Region

«Natürlich können wir uns nicht mit Baden/Wettingen oder Aarau vergleichen»

Rolf Buchser, Gemeindeammann von Schoeftland, auf der Anhoehe «Blick zur Heimat» ob Schoeftland.

Rolf Buchser, Gemeindeammann von Schoeftland, auf der Anhoehe «Blick zur Heimat» ob Schoeftland.

Der Präsident des Regionalvereins Suhrental Rolf Buchser redet über das Marketing, welchem enge Grenzen gesetzt sind, und wie die kantonale Richtplananpassung das Suhrental betrifft.

Mit Rolf Buchser hat einer aus der Zentrumsgemeinde Schöftland das Präsidentenamt des Regionalverbandes Suhrental übernommen. Sein Vorgänger Martin Goldenberger, Ammann von Schlossrued, hat unter anderem den Beitritt zu Aargau Tourismus in die Wege geleitet, um zu zeigen, dass das Suhrental etwas zu bieten hat. Doch damit ist es nicht getan, das weiss auch Rolf Buchser.

Rolf Buchser, durch das Suhrental führt eine nationale Radwegroute, lockt diese Touristen ins Tal?

Rolf Buchser: Ja, sie geniessen die einmalige Landschaft, fahren aber häufig ohne Halt hindurch. Die Dörfer mit ihren vielfältigen Sehenswürdigkeiten werden aufgrund der fehlenden Hinweistafeln kaum wahrgenommen. Für einen Zwischenstopp mit Übernachtung gibt es in der Region zum Beispiel mehrere bed and breakfasts.

Was unternehmen Sie dagegen?

Generell müssen die Information und die Werbung seitens des Regionalverbandes und der Gemeinden in den verschiedenen Medien verbessert werden. Entlang der Radwegroute sind entsprechende Hinweistafeln aufzustellen.

Dafür braucht es aber ein Marketing?

Ja klar. Dafür müssten zusätzliche Finanzmittel und Personalressourcen zur Verfügung stehen. Doch unser Verband ist der kleinste des Kantons und hat mit Abstand das kleinste Budget. Mit einem Gesamtbetrag von rund 45 000 Franken macht man keine grossen Sprünge. Nichtsdestotrotz kann man sich engagieren und das werden wir auch tun.

Übernehmen Sie das Marketing?

Als Präsident kann ich kein Regionenmarketing betreiben, das liegt nicht drin. Dafür haben wir zu wenig Personal. An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass vor ein paar Jahren eine Erhöhung der Jahresbeiträge zugunsten eines professionelleren Marketings abgelehnt wurde. Sobald es etwas kostet, ist man nicht mehr Feuer und Flamme. Selbstverständlich können wir uns nicht mit den Regionen Aarau oder Baden/Wettingen vergleichen.

Welches wird Ihre nächste Aufgabe sein?

Momentan läuft die kantonale Richtplananpassung und da sind die Regionalverbände sehr stark gefordert. Nach der Bereinigung der Eingaben der Gemeinden haben die Verbände ihre Stellungnahmen per Ende letzten Jahres an den Kanton eingereicht. Zurzeit läuft nun das Differenzbereinigungsverfahren zwischen Kanton, Verband und Gemeinden, bevor dann das Mitwirkungsverfahren eröffnet wird. Es gibt grössere Differenzen, die nun zu klären sind.

Können Sie ein Beispiel machen?

Der Verband hat in seiner Stellungnahme darauf hingewiesen, dass das obere Suhrental im Kanton mit Abstand am wenigsten Baulandreserven für Arbeitszonen hat. Wir haben im Sinne des neuen Raumplanungsgesetzes vorgeschlagen, dass man neu eine regionale Arbeitsplatzzone im Bereich Hirschthal und Schöftland schaffen und diese auch explizit im Richtplan ausscheiden würde. Das betrifft natürlich entsprechend dem ausgewiesenen Bedarf eine grössere Fläche. Diese Idee entspricht aber (noch) nicht den Vorstellungen des Kantons.

Inwiefern ist das obere Suhrental auf eine solche Zone angewiesen?

Die Region braucht diese Arbeitsplätze. Einerseits wegen der dringenden Erweiterungsbedürfnisse der ortsansässigen Betriebe. Andererseits sollen neue Betriebe den Weg ins verkehrsgünstige Suhrental finden und neue Arbeitsplätze schaffen. Wenn man dort arbeitet, wo man wohnt, kann eine Reduktion der Pendlerströme in der Region erzielt werden. Generell haben wir weniger Leute in den überfüllten Zügen und weniger auf den Strassen, die zwischen Wohnort und Arbeitsort pendeln. Das entspricht einem Gesamtinteresse.

Neue Arbeitgeber müssen also den Weg ins Suhrental finden. Wo liegen die Anreize, dass diese überhaupt hierher kommen?

Zuerst muss man überhaupt grössere und baureife Baulandreserven zur Verfügung stellen können. Wenn wir an einen Industrie- oder Logistikbetrieb denken, dann haben diese für ihre Bedürfnisse grosse Flächenwünsche. Im Kanton Aargau gibt es solch grosse Flächen praktisch nicht mehr. Die wenigen Flächen, die es noch hat, werden vom Kanton verteilt. Das kann es nicht sein.

Sie denken daran, einen grossen Arbeitgeber anzulocken?

Sowohl als auch. Wir haben beispielsweise mittlere und grössere Betriebe, die erweitern wollen, dies aber nicht können. In Schöftland gibt es zum Beispiel einen solchen Betrieb, der aus seinen gemieteten Räumlichkeiten raus muss und gleichzeitig erweitern will und er findet nichts. Wir reden von rund 4000 Quadratmeter Bauland. Wenn nicht bald etwas passiert, verlieren wir Betriebe und Arbeitsplätze, statt dass wir Arbeitsplätze gewinnen. Dieses Problem muss bald gelöst werden.

Wie empfehlen Sie einem auswärtigen Arbeitgeber das Suhrental?

Schaut man sich die Schweizer Karte an, ist die Attraktivität klar gegeben: Das obere Suhrental liegt sehr günstig. Die Anschlüsse an die Autobahnen A1 und auch A2 sind nahe. Die Bahn fährt im Viertelstundentakt von Aarau nach Schöftland. Die Buslinien, von Schöftland ins Ruedertal, nach Süden bis Sursee und nach Westen bis Zofingen, wurden in den letzten Jahren kontinuierlich ausgebaut. Ausserdem sind das Schulangebot und die Einkaufsmöglichkeiten zumindest in der ländlichen Zentrumsgemeinde attraktiv.

Gibt es viele Anfragen?

Es ist noch nicht lange her, da kam ein ausländischer Logistiker zu mir, er suchte 70 000 bis 80 000 Quadratmeter Bauland, dieses müsste aber bis Ende Jahr baureif sein. Das Vorhaben wäre mit 200 neuen und qualifizierten Stellen verbunden gewesen. Ich sagte ihm, dass es meines Wissens in der ganzen Schweiz keine solchen Flächen mehr gibt. Ich musste mich jedoch eines Besseren belehren lassen: Ein anderer Kanton ist gekommen und hat eine solche Fläche kurzfristig bereitgestellt und zum Kauf angeboten.

Hätte also der Kanton handeln müssen?

Nein, wir müssen für uns selber schauen, das ist uns bewusst. Aber der Kanton sollte uns bei dieser Aufgabe nicht noch raumplanerische Steine in den Weg legen. Basierend auf dem Raumplanungsgesetz beharrt der Kanton auf der Aussage, dass das Suhrental kein weiteres Bauland für Arbeitsplätze und Wohnen braucht. Unser Verbandsgebiet ist weitgehend bebaut und wäre damit abrupt um seine Entwicklungsperspektiven beraubt. Das letzte Wort ist in dieser Sache noch nicht gesprochen.

Viele Suhrentaler Gemeinden sind eher finanzschwach, oft wird das mit Fusionen verbunden. Wird das in den nächsten Jahren ein Thema?

Dieses Thema möchte ich eher noch ein wenig zurückstellen. Aber der Ausbau der Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden ist ein Schwerpunkt. Die kleinen Gemeinden können ihre Dienstleistungsaufgaben gar nicht mehr vollumfänglich wahrnehmen. Zunehmend werden sie die Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden suchen müssen. Gewisse Hemmungen, die in der Vergangenheit viel stärker waren, sind hier schon gefallen. Wir arbeiten vermehrt zusammen, das ist positiv.

Gibt es Bereiche, in denen nicht zusammengerabeitet wird?

Ja, beispielsweise im Finanzbereich. Dieser wird bei der Zusammenarbeit generell ausgeklammert. Dabei wäre der Finanzbereich am einfachsten durch eine Nachbargemeinde oder gemeinsam durch zwei Gemeinden zu führen.

Warum ist das so?

Weil man den Eindruck hat, wenn man die Finanzen abgibt, dann ist man als Gemeinde nicht mehr vollwertig. Dabei spielt es dem Bürger oder der Bürgerin keine Rolle, woher die Rechnung kommt.

Was halten Sie persönlich von Fusionen?

Auf unser Verbandsgebiet bezogen machen Fusionen zwischen zwei Gemeinden keinen Sinn. Weder eine grössere Gemeinde wie Schöftland mit einer kleineren noch zwei kleinere. Der Nutzen ist marginal. Wenn Fusionen, dann innerhalb des ganzen Verbandsgebietes. Ich rede da von einer Gemeinde im oberen Suhrental. Das würde auch etwas bringen: organisatorisch, administrativ, personell und ganz klar auch finanziell.

Ist das durchsetzbar?

Man muss ja Visionen haben und ich habe diese. Wenn der Leidensdruck gross genug ist und man wirklich über dieses Thema sprechen muss, wird man auch zu einer solchen Lösung kommen. Erschwerend kommen jedoch die Bezirksgrenzen dazu, die kreuz und quer durchs Suhrental laufen. Drei Bezirke treffen sich. Von daher haben die Behördenvertreter relativ wenig zu tun miteinander und man kennt sich nicht so gut. Ein erster Schritt wäre also, zusätzliche bezirksgrenzenunabhängige Gefässe zu schaffen, wo man sich regelmässig trifft.

Sie sagten einmal, Sie fühlten sich mehr als Suhrentaler denn als Schöftler. Was macht für Sie das Suhrental aus?

Das Suhrental mit der Endmoräne in Staffelbach ist für mich eine einmalige Landschaft. Wenn man diese Landschaft mit dem Bike durchfährt oder zu Fuss durchwandert, sieht man diese sanft geschwungene Landschaft. Der Talboden mit den leicht ansteigenden Hügelflanken, das ist für mich Naherholung pur.

Sie kommen ins Träumen.

Ja das ist so. Das hat für mich nichts mit den einzelnen Gemeinden zu tun, das ist eine Region und man spürt die Gemeindegrenzen nicht, wenn man das Gebiet durchschreitet.

Wenn Sie so reden, haben Sie im Kopf bereits fusioniert?

(Lacht) Das darf aber nicht im Titel dieses Interviews stehen …

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