Mit einem Zufallsmehr – 89 gegen 85 Stimmen – hatten die Attelwiler Stimmberechtigten am 26. November 2017 der Fusion mit Reitnau zugestimmt. Um die Interessen des Quartiers Attelwil in der fusionierten Gemeinde Reitnau mit Nachdruck vertreten zu können, hat sich jetzt eine Interessengemeinschaft formiert.

Am Donnerstagabend fand eine Informationsveranstaltung statt, zu der alle Attelwiler eingeladen wurden. Rund zwei Dutzend kamen. Thema: Gründung eines Vereins. Als Gäste dabei waren auch zwei Gemeinderäte aus Reitnau: Ammann Katrin Burgherr und Vizeammann Rolf Trösch.

Vorab ging es um eine Bedürfnisabklärung: Will man einen solchen Verein? Und sind genügend Leute gewillt, da mitzuarbeiten? Peter Baumann, einer der Initianten und Leiter der Versammlung, hätte gerne zehn Vorstandsmitglieder, um die Arbeit auf mehrere Schultern verteilen zu können.

Am Ende der Veranstaltung gingen bereits 16 Antragsformulare für die Mitgliedschaft ein. Insgesamt sieben Personen – darunter mit Markus Baumann auch ein aktueller Gemeinderat, der in Reitnau weitermachen möchte – stellen sich für die Vorstandsarbeit zur Verfügung. Genug, um die Vereinsgründung zu wagen.

Attelwiler Beteiligung fördern

Versammlungsleiter Peter Baumann umriss mögliche Ziele des Vereins: «Die Beteiligung der Attelwiler Bevölkerung an den politischen Veranstaltungen der Gemeinde Reitnau sollte gefördert werden», sagt er. Ein weiteres Ziel wäre die Rekrutierung und der Wahlsupport für Attelwiler Behördenmitglieder. «Vor allem sollen junge Leute gefördert werden», sagt Baumann. Schliesslich will man auch das kulturelle Dorfleben unterstützen.

Während der ehemalige Gemeindeammann Ernst Baumann spürbar Mühe hat mit dem Fusionsentscheid – Verlust des Bürgerorts als Beispiel – blicken die meisten Votanten nach vorne. Seine Anregung, Geld, das die Attelwiler an Festen in Fronarbeit erwirtschaftet haben – «unser Geld, wir haben gratis gearbeitet» – für die Attelwiler einzusetzen, nimmt sein Nachfolger Gemeindeammann Roger Lehner positiv auf. Peter Baumann könnte sich einen Familientag im Wald für Attelwiler Familien vorstellen: zuerst gemeinsam Neophyten bekämpfen, dann bräteln und festen.

Der Attelwiler Gemeinderat Markus Baumann wirft die Idee eines kleinen Museums mit alten Gegenständen aus Attelwil in die Runde und erhält Unterstützung vom Reitnauer Vizeammann Rolf Trösch: «Macht so etwas! Ich würde mithelfen.»

Votum gegen die Angst

Der ehemalige Attelwiler Gemeinderat Hanspeter Erismann hat keine Angst, in der «neuen» Gemeinde nichts mehr zu sagen zu haben: «Wir haben in Reitnau das gleiche Stimmrecht. Auch Katrin Burgherr redet einem Zusammenwachsen das Wort, nicht einem Gegeneinander. Es sei nicht so, dass Reitnau Attelwil schlucke.

Zudem seien auch die Attelwiler nicht immer der gleichen Meinung, je nach Thema gebe es da «ganz andere Gräben». Und ihr Kollege Rolf Trösch kann zwar die Topografie nicht verändern – nach Reitnau hinauf, nach Attelwil hinunter – doch sieht er beide Dorfteile auf der gleichen Ebene.

Der ehemalige Gemeindeammann Ernst Baumann, der für die rund zwei Dutzend Anwesenden Tranksame und Würstchen spendiert, bedauert die Liquidation des Attelwiler Wappens, was seine Tochter Käthi auf den Plan ruft: Sie trägt ein T-Shirt mit dem Attelwiler Adler und der Aufschrift «Attelwilerin». Der Verein, dessen Gründung, so Peter Baumann, noch im Februar stattfinden soll, hat sich bereits die Internet-Adresse «attelwiler.ch» gesichert. So soll der neue Verein auch heissen. Peter Baumann: «Wir möchten alle ins Boot holen.»