Schöftland
Niklaus Huber: «Im Kirchturm sind alle Nester besetzt»

Im Kirchturm lebt eine Kolonie der seltenen Dohlen – die geselligen Vögel machen Dreck und lieben sich ewig. Kommen hin und wieder Ornithologen ins Dorf, schauen die jedoch in den Himmel und sagen nur noch: «Ah und oh!», ob all der Dohlen.

Aline Wüst
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Hoch über dem Schlossgarten landet eine Dohle auf der Aussenmauer des Kirchturms. Chris Iseli

Hoch über dem Schlossgarten landet eine Dohle auf der Aussenmauer des Kirchturms. Chris Iseli

Ein Hans guck in die Luft sei er, sagt Niklaus Huber. Und darum auch schon mit Strassenlaternen zusammengeprallt. Aber Huber muss das tun. Sonst sieht er sie gar nicht – die Dohlen, die hoch über seinem Kopf kreisen.

Eins möchte Huber, der Präsident vom Natur- und Vogelschutzverein Schöftland, aber gleich zu Beginn festhalten: «Ich mag auch Spatzen.» Eigentlich genauso sehr wie Dohlen. Nur zu den Dohlen müsse man mehr Sorge tragen. Sie sind selten, stehen auf der Liste der bedrohten Brutvögel. Etwa 26 der geschätzt 1200 Schweizer Brutpaare leben in Schöftland. Dort ist man sich der Seltenheit der gefiederten Kirchturmbewohner gar nicht so bewusst. Der Singsang der Dohlen gehört zum Dorf, und der Siegrist putzt die Sauerei, die sie rund um die Kirche machen ohne zu schimpfen weg. Man hat sich aneinander gewöhnt.

Die Brut wird überwacht

Das alles erzählt Huber, der im Auftrag der Vogelwarte Sempach die Brut der Schöftler Dohlen überwacht, bevor er in die Kirche tritt. Wer ihm folgt und neben den Chorstühlen durch die kleine hölzerne Tür schlüpft, vorbei an der Krippe fürs Weihnachtsspiel, die auf einem Zwischenboden eingelagert ist, gelangt nach vielen Stufen zu den grossen Glocken. Von dort kann man den Dohlen in die Nester gucken. Seit Hunderten von Jahren leben sie im Kirchturm. Oft sitzen die schwarzen Vögel auf den grossen Zeigern der Uhr. Ihr Gewicht drücke den Zeiger ein bisschen hinunter, erzählt Huber und schmunzelt über den Gedanken, dass die Vögel damit die Zeit ein bisschen vor- oder zurückdrehen können. Überhaupt seien die Dohlen gesellige und drollige Vögel.

Obwohl recht wilde Flieger, flatterhaft sind die Dohlen keineswegs. Einmal verlobt, bleiben Dohlenpärchen ein Leben lang zusammen. «Ich habs zwar nie kontrolliert, aber das stimmt», sagt Huber. Und die Dohlenpaare sind nicht nur während der Brutzeit zusammen. Auch sonst ruhen sie eng aneinandergedrückt. 23 Vögelchen schlüpften dieses Jahr im Kirchturm. Alle Nistmöglichkeiten sind besetzt, es herrscht Platznot.

Dreck und Lärm

Denn, obwohl die Vögel auch anderswo schlafen, brüten wollen sie nur im Turm. Es sei auch schwierig, irgendwo anders eine Kolonie anzusiedeln. Denn Huber muss zugeben: Die Vögel machen Dreck und Lärm. Wer trotzdem Nisthilfen aufhängen will, würde mit der Anwesenheit einem ganz besonderen Vogel beglückt, meint Huber.

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