Schmiedrued-Walde
Nach vielen Jahren: Plötzlich sind Schanzen am Motocrossrennen verboten

Für das Motocrossrennen in Schmiedrued-Walde brauchte es bisher noch kein Baugesuch. Doch nach einer Beschwerde einer Privatperson ist das anders. Und jetzt hat der Kanton Aargau das Baugesuch abgelehnt. Das Rennen, das auch ein Volksfest ist, soll trotzdem stattfinden.

Bastian Heiniger
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Beim letztjährigen Rennen hoben die Töfffahrer noch ab.

Beim letztjährigen Rennen hoben die Töfffahrer noch ab.

Martin Zürcher

Das lizenzfreie Motocrossrennen in Schmiedrued hat Tradition: Seit 29 Jahren rattern an einem Wochenende im August die Motoren, seit 15 Jahren findet der Anlass auf der Nütziweid statt – für Schmiedrued ein Volksfest.

Viele Zuschauer kommen nicht nur für den offiziellen Wettkampf, sondern wegen des Plauschrennens, bei dem die Teilnehmer ein eigenes Gefährt bauen: etwa eine Schubkarre mit Motor, eine fahrende Badewanne oder einen motorisierten Einkaufswagen. Probleme gab es nie, bis jetzt.

Staffelbach: Es geht auch ohne Baugesuch

In Staffelbach findet ebenfalls ein Motocrossrennen statt, und zwar schon dieses Wochenende. Eine Baubewilligung ist dort indes nicht erforderlich, weil es zu keinen Erdverschiebungen kommt.

Nun hat der Kanton das Baubewilligungsgesuch des Moto Clubs Ruedertal abgelehnt. Der Grund: Die Nütziweid befindet sich einerseits in der Landwirtschaftszone und andererseits in der Landschaftsschutzzone.

In der Schutzzone seien Erdverschiebungen problematisch, sagt Benno Schmid, Leiter Kommunikation des Baudepartements. Am Gelände darf somit nichts verändert werden – keine gebauten Hügel, keine Kurven, keine Schanzen.

Kanton musste über die Bücher

Wieso aber muss der Moto Club plötzlich ein Baugesuch stellen, wenn es all die Jahre auch ohne ging? Gemäss Felicitas Siebert, Leiterin der Abteilung Baubewilligung, habe der Kanton nie interveniert, weil man davon ausgegangen sei, dass das Rennen keine Baubewilligung erfordere. Schliesslich seien die Erdverschiebungen nur temporär. Aber dann hat das Departement für Volkswirtschaft und Inneres (DVI) festgestellt, dass es für das Rennen in Schmiedrued eben doch eine Bewilligung braucht.

Auf diese Erkenntnis kam der Rechtsdienst aufgrund einer Einsprache: 2013 reichte eine Privatperson eine Beschwerde ein gegen das Rennen. Der Beschwerdeführer fragte, ob der Moto Club nicht ein Gesuch stellen müsse.

Das Baudepartement kam daraufhin, gestützt auf das Bau- und Raumplanungsgesetz, zum Schluss, dass eine Baubewilligung nötig ist. Und diese wurde dem Moto Club nun verwehrt. Dennoch: Das Rennen vom 23. und 24. August will er durchführen.

Einsprache aus anderem Dorf

Die Einsprecherin wohnt nicht in Schmiedrued, besitzt aber eine Liegenschaft nahe der Rennstrecke. Sie finde, dass ein Rennen nicht in einer Landschaftsschutzzone stattfinden soll, sagt sie auf Anfrage der az.

Das sei ein Vorwand, meint ein Schmiedrueder. Er wisse: Die Einsprecherin wolle ihre Liegenschaft verkaufen. Sie befürchte, dass diese aufgrund des Rennens an Wert verlieren könnte.

Im Dorf hat die gesamte Angelegenheit für Diskussionen gesorgt. Dazu Stellung nehmen will indes niemand: weder die Einsprecherin noch der Moto Club noch die Gemeinde. «Ein heikles Thema», meint Marlise Loosli, Gemeindeammann von Schmiedrued-Walde. Die Gemeinde aber unterstütze das Rennen und der Gemeinderat hoffe, dass auch in den nächsten Jahren die Bewilligung erteilt werden könne.

Das Problem liegt also nicht auf kommunaler, sondern auf kantonaler Ebene. In Schmiedrued freut man sich trotzdem auf die Veranstaltung: «Das Rennen liegt uns allen am Herzen», sagt René Maurer, Präsident des Moto Clubs.

Allerdings verstehe er nicht, dass sie nichts bauen dürften, wenn 250 Meter weiter ein Windpark entstehen soll. «Weil wir keine Schanzen bauen dürfen, müssen wir die Strecke halt so abstecken, dass das Gelände optimal genutzt wird.» Dank der Bodenwellen entstünden zwei, drei kleine Sprünge. Trotzdem: Die Piste wird dieses Jahr flacher.

Moto Club wehrt sich gegen Kanton

In welcher Form im nächsten Jahr das Rennen durchgeführt werden kann, ist noch offen. Der Moto Club hat sich gegen den Entscheid des Kantons gewehrt und eine Einsprache deponiert.

Das sei noch ein laufendes Verfahren, sagt Benno Schmid vom kantonalen Baudepartement. Wann ein Entscheid falle, wisse er nicht. Entscheiden müsse nun der Regierungsrat.

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