Staffelbach
Nicht selten wird er auf sein Alter angesprochen

Marc Hochuli ist der jüngste Gemeindeschreiber im Bezirk und kennt die Gemeinde wie seine Hosentasche.

Raphael Nadler
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Als das Angebot aus Staffelbach kam, musste er nicht überlegen: Seit 2012 ist Marc Hochuli dort Gemeindeschreiber. ran

Als das Angebot aus Staffelbach kam, musste er nicht überlegen: Seit 2012 ist Marc Hochuli dort Gemeindeschreiber. ran

Obwohl Marc Hochuli im März dieses Jahres erst 30 Jahre alt wird und erst seit vier Jahren als Gemeindeschreiber amtet, kennt er die Sorgen und Nöte der Staffelbacher Bevölkerung wie wohl nur wenige andere in der Gemeinde. Das erstaunt nicht, denn er wuchs hier zusammen mit einem jüngeren Bruder und einer jüngeren Schwester auf, besuchte in Staffelbach die Primarschule und absolvierte später die KV-Lehre auf der Gemeinde. Seine Eltern wohnen immer noch in der Gemeinde. Er selbst lebt in einer Nachbargemeinde.

«Es ist wichtig, dass man Arbeit und Freizeit trennt», sagt Marc Hochuli. «Dennoch ist nicht immer Feierabend, wenn man abends das Büro verlässt, oft verfolgen einen vereinzelte Themen noch eine gewisse Zeit.» Abschalten kann er dann am besten beim Sport. Er schwimmt gerne, joggt entlang der Suhre oder fährt im Winter Ski.

«Auch mal lauter am Schalter»

Marc Hochuli mag seinen Job und seine Arbeit: «Es ist kein Tag wie der andere und unser Dreierteam harmoniert gut.» Er schätzt die Abwechslung und die Vielseitigkeit, weiss aber, dass die Möglichkeiten in einer doch eher kleinen Gemeinde wie Staffelbach auch beschränkt sind. Hochuli trat im Dezember 2012 in die Fussstapfen von Marco Landert, der die Gemeinde Ende Januar 2013, nach knapp fünf Jahren, Richtung Rupperswil verliess. «Die Arbeit war nicht neu, aber die Verantwortung», blickt der bald 30-Jährige auf die Anfänge zurück. Als Drehscheibe zwischen der Bevölkerung und der öffentlichen Hand muss er auch Entscheidungen vertreten, die nicht allen Einwohnern passen.

«Da kann es am Schalter schon mal etwas lauter werden», sagt er mit einem Achselzucken. «Brenzlige Situationen hat es aber bis jetzt zum Glück noch keine gegeben.» Nicht selten wird er auf sein Alter angesprochen, doch das bringt ihn nicht aus der Ruhe: «Es heisst nirgends, dass man erst im Alter die Fähigkeit erlangt hat, diesen Job ausführen zu können.»

Bereits als er seine Lehre auf der Gemeinde machte, hatte er daran gedacht, wie es wohl wäre, als Gemeindeschreiber von Staffelbach zu arbeiten. Dieser Traum blieb ihm vorerst verwehrt. Er ging ein Jahr ins Militär, arbeitete zuerst in der Privatwirtschaft, später bei einer Treuhandfirma und dann als externer Finanzverwalter und später Gemeindeschreiber in verschiedenen Gemeinden im Kanton. «Als das Angebot aus Staffelbach kam, musste ich nicht lange überlegen und habe zugesagt», sagt Marc Hochuli. Damit hat er sich einen kleinen Traum erfüllt. Bis jetzt hat er den Entscheid nicht bereut.

Vertiefte Zusammenarbeit

Auf die Herausforderungen, die auf Staffelbach zukommen, angesprochen, nennt Marc Hochuli die Finanzen und die rege Bautätigkeit: «Im Gebiet Oberfeld entsteht momentan Wohnraum für bis zu 300 Menschen, die Bevölkerung im Dorf wächst so fast schlagartig um rund 20 Prozent.»

Er macht kein Geheimnis daraus, dass er sich wünscht, «dass auch viele Kinder kommen», denn Schulraum sei momentan in Staffelbach genügend vorhanden. Gegen mehr Gewerbe in der Gemeinde würde Hochuli auch nicht Nein sagen, denn das täte allen gut. Beim Thema Finanzen runzelt er schon mehr die Stirn. Wenn der Grosse Rat das Finanz- und Lastenausgleichsgesetz gutheisst, so erhält die Gemeinde einschneidende 8 Steuerprozent weniger Finanzausgleich.

In Staffelbach sprechen die Gemeindevertreter momentan kaum über mögliche Fusionen. «Wenn zwei finanzschwache Gemeinden fusionieren, dann entsteht daraus keine finanzstarke Gemeinde», ist Hochuli überzeugt. «Deswegen streben wir zurzeit vor allem vertieftere Zusammenarbeiten mit Nachbargemeinden an.» Obwohl herausfordernd, hätte er es gerne gesehen, dass seine Gemeinde die Kanzleiarbeit von Attelwil hätte übernehmen können, dass diese nun aber von Reitnau ausgeführt wird, erachtet Hochuli als logisch und richtig.

Dass die Gemeinde 2017 ihre Poststelle verliert, beschäftigt auch den Gemeindeschreiber. «Wir hoffen aber, dass die Postagentur, die im Volg eingerichtet wird, auch diesen stärkt.» Der Verlust des Dorfladens würde alle treffen, wohl schwerer als die Situation, dass es seit letztem November kein Restaurant mehr gibt in der Gemeinde.

Die Melioration und der Hochwasserschutz wurden momentan auf Eis gelegt, doch nicht etwa von der Gemeinde, sondern vom Kanton. Wie die Bevölkerung entscheiden würde, sei noch schwer abzuschätzen, sagt Hochuli, «denn das Ganze ist ja nicht gratis».

Erfreut zeigt er sich, dass in der Gemeinde eine Wohnung für die vom Kanton zugewiesenen Asylsuchenden gefunden wurde. Die fünfköpfige Familie aus Syrien sei nun seit drei Wochen in der Gemeinde und habe sich gut eingelebt. «Wir haben eine interne Lösung für deren Betreuung gefunden», sagt Hochuli. Wie gross der Betreuungsaufwand sei, werde sich erst nach einer gewissen Zeit zeigen. Zwei der drei Kinder besuchen den Kindergarten.

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