solche Überraschungen künftig vermeiden», sagte Bossard.

Gemeinderäte verabschiedet

Eine Überraschung gab es für die zwei abtretenden Gemeinderäte Edith Wittich und Martin Bossard und für den abtretenden Gemeindeammann Roland Brauen an der Gmeind. Sie wurden von Vizeammann Fredy Gut gelobt und mit einem Geschenk verabschiedet. (jam)