Die Solidarität mit der Familie Bär, die ihren gesamten Besitz bei einem Brand verloren hat, ist gross. Besonders unter den Nachbarn, die gesehen haben, wie das Haus von den Flammen zerstört wurde. Der Wunsch zu helfen ist gross. Manche begnügen sich nicht mit einer Überweisung auf das von der Gemeinde eingerichtete Spendenkonto, sondern sammeln aktiv Geld.

Zum Beispiel Donate Rast. Kurzerhand organisierte sie am Samstag einen Wurstverkauf zugunsten der Familie Bär. Gewinnen konnte sie die Mithilfe der Metzgerei Bolliger, Besitzerin des abgebrannten Hauses: Sie lieferte 200 Bratwürste. Die Bäckerei Hofmann spendete das Brot, der «Gwürzsack» stellte den Platz vor dem Laden zur Verfügung und offerierte Glühwein.

«Die Familie tut mir leid», erklärte Donate Rast ihr Engagement. Sie stand am Samstag von 10 bis 16 Uhr am Grill vor dem «Gwürzsack» und briet Würste. Ein Blick ins grosse Spendenglas zeigte: Die Gäste zahlten nicht nur den Preis für Wurst und Wein, sondern rundeten grosszügig auf: Sogar Hunderternötli lagen im Topf.

Auf den Bänken sassen die Gäste und genossen ihre Wurst. Viele von ihnen wohnen in der Nachbarschaft, haben die Familie beim Einkaufen getroffen oder die Kinder rund ums Haus spielen sehen. Die Anteilnahme ist dadurch besonders gross, auch wenn die fehlende Hausratversicherung bei einigen auf Unverständnis stiess. «Besonders wenn man Familie hat, ist es wichtig, dass man versichert ist», erklärte Erich Rieder. «Viele Leute können die Prämien nicht so einfach bezahlen, aber man hat doch eine Verantwortung.» Deshalb gehe es ihm nicht in den Kopf, dass die Familie keinen Versicherungsschutz habe. «Aber die Situation ist tragisch, deshalb bin ich hier und spende etwas.»

Andere haben Verständnis, dass der Familienvater keine Versicherung abgeschlossen hat. «Es gibt sicher einen Grund, dass er keine Prämien bezahlen konnte oder wollte», meinte eine Frau. «Ausserdem hört man ja immer wieder, dass viele Schäden trotz Versicherung nicht gedeckt waren.» Margrit Staufer, die im Hochhaus wohnt und die zerstörenden Flammen ebenfalls gesehen hat, fügte hinzu: «Es ist nun mal so, ich kann nicht verstehen, dass deshalb ein solch grosses Drama veranstaltet wird.» Eine weitere Besucherin erklärte bestimmt: «Man hätte den fehlenden Versicherungsschutz in den Medien überhaupt nicht erwähnen sollen.» Auch René Kunz, ehemaliger Grossrat, war anwesend und meinte: «Es ist wichtig, dass man die Leute unterstützt. Die Familie ist traumatisiert und man muss ihr Hoffnung geben.»

Die Familie Bär verlor alles beim Hausbrand in Reinach AG

Die Familie Bär verlor alles beim Hausbrand in Reinach AG

Überlegter Einsatz der Gelder

Wichtig ist den Veranstaltern der Solidaritätskundgebung aber auch die verantwortungsvolle Verwendung des eingenommenen Geldes. Dieses wird daher an die Gemeinde weitergeleitet. «Am Montag findet ein Gespräch mit der Familie Bär statt», sagte Gemeinderätin Pia Müller. «Dort besprechen wir, wie es weitergehen soll.» Am Samstag konnte sie noch keine Aussage darüber machen, wie das gespendete Geld eingesetzt wird. Die Hilfe soll aber überlegt erfolgen und gut koordiniert werden. «Wir haben nicht nur der Familie Bär gegenüber eine Verantwortung, sondern sind auch den Spendern verpflichtet», so Müller.