Wahlen

Nächstes Profilbild im Jahr 2020 – Der grüne Abenteurer hält nicht viel von Facebook und Co.

Grossratskandidat Nicola Bossard ist mit dem Rucksack unterwegs zur griechischen Insel Lesbos.

Grossratskandidat Nicola Bossard ist mit dem Rucksack unterwegs zur griechischen Insel Lesbos.

Mit dem Papa als Vorbild kandidiert Nicola Bossard (20) für den Grossrat. Er will sich vor Ort selbst ein Bild machen und reist deshalb aktuell nach Lesbos. Der Kölliker wird die Grossratswahlen am Bildschirm verfolgen.

Wo sein Sohn Nicola gerade ist, kann die Aargauer Politgrösse Martin Bossard am Telefon nicht sagen. «Irgendwo zwischen Italien und Griechenland», sagt er lachend. Der 20-jährige Nicola Bossard, der aktuell im Ausland weilt, will für die Jungen Grünen Aargau in den Grossen Rat. Glücklicherweise hat Bossard Junior ein Handy dabei – und nimmt ab. Aktuell in Rom, versucht er gerade mit Autostopp zum Fährhafen in Ancona zu kommen. Sein Ziel: ein Flüchtlingslager auf Lesbos.

Mehr als Ablehnung verdient

«Ich will mir selber ein Bild der Situation machen», sagt er am Telefon, dessen Empfang immer wieder gestört wird. Es brauche nicht nur eine politische Veränderung in den Ausgangsländern, sondern auch Nothilfe vor Ort. «Menschen, die ihr Leben aufs Spiel setzen, um hierher in Sicherheit zu gelangen, haben mehr als Ablehnung oder gar Hass verdient», erklärt er seine Helfer-Motivation.

Mit Rucksack und Zelt reist Nicola Bossard seit einigen Tagen durch Italien. Bis Dezember will er im Ausland unterwegs sein. Das heisst, den Wahltag wird er höchstens online mitverfolgen können. Die meiste Zeit wird Bossard voraussichtlich als Freiwilliger in einem Flüchtlingslager verbringen. «Ich halte mich in Foren auf dem Laufenden, wo gerade welche Hilfe benötigt wird.» Er reist alleine, und kennt auch noch niemanden vor Ort. «Man lernt aber laufend neue Leute kennen.»

Seine Dreadlocks-Mähne, die auf dem Kandidatenfoto zu sehen ist, hat der Greenpeace-Aktivist mittlerweile nicht mehr. «Kurze Haare sind praktischer zum reisen. Und es ist wohl auch einfacher, um Autostopp zu machen.» Auf seinem Facebook-Profil gibt der Kölliker, der gerade ein Zwischenjahr absolviert, nicht viel von sich preis. Erst im September aktualisierte er sein Profilfoto mit der Bemerkung, das nächste Foto von ihm komme im Jahr 2020.

Zivildienst vor dem Studium

«Ich halte nicht viel von Facebook», sagt er und spricht dabei den Aspekt Datenschutz an. Deshalb versuche er, privat so wenig wie möglich auf dem sozialen Netzwerk zu posten. Für politische Zwecke hingegen gibt er Gas. Zusammen mit anderen Mitgliedern bewirtschaftet er die Facebook-Seite der Jungen Grünen Aargau. «Am liebsten gehe ich aber draussen auf die Leute zu. So erreicht man immer noch am meisten unterschiedliche Menschen», sagt Bossard, der nächstes Jahr nach dem Zivildienst voraussichtlich an der ETH Umweltwissenschaften studieren wird.

Wo er sich in fünf Jahren sieht? «Ich sehe mich mit einem abgeschlossenen ETH-Studium, immer noch aktiv in der Politik und als glücklichen Menschen.» Glück sei für ihn nicht an materiellen Reichtum gekoppelt, sondern an ein gutes Umfeld und einen Job, der ihn erfülle. Deshalb würde er am liebsten eins seiner Hobbys zum Beruf machen. Das Politisieren oder das Schreiben und Dokumentieren zum Beispiel. Zu den schwersten Gepäckstücken, die er aktuell mit sich herumträgt, gehören ein Laptop, eine Kamera mit Objektiv und ein Stativ. Fotos von seinen aktuellen Erlebnissen wird er auf seinem Blog publizieren, der bald online geschaltet wird.

In der Politik ist Bossard seit zirka zwei Jahren dabei, bei den Jungen Grünen Aargau. Die aktuelle Kandidatur ist seine erste für den Grossrat und eine «natürliche und logische Folge», wie er sagt. «Sich politisch zu engagieren, liegt bei uns in der Familie», so der junge Erwachsene, der seinen Vater als Vorbild sieht. «Zur Umwelt und unseren natürlichen Lebensgrundlagen schauen, sich auch mit globalem Blick für Gerechtigkeit einsetzen – diese Werte habe ich von Zuhause mitbekommen.»

Vater auf dem letzten Platz

Papa Martin Bossard, selbst Agraringenieur, gehörte zu den Gründungsvätern der Bürgerinitiative «Bäretatze» (Heute «Bäretatze – Grüne Kölliken») und setzt sich seit Jahrzehnten dafür ein, dass die Sondermülldeponie Kölliken saniert und an die Natur und die Bevölkerung zurückgegeben wird. Der 55-Jährige war Gemeinderat und neun Jahre Grossrat. Seit 2009 ist er bei Bio Suisse Leiter Politik.

Zuvor war er Geschäftsführer der Sektion Aargau des Verkehrs-Clubs der Schweiz und Geschäftsführer der Stiftung Pro Specie Rara. Auch Bossard Senior steht auf der Grossrats-Kandidatenliste. Auf dem letzten Platz. Er will den Grünen beim Stimmenfang helfen.

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