Teufenthal
Neue Lebensform für Menschen mit einer Behinderung

Zwei Frauen errichten auf ihrem Bauernbetrieb eine Wohngemeinschaft für erwachsene, geistig behinderte Menschen.

Barbara Vogt
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Zwei Frauen errichten auf ihrem Bauernbetrieb eine Wohngemeinschaft für erwachsene, geistig behinderte Menschen. (Symbolbild)

Zwei Frauen errichten auf ihrem Bauernbetrieb eine Wohngemeinschaft für erwachsene, geistig behinderte Menschen. (Symbolbild)

Keystone

Der Bauernhof auf dem Katzenhübel liegt ruhig und etwas abgelegen von der Kantonsstrasse. Von Wald und Wiesen umgeben. Cynthia Cavazzutti (45) und Sandra Münger (46) kauften das Haus mit über zwei Hektaren Land, weil sie es für eine Wohngruppe für erwachsene, geistig behinderte Menschen umnutzen wollen. Die künftigen Bewohner teilen sich ein 8-Zimmer-Gebäude, kochen und essen gemeinsam, schlafen jedoch in getrennten Zimmern. Ausserdem arbeiten sie im Haus und auf dem Hof mit und betreuen die Tiere.

Die Bewilligungen für die Umnutzung sind von der Gemeinde Teufenthal wie auch vom kantonalen Landwirtschaftsamt ausstehend. Das öffentliche Gesuch läuft bis Ende Juli. Auch braucht es eine kantonale Betriebsbewilligung der Abteilung Sonderschulen und Heime: Die Einrichtung ist noch keiner sozialen Institution angeschlossen. Die zwei Initiantinnen werden sie selbstständig betreiben, ohne fremde finanzielle Unterstützung des Kantons.

Die Lebensgemeinschaft soll im nächsten Jahr Wirklichkeit werden. Fünf Menschen ab 18 Jahren können in die Wohngruppe aufgenommen werden, sagt Cynthia Cavazzutti, die jetzt noch als Heilpädagogin in einer Sonderschule angestellt ist. Ebenso wie ihre Partnerin Sandra Münger, die als Sozialpädagogin arbeitet.

Neue Wohnform im Aargau

Die beiden sprechen kognitiv schwächere Schulabgänger von Sonderschulen an, die keine praktische Ausbildung machen können, aber gerne auf einem Bauernhof leben würden. Es gebe bereits Menschen, die sich für den Katzenhübel interessieren, sagt Cynthia Cavazzutti. Eine solche Wohnform sei einzigartig im Kanton. Allerdings müssten die Klienten gut zu Fuss unterwegs sein, weil das Gelände recht stotzig sei.

«Menschen mit einer geistigen Behinderung fühlen sich wohl mit Tieren und arbeiten gerne in der Natur.» Bei diesen Tätigkeiten lernen sie Verantwortung übernehmen.» Die zwei Frauen haben bereits Heidschnucken-Schafe auf ihrem Land weiden. Diese seien robust und könnten die meiste Zeit draussen sein. Sie wollen auch Wollschweine und Hühner von Pro Specie Rara sowie Hasen und Alpakas oder Lamas halten. «Nicht nur zum Spass», sagt Cynthia Cavazzutti. «Wir werden die Tiere metzgen und das Fleisch für die Wohngemeinschaft brauchen.» Auch das Obst der Bäume soll verwertet und ein grosser Garten angelegt werden. Die Initiantinnen wollen später mehr Bäume mit alten Obstsorten pflanzen. Auch würden sie gerne ein Lädeli betreiben, indem sie verschiedene Hofprodukte und selbst gemachtes Brot verkaufen.

Da das Bauernhaus an ein Quartier grenze, sei der soziale Kontakt in die Aussenwelt gegeben, finden Cynthia Cavazzutti. Am Montag stellen die zwei Frauen ihr Projekt dem Gemeinderat vor. «Uns ist es wichtig, dass die Gemeinde weiss, was wir planen. Das hilft, allfällige Ängste abzubauen.»