Sie tanzten nackt auf der Wiese und wälzten sich im Gras und all das unter dem Titel der Kunst: Es handelte sich um eine Performance im Aargauer Königreich Noseland zwischen Schöftland und Schlossrued vom 20. August 2017. Damals wurden sie aufgrund einer Anzeige durch eine Person in flagranti erwischt. Die fünf Performer wurden daraufhin mit je einer Busse von 100 Franken bestraft.

Die Performance war heute Gegenstand einer Gerichtsverhandlung am Bezirksgericht Kulm. Es geht um Bussen von je 100 Franken, aber auch um die juristische Bewertung von Kunst. Der Bieler Performance-Künstler Thomas Zollinger und die zwei Frauen haben nämlich Beschwerde gegen die Strafe eingereicht. «Mit dem Abbruch und der Busse wurde das Grundrecht der Kunstfreiheit verletzt», so der Bieler Künstler.

An der Verhandlung nahmen auch Sympathisanten der Nackten teil, darunter der selbsternannte König Bruno Schlatter. Er "regiert" über das Königreich Noseland, das auf einer Wiese zwischen Schöftland und Schlossrued liegt und 2100 Quadratmeter umfasst. 

Szenen der Performance «Nudeland» im August 2017 in Schöftland

Szenen der Performance «Nudeland» im August 2017 in Schöftland; die ganze Performance finden Sie am Textende.

«Nudeland»-Prozess: Die Beteiligten treffen am Bezirksgericht Kulm ein

Die Beteiligten treffen am Gericht ein.

Kunst oder ungebührliches Verhalten?

Das Bezirksgericht Kulm hatte also zu entscheiden, ob die Nackten mit der Produktion Kunst schufen oder sich einfach blutt im Gras wälzten und sich somit wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses strafbar gemacht haben. 

«Auf diese Distanz braucht es ja fast ein Fernrohr»

«Auf diese Distanz braucht es ja fast ein Fernrohr»

Das sagten der Künstler Thomas Zollinger sowie die Anwohnerin und Landbesitzer Bruno Schlatter vor dem Prozess gegenüber Tele M1 (4.1.2019).

Am Freitagmorgen erklärte Zollinger vor dem Bezirksgericht Kulm: Der Gemeinderat von Schöftland hätte unter Anwendung gesunden Menschenverstands die Bussen erlassen können und sollen. «Die Performance ist ein Kunstkonzept, das seinen Ursprung im Ritualtheater hat.»

Die Angeklagte Regula Maria Merz erklärte: "Es war still und ruhig an jenem Tag, kein Publikum und keine Öffentlichkeit. Bruno Schlatter stand bereit, um allfällige Spaziergänger auf die Performance aufmerksam zu machen."

Nach der Beratung erklärte das Bezirksgericht Unterkulm die Ordnungsbusse für ungültig. Der Grund: Die Gemeinde hat gegen Rechtsgrundsätze verstossen, als sie die Bussen stützte. Damit liegt nichts gegen die Künstler vor.

Der Antrag von Thomas Zollinger, eine Bewilligung für eine erneute Performance in Noseland auszusprechen, wurde aber mangels Zuständigkeit abgewiesen. 

Update folgt...

Die ganze Performance im Video.