«Fleiss und Mut braucht es, um weiterzukommen», sagte Hanspeter Latour. «Und Glück.» 47 Jahre habe er warten müssen, bis sich seine Visionen erfüllt hätten.

Da war zuerst der Traum des Balljungen, in der obersten Fussballliga zu spielen. Der junge Amateurtrainer hatte das Ziel, ein Profiteam zu leiten und bald entstand die Vision, in den internationalen Fussball aufzusteigen.

Hanspeter Latour hat alles geschafft, was er sich vorgenommen hat. Wie er das erreicht hat, darüber erzählte der ehemalige Fussballtrainer des FC Thun am Donnerstagabend auf Einladung der Volkshochschule Wynental im reformierten Kirchgemeindehaus Menziken.

Visionen lassen sich zeichnen

Parallelen sollten die Zuhörer ziehen können, von der Fussballwelt zu ihrem eigenen beruflichen und privaten Leben. Und sie merkten schnell: Leidenschaft für das, was man tut, ist eine Grundvoraussetzung für den Erfolg.

Engagiert referierte Latour, packte sein Publikum mit markigen Worten, zeigte Gefühle, plauderte aus dem Nähkästchen.

Oft liess er als Trainer beispielsweise seine Spieler ihre Ziele in Zeichnungen festhalten. Bei der Führung seines Teams setzte er auf individuelle Spielregeln und gestand jedem Mitglied einen Joker pro Jahr zu, um eine Vorschrift umgehen zu können. «Eine Linie zu haben, heisst nicht führen, sondern nur sortieren», erklärte er.

Pfannenfertige Rezepte servierte Latour nicht. Dafür gab er viele persönliche Einblicke in seinen Führungsstil und verriet Motivationstricks. Einer davon: Nach vorne schauen, abhaken, was schief gelaufen ist. So verzichtete der Trainer nach einem völlig verpatzten Spiel auf die Videoanalyse und führte sein Team in eine Autowaschanlage – um alles Vergangene abzuspülen und wieder vorwärtsgehen zu können. «Das nächste Spiel haben wir 3:0 gewonnen», verkündete Latour mit schelmischem Lachen.

Balance finden in schwieriger Zeit

Auch von seiner schwierigen Zeit in Köln, wo er nach einem Jahr als Cheftrainer freigestellt wurde, erzählte Latour. «Eine positive Grundeinstellung braucht es, dann mag es viel leiden.» Wichtig sei für ihn auch, jederzeit in der Balance zu sein. «Ich gebe gerne eine Hand, um zu helfen, aber die andere muss bereit sein zum Dreinschlagen.»

Das Publikum hörte fasziniert eineinhalb Stunden lang zu. «Man hat die Leidenschaft gespürt», erklärten zwei Frauen. «Und das Feuer, das ihn immer wieder packt.» Auch für das eigene Fortkommen konnten die Zuhörer etwas mitnehmen. «Das Vorwärtsschauen ist wichtig», meinte einer. «Eine positive Einstellung, Lebensenergie und Drive zu haben», ergänzten zwei andere.

Am Schluss des Abends musste aber doch noch Latour, der Fussballexperte, Auskunft geben: Was denn mit YB los sei und wie man mit hochbezahlten Profispielern umgehe, wollte das Publikum in der Fragerunde nach dem Vortrag von Latour wissen.