Kölliken
Neuartiger Sammelsack: Kunststoffe wiederverwerten statt entsorgen

An zwei Sammelstellen in Kölliken und Däniken können neu Sammelsäcke mit Kunststoffen aller Art abgegeben werden. Das Material wird wiederverwertet statt wie bisher verbrannt. Der ökologische Gedanke steht ist wichtig aber wer mitmacht, spart auch.

Christine Fürst
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Bernhard Burkhard, Leiter Betriebe der Transport AG Aarau (links) und Urs Frey mit dem neuen Kunststoffsammelsack in der Recyclingstation in Kölliken.

Bernhard Burkhard, Leiter Betriebe der Transport AG Aarau (links) und Urs Frey mit dem neuen Kunststoffsammelsack in der Recyclingstation in Kölliken.

cfü

Eine Schinkenverpackung, einen Joghurtbecher oder ein leerer Seifenbehälter – Abfall, der in jedem Haushalt anfällt und bis jetzt meist über den Hauskehricht entsorgt wurde. Doch im Grossraum Aarau gibt es ab Mitte nächster Woche eine neue Lösung: In einem Kunststoffsammelsack kann jeglicher Plastik und Kunststoff gesammelt werden – ausser PET. Denn PET wird bereits in einem eigenen Kreislauf wieder verwertet.

Dieser Sack kann bei der Recylingsammelstelle entsorgBar in Kölliken oder im Betrieb der Transport AG Aarau in Däniken abgegeben werden. Damit verringert sich der normale Hauskehricht und rund die Hälfte des gesammelten Kunststoffes kann rezykliert werden.

Verkaufsstellen

Ab 28. Oktober können die Kunststoffsammelsäcke in 19 Poststellen bezogen werden: Muhen, Schöftland, Staffelbach, Kirchleerau-Moosleerau, Kölliken, Safenwil, Oftringen, Aarau, Aarau 4 Telli, Rombach, Küttigen, Aarau Rohr, Buchs, Suhr, Unterentfelden, Oberentfelden, Gränichen, Schönenwerd, Däniken sowie in der entsorgBar in Kölliken und im Betrieb der Transport AG Aarau in Däniken. (cfü)

Kehrichtsack «teurer»

Wo liegt der Haken? Manch einer würde sagen, beim Preis. Ein 110-Liter-Sack kostet 3.50 Franken. «Ein gebührenpflichtiger Abfallsack ist aber teurer», sagt Urs Frey, Verkaufsleiter der Transport AG Aarau. So kostet beispielsweise ein Kölliker 110-Liter-Kehrichtsack rund 7.40 Franken.

Diejenigen Personen, welche nicht in Kölliken oder Däniken wohnen, müssen zudem den Anfahrtsweg zu den Entsorgungsstationen in Kauf nehmen. Frey argumentiert, man könne dann auch gleich den Rest zum Entsorgen mitnehmen. Er ist sich sicher: «Leute, die vernünftig denken und sinnvoll entsorgen wollen, werden von diesem Kunststoffsammelsack Gebrauch machen.»

CO2-Emissionen werden vermieden

«Der ökologische Gedanke ist bei diesem System ganz klar im Vordergrund», sagt Frey. Denn bis jetzt sei nur wenig Kunststoffabfall rezykliert worden. Pro Jahr entstehen laut einer Studie in der Schweiz rund 780 000 Tonnen Kunststoffabfall, davon werden 90 000 Tonnen rezykliert, der Rest wird in den Kehrichtverbrennungsanlagen verbrannt.

Es sei schade, Wertstoffe zu verbrennen. «Es ist sinnvoller, die Kunststoffe wieder zu verwerten und in den Produktionskreislauf zurückzuführen.» Durch dieses Recycling werden grosse Mengen an CO2-Emissionen vermieden. Den Kunststoff in einem Sack zu sammeln, sei deshalb sinnvoll, ist die Transport AG Aarau überzeugt.

Kunststoff wird danach sortiert

Der Kunststoffsammelsack ist jedoch in der Schweiz nicht neu, so kommt er bereits bei der Firma Paul Baldini AG in Altdorf zum Einsatz. Genau mit dieser Firma hat sich die Transport AG Aarau zusammengetan, um Erfahrungen auszutauschen. In Altdorf werden die Sammelsäcke zerlegt und der Kunststoff sortiert, denn nicht jedes Material ist für das Recycling geeignet. «Wir sind jedoch überzeugt, dass es für die Leute einfacher ist, den Kunststoff ohne Sortierung zu sammeln», sagt Frey.

Was nicht für die Wiederverwertung verwendet werden kann, wird von der Paul Baldini AG nach Wildegg gefahren und dient als Ersatzbrennstoff in der Zementindustrie. Die leeren Lastwagen kommen danach nach Kölliken, holen die vollen Kunststoffsammelsäcke ab und bringen sie für die Sortierung nach Altdorf. So schliesst sich der Kreislauf. Diese ganze Logistik und die Sortierung sei aufwendig und die Verbrennung nicht kostenlos, deshalb sei der Sammelsack nicht gratis. Die rezyklierbaren Kunststoffe werden von der Firma InnoRecycling AG wiederverwertet.

Ideen für die Zukunft

Ab Mitte nächster Woche werden in rund 30 000 Haushalte in der Region Aarau/Kölliken Kunststoffsammelsäcke verschickt. Sollte sich das System bewähren, könne man sich auch vorstellen, in Kölliken eine eigene Sortieranlage zu errichten. Frey liebäugelt zudem mit der Idee, dass der Sammelsack künftig in den Werkhöfen der Gemeinden abgegeben werden kann. Dazu wären jedoch weitere Abklärungen nötig. Urs Frey ist sich sicher, dass der Kunststoff fleissig gesammelt wird, und dass die Transport AG Aarau eine Nische im Kanton Aargau entdeckt hat, die ausgebaut werden könnte.