Zuerst kam die Lehre, dann der Berufseinstieg. Dann galt es, Berufserfahrung zu sammeln. Stets gab es nachvollziehbare Gründe, das Vorhaben zu verschieben. Doch der Wunsch blieb präsent. Der Wunsch, eine eigene Theatergruppe zu gründen.

«Das faszinierende am Theater ist, dass man auf der Bühne seine Persönlichkeit für einmal an den Haken hängen kann», sagen Ladina Bisaz (26) und Julia Galli (27). «Ausserdem kann man im Theater den Alltag hinter sich lassen und das wird in der heutigen Zeit immer schwieriger.»

Seit die beiden jungen Frauen vor elf Jahren mit der Theatergruppe der Schule Beinwil am See gemeinsam auf der Bühne standen, liebäugelten sie mit der Idee, ein Theaterangebot für junge Erwachsene auf die Beine zu stellen. Voraussetzung war allerdings, dass ihr ehemaliger Schultheaterleiter Manfred Stenz beim Projekt mit an Bord ist.

Vor eineinhalb Jahren passte dann alles zusammen. Manfred Stenz hatte freie Arbeitskapazitäten. Julia Galli verschickte einen handgestalteten Flyer an rund 100 ehemalige Mitglieder des Schultheaters. Die Resonanz auf die Sendung fiel äusserst positiv aus. 25 Personen nahmen an einer ersten Informationsveranstaltung teil. Zwölf davon entschieden sich, gemeinsam mit Julia Galli und Ladina Bisaz beim Theaterprojekt mitzuwirken. Die Theatergruppe SeelaWy, der Name ist eine Hommage an das Seetal und das Wynental, war geboren.

Figuren nach eigenen Ideen

Nun brauchte es noch ein Theaterstück. Mit der Lebensrealität der Mitspieler sollte es zu schaffen haben, lustig und auch mutig sollte es sein, entschied die Theatergruppe. Manfred Stenz entwickelte aus diesen Vorgaben einen ersten schemenhaften Entwurf für ein dramatisches Spiel, der es den Schauspielerinnen und Schauspielern erlaubte, eine Figur auszuwählen und diese nach eigenen Ideen zu gestalten.

Schliesslich übernahm wieder Theaterleiter Stenz und verfasste das Theaterstück «Die Schönheit des Scheiterns», das an diesem Freitag in Menziken Premiere feiert. Das Bühnenspiel wirft einen tragikomischen Blick auf den Zustand einer Gesellschaft, die sich Leistungs- und Konkurrenzdruck, Normzwängen und Erwartungsidealen längst mit Hingabe ergeben hat. Thematisiert wird die Pathologisierung von Individualität und Kreativität im Namen einer kapitalistisch durchgetakteten Lebenswelt.

Ein Probebesuch bei Gärtner Uetz, in der «Die Schönheit des Scheiterns» an fünf Abenden aufgeführt wird und die den überaus passenden Hintergrund für das Bühnengeschehen abgibt, macht insbesondere eines deutlich. Mit der Theatergruppe SeelaWy haben sich 14 Schauspielerinnen und Schauspieler gefunden, die sich mit ganzer Leidenschaft und beeindruckend viel Talent dem Theatermachen widmen.

Theater soll eine Botschaft haben

«Die Menschen mit unserem Theater zu bewegen, sie glücklich zu machen, Gefühle zu vermitteln, das ist unser Ziel», sagt Ladina Bisaz. Ausserdem sei es ihr wichtig, dass das Theaterstück der Theatergruppe SeelaWy dem Publikum auch eine Botschaft vermittle, eine Aussage zur Welt mache. «Beim Theaterspielen geht es um Empathie», ergänzt Julia Galli. «Indem man sich in einen anderen Charakter hineinversetzt, lernt man auch neue Facetten von sich selbst kennen.»

Für Theaterleiter Manfred Stenz beweist das Engagement seiner ehemaligen Schülerinnen, wie nachhaltig sich der schulische Theaterunterricht auswirkt. «Im Moment ist die Theaterpädagogik nicht in», sagt er. Dabei fördere sie sehr viele Kompetenzen.