Erzählnacht
Nachts in der Bibliothek: Kinder jagen Bären und erfinden Geschichten

Am Abend in die Schule? Wer macht denn so etwas? Viele Schöftler Primarschüler, denn am Freitagabend beteiligten sie sich an der Schweizer Erzählnacht.

Sibylle Haltiner
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Kuschelig in Schlafsäcke eingepackt schauen die Erstklässler Bücher an und versuchen sich im Lesen.

Kuschelig in Schlafsäcke eingepackt schauen die Erstklässler Bücher an und versuchen sich im Lesen.

Geschichten hören und erzählen, sogar selbst welche erfinden, das gehörte in der Primarschule Schöftland an der Erzählnacht von Freitagabend dazu. Daneben gab es Gesellschaftsspiele, denn die Erzählnacht stand unter dem Motto «Ich spiele, du spielst – spiel mit!»

Kuschelig mit Schlafsäcken, Kissen und Stofftieren eingerichtet hatten sich die Erstklässler von Irene von Büren und Sylvia Coutsicos. Mit ihren Taschenlampen zündeten die Kinder einen Sternenhimmel an die Decke des nur schummrig beleuchteten Klassenzimmers. In kleinen Gruppen schauten sie Bilderbücher an und versuchten den Text zu entziffern. «Wir haben eben die Lauttafel abgeschlossen und beginnen nun mit dem Lesen», erklärte Irene von Büren. Soraya, Valeria und Alexandra sind in ein Buch über Delfine vertieft. Die Bilder faszinieren, aber auch die Wörter. «Die grossen Buchstaben kennen wir bereits», berichteten die Mädchen stolz. Dass sie am Abend, wenn es bereits dunkel ist, in der Schule sind, gefiel den Freundinnen besonders. «Es ist schön, dass wir hier sind und Geschichten hören können», schwärmte Alexandra.

Lustige Geräusche «live» dazu

Zum Abschluss lasen ihnen die Lehrerinnen das Buch vom Vater, der für seine Tochter den Mond vom Himmel holen soll, vor. «Die Kinder sollen noch ein bisschen herunterkommen, damit sie nicht ganz aufgedreht nach Hause gehen», erklärte Irene von Büren.

Derweil hörten im Härdöpfuchäuer Zweitklässler die Geschichte «Wir gehen auf die Bärenjagd». Bruna Matter erzählt aber nicht nur, sie liess die Kinder die Geschichte auch mitgestalten. Das Geräusch, das die Bärenjäger beim Schreiten durch das Gras verursachen, erzeugten sie mit Plastiksäcken. Durch den Wald ging’s mit «holper stolper», das mit Holzstäbchen imitiert wurde, für das «pff, pff» des Matschs reichten die Lippen.

Begeistert machten die Kinder mit und konnten beim zweiten Mal bereits einen grossen Teil der Geschichte mitsprechen. Anschliessend durften die Schülerinnen und Schüler ihre eigenen Jagdszenen zeichnen. Der Fantasie waren dabei keine Grenzen gesetzt, neben Bären entstanden auch Wölfe, Tiger und sogar Dinosaurier.

Im Von-May-Saal machte René Probst den Dritt- und Viertklässlern Lust auf Bücher. Er las aus einer Kriminalgeschichte vor, die in der Zeit der Römer spielte. Doch die Lösung des Rätsels verriet er nicht. Einige Hinweise auf den Täter mussten genügen. Das Buch ist in der Bibliothek vorhanden und wird wohl in nächster Zeit fleissig ausgeliehen werden.

Eine Geschichte aus Buchtiteln

Für die Erzählnacht spannten die Schule und das Bibliotheksteam zusammen. Die Fünft- und Sechstklässler konnten sich deshalb in der Bibliothek mit Spielen rund um Bücher und Wörter vergnügen. Ganz besonders faszinierte der Bücherturm. Aus den Titeln der aufgeschichteten Bücher sollten die Schüler eine Geschichte erfinden. Was eher chaotisch begann, fügte sich in kurzer Zeit zu einem witzigen Text zusammen, mit dem folgenden Anfang: «Charlie und Leo auf der Strasse des Schreckens, die nicht auf dieser Erde lag. Sie wollten auf ein Schiff zu Hugos genialer Welt. Doch da sahen sie die Weihnachtsdetektive. Dazu gehörten Hanni und Nanni. Und auch dazu gehörten die Rote Zora und ihre Bande. Beste Freundin, blöde Kuh!»

Als die Kinder um 21 Uhr von ihren Eltern abgeholt wurden, wusste sie viele Geschichten zu erzählen: von Römern und Bärenjägern, aber auch vom Abenteuer, in der Dunkelheit die Schule besucht zu haben.

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