Rüdiger (Namen geändert) ist ein tüchtiger Handwerker. Gleich drei Meisterbriefe in drei verschiedenen Berufen hat er vorzuweisen, obschon er doch nur die Volksschule besucht hat. Er hätte auch studieren können. Aber das war seine Sache nicht. Er wollte arbeiten. Heizungen installieren, Häuser bauen. Das hat er denn auch sein Leben lang getan.

Heute gehören dem 64-Jährigen 32 Wohnungen in Deutschland und 5 im Wynental. Dazu verkauft und installiert er zusammen mit seinen beiden Söhnen und drei Gesellen Heizungen in Deutschland. Der Betrieb sei eher defizitär, sagt er dem Gericht, aber es seien auch schwierige Zeiten. Zum Glück habe er die Mieteinnahmen der Wohnungen. Wie viel er verdient, kann er nicht genau sagen; was Zahlen betrifft, «ist meine Birne nicht mehr so toll».

«Ich fiel aus allen Wolken»

Rüdiger ist ein unbescholtener Mann, hat noch nie ein Gericht von innen gesehen. Dass er nun eine Busse von 4500 Franken und Gerichtskosten von 1600 Franken zahlen soll, kann er nicht verstehen. Er habe sich nichts zuschulden kommen lassen, sagt er. «Ich fiel aus allen Wolken, als da plötzlich dieser Strafbefehl kam», sagt er kopfschüttelnd. Deshalb hat er auch den entsprechenden Strafbefehl nicht akzeptiert. Also muss der Richter entscheiden.

Passiert ist nicht viel. Rüdiger hat eine seiner Wohnungen im Wynental von 2013 bis 2015 einer Bosnierin und einem Kroaten vermietet, die ohne Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz lebten. Das stufte die Staatsanwaltschaft als «Förderung eines rechtswidrigen Aufenthaltes» ein. Rüdiger hätte sich erkundigen müssen, ob seine Mieter auch alle notwendigen Bewilligungen hätten, um in der Schweiz zu leben, argumentierte die Staatsanwaltschaft und verknurrte Rüdiger per Strafbefehl zu einer Busse von 4500 Franken.

Rüdiger kann die Welt nicht mehr verstehen. Noch nie hat er seine Mieter kontrolliert, ob sie überhaupt das Recht haben, im Land zu sein. Dass man das in der Schweiz tun muss, hat er nicht gewusst. Die hohe Busse findet er nicht gerechtfertigt, und dass er nun auch noch ein Vorbestrafter sei, macht ihm erst recht zu schaffen. Besonders ärgerlich an der Sache ist zudem, dass Rüdiger seinen Mietern entgegengekommen ist. So durften sie zeitweise auch gratis eine weitere von Rüdigers Wohnungen benutzen. Dann haben sich die Bosnierin und der Kroate heftig verkracht. Die Polizei musste eingreifen und stellte fest, dass beide gar nicht in der Schweiz sein dürften. Und alsbald hatte Rüdiger die Klage am Hals, weil der Staatsanwalt davon ausging, dass Rüdiger vom illegalen Aufenthalt gewusst habe.

Freispruch für Rüdiger

Doch so weit kommt es nicht. Gerichtspräsident Christian Märki spricht Rüdiger vollumfänglich frei. Erstens sei nicht ersichtlich, ob die Bosnierin und der Kroate sich tatsächlich rechtswidrig in der Schweiz aufgehalten hätten. Zweitens sei das Verhalten Rüdigers zwar fahrlässig, aber nicht vorsätzlich gewesen – und damit auch nicht strafbar. Rüdiger ist sichtbar erleichtert. Er muss keine Busse bezahlen und keine Gerichtskosten. Und er behält seine reine Weste. Einzig die Aufwendungen für seine Verteidigung muss er bezahlen. «Die hat mich nichts gekostet», sagt er fröhlich, «ich habe alles selber gemacht.»