Nicht jeder kann sagen, dass sein Arbeitsort in einem Schloss ist. Rolf Buchser schon. Der neue Gemeindeammann Buchser, die Verwaltungsangestellten und der Gemeinderat arbeiten im Schloss Schöftland. Eine schwere Holztür führt ins Innere, knarrt ein wenig.

Buchser steigt die steinerne Wendeltreppe empor. Im ersten Stock steht die Tür zum Gemeinderatszimmer offen. Beim Eintreten fühlt sich der Besucher sofort in eine frühere Zeit versetzt. Alte Gemälde an den Wänden, grün-samtige, schwere Vorhänge, gepolsterte Holzsessel und ein Kachelofen in der Ecke.

In Schöftland ist der 51-Jährige aufgewachsen, mittlerweile auch Ortsbürger, hier lebt er mit seiner Frau, den vier Kindern und dem Hund. «Diese Gründe haben mich motiviert, auch für die Gemeinde etwas zu tun», sagt Buchser.

In den 90er-Jahren trat er in die FDP Schöftland ein und wurde schnell Vorstandsmitglied. 1999 wurde er Mitglied in der Planungskommission und war an der Planung des Ausbaus und der Sanierung der Schlossanlage beteiligt. Diese liegt ihm sehr am Herzen: «Das Dorf und das ganze Tal ist meine Heimat, hier bin ich zu Hause.»

Ähnliches sagt auch der langjährige Gemeindeschreiber Rudolf Maurer über Buchser: «Der neue Gemeindeammann ist bestens vertraut mit den Strukturen im Dorf und weiss daher, wovon die Schöftlerin oder der Schöftler sprechen.»

Sein Einsatz gelte schwerpunktmässig «seiner» Gemeinde, er vergesse dabei aber die ganze Region nicht, «weil er genau weiss, dass nur eine fruchtbare Zusammenarbeit zum gewünschten Erfolg führt.» Folgerichtig ist Buchser auch neuer Präsident des Regionalverbandes Suhrental.

Vertrauen muss aufgebaut werden

2008 wurde Buchser in den Gemeinderat gewählt. Nach einem Jahr als Vizeammann ist er jetzt Ammann in einem Kollegium, in dem drei neue Gemeinderäte sitzen. Vertrauen müsse nun aufgebaut werden. Er wolle dies durch eine offene Kommunikation fördern.

Einer, der Rolf Buchser aus dem Gemeinderat kennt, ist Vizeammann Thomas Buchschacher. Er habe Buchser als ruhige und angenehme Person kennen gelernt. Als jemanden, der sorgfältig arbeite und die Geschäfte lösungsorientiert angehe. «Die Zusammenarbeit im Rat ist immer mit guten Dialogen verbunden», sagt er.

Im Gemeinderat wird Buchser versuchen, das Ressortprinzip hochzuhalten. «Ich kann und will nicht jede Repräsentationsaufgabe wahrnehmen», sagt er. Für ihn sei das Ammann-Amt eine neue Herausforderung und eine Führungsaufgabe, die ihn gereizt habe.

Auch mit der Bevölkerung wolle er offen reden und dafür hat er alle zwei Wochen eine Sprechstunde eingerichtet. Dann steht die Tür zum Gemeinderatszimmer im Schloss offen.

«Auf der nationalen Ebene sagt man ‹die in Bern oben›, auf kantonaler Ebene ‹die in Aarau unten› und ich will nicht, dass es auf kommunaler Ebene heisst ‹die im Schloss›», sagt Buchser. «Mit mir kann man immer reden.»

In der Zentrumsgemeinde Schöftland stehen mit der Revision der Nutzungsplanung und dem Ausbau der Verwaltungstätigkeit für mehrere Nachbargemeinden wichtige Aufgaben an.

Auch die offene Jugendarbeit muss aufgebaut werden. Dem Pilotprojekt hat die Gemeindeversammlung im November zugestimmt. Nach der grossen Bautätigkeit in den letzten Jahren strebt Buchser für die Gemeinde ein qualitatives Wachstum an: «Wie das erzielt werden soll, ist aber noch offen.»

Auch Freizeit hat ihren Platz

Buchser ist Bauingenieur und arbeitet als Vorsitzender der Geschäftsleitung in der Eichenberger AG mit Hauptsitz in Zürich. Oft arbeitet er jedoch in Muhen, wo die Firma ebenfalls vertreten ist.

Frühzeitig hat er begonnen, seine Arbeitsabläufe so einzurichten, dass er daneben als Ammann tätig sein könnte. «Meine Familie war zu Beginn nicht hell begeistert», sagt er, er habe sich die Kandidatur gut überlegen müssen. «Mittlerweile ist es ein gemeinschaftliches Projekt und die Familie unterstützt mich.»

Es sei eine Kunst, alles unter einen Hut zu bringen und dabei gesund zu bleiben und Freude zu haben. Doch er ist sich sicher, dass er mit einer guten Organisation allen Aufgaben gewachsen ist. Und auch die Freizeit, Theaterbesuche, biken und joggen im Wald oder Fussballspielen mit Freunden, muss ihren Platz in der Agenda haben.