Jetzt soll in Muhen nach rund einem Monat Aufregung um den Gasthof Waldeck Ruhe einkehren. Vier Tage vor Weihnachten hat der Müheler Gemeinderat kommuniziert, dass in der «Waldeck» nun doch keine Asylsuchenden einquartiert werden sollen.

Rückblick: Als vor rund einem Monat die Pläne des Sozialdepartements öffentlich wurden – im Gasthof sollten rund 60 Asylsuchende einen Platz finden – formierte sich über die «IG pro Muhen» Widerstand. Kurze Zeit später reichte der Müheler Dieter Zaugg auf der Plattform petitio.ch die Petition «pro Asylunterkunft Muhen» ein.

Schon bevor die Pläne des Kantons bekannt wurden, hatte der Gemeinderat einen Termin mit dem neuen Eigentümer der «Waldeck» vereinbart, um über die geplante Nutzung des Gasthofs zu diskutieren.

«Da der Vertrag mit dem Departement Gesundheit und Soziales noch nicht abgeschlossen wurde, zeigte sich der Eigentümer bereit, über eine allfällige Vermietung der Liegenschaft an die Gemeinde zu verhandeln», sagt Gemeindeammann Andreas Urech.

Muhen hat gewonnen

Muhen hat gewonnen

Bis zu 60 Asylbewerber sollten im Gasthof Waldeck untergebracht werden. Nach dem Widerstand hat der Vermieter das Objekt der Gemeinde zugesichert.

Die Gemeinde war nämlich noch immer auf der Suche nach Schulraum, weil in den kommenden Sommerferien das Schulhaus Süd abgerissen und ein neues Schulhaus gebaut wird. «Wir hatten schon vor dem Verkauf der ‹Waldeck› die Idee, im Gasthof Schulzimmer einzurichten. Diese Idee haben wir auch mit dem neuen Besitzer angeschaut», sagt Urech.

Mietvertrag ab 1. Januar

Abklärungen mit der Schulbehörde und mit einem Architekten hätten ergeben, dass der fehlende Schulraum in der Waldeck eingerichtet werden könne. Die Gemeinde hat deshalb mit dem neuen Eigentümer einen Mietvertrag ab 1. Januar 2017 unterschrieben.

«Es ging uns nicht darum, auf Biegen und Brechen die Pläne des Kantons zu verhindern. Wenn wir keinen Schulraum gebraucht hätten, hätten wir den Gasthof nicht gemietet, das wäre gegenüber dem Steuerzahler nicht fair und auch nicht vertretbar gewesen», ergänzt Andreas Urech. Zudem sei die neue Lösung besser als teure Container auf dem Schulareal aufzustellen.

Protest gegen die geplante Asylunterkunft: Stimmen aus Muhen

Protest gegen die geplante Asylunterkunft: Stimmen aus Muhen

Voraussichtlich drei Schulzimmer sollen im Gasthof entstehen. Dafür braucht es einige Baumassnahmen: Wände müssen neu gestellt und gestrichen werden, es braucht Garderoben, die Beleuchtung muss angepasst und das Mobiliar gezügelt werden. Eine detaillierte Kostenplanung gibt es noch nicht, Andreas Urech rechnet mit rund 100 000 Franken.

Ab nächstem Schuljahr bis im Sommer 2019 soll in der «Waldeck» unterrichtet werden. Danach soll das neue Schulhaus seinen Betrieb aufnehmen. Was später mit dem Gasthof passiert, ist noch offen. «Der Besitzer hat Pläne für eine Überbauung. In diesem Gebiet gibt es eine Gestaltungsplanpflicht. Wir werden schauen, dass wir die Planung vorantreiben können», sagt Urech.

Der Gemeinderat will nun mit dem Sozialdepartement entscheiden, ob in den oberen Stockwerken der «Waldeck» oder in anderen Gebäuden einzelne asylsuchende Familien untergebracht werden können.

Momentan beherbergt die Gemeinde 17 Asylsuchende, im nächsten Jahr müssen laut kantonalem Verteilschlüssel 19 aufgenommen werden. «Wir haben signalisiert, dass wir bereit sind, noch mehr Asylsuchende aufzunehmen, denn in unserer Gemeinde gab es nicht nur Gegner, sondern auch Befürworter der Asylunterkunft Waldeck», sagt Andreas Urech.

Die Lösung für die «Waldeck» freut die IG pro Muhen, die vor allem den Standort des Gasthofs mitten im Dorf angezweifelt hatte. «Diese Lösung ist absolut deckungsgleich mit unseren Vorstellungen», sagt deren Präsident Martin Kaufmann.

Fackeln vor dem Gasthof Waldeck.

Fackeln vor dem Gasthof Waldeck.

Weniger erfreut ist der Kanton: «Mit einer Nutzung des Gasthofs Waldeck in Muhen als kantonale Asylunterkunft hätten bis zu 60 Plätze für Asylsuchende geschaffen werden können», sagt Daniela Diener, Sprecherin des Sozialdepartements.

«Der Kanton muss grundsätzlich neue Unterbringungsplätze schaffen, da bis Mitte 2017 wegen beendeter Mietverhältnisse oder Zwischennutzungen über 500 Plätze wegfallen und ersetzt werden müssen.»

Auch die Befürworter der Asylunterkunft wollen der Gemeinde nichts unterstellen. Man habe jedoch eine Chance verpasst, sagt Dieter Zaugg von «Pro Asylunterkunft Muhen» gegenüber «Tele M1»: «Wenn jede Gemeinde einen solchen Trick anwendet, haben wir uns keinen Millimeter bewegt. Wir trampen am gleichen Ort.»