Die beiden freisinnigen Ammänner Lüscher, Vater und Sohn, waren zwei der letzten FDP-Ammänner in Muhen. In den Siebzigern war der freisinnige Ernst Lüscher-Hauri sieben Jahre lang Ammann. 1994 kam mit Sohn Peter Lüscher-Frey wieder ein FDPler ins Gemeindepräsidium. Danach ist das Dorf weiter nach rechts gerückt: Es wurde vom FDP- zum SVP-Dorf.

Seit über 15 Jahren gibt es auch keine FDP-Ortspartei mehr. Damit ist Muhen eine der wenigen Aargauer Gemeinden ohne offizielle FDP-Präsenz. Nun wollen zwei Müheler den liberalen Geist im Ort wieder aufleben lassen. Nils Hunziker, Niederlassungsleiter der Betoncoupe AG (Schwerzenbach) und Michael Fretz, Anwalt in Aarau, wollen eine Partei für diejenigen Einwohner gründen, die sich weder auf SP- noch auf SVP-Seite sehen. «In Muhen haben wir heute praktisch nur diese beiden Pole», sagt Hunziker beim Treffen mit der AZ bei der reformierten Kirche über den Müheler Dächern. Der 40-Jährige war jahrelang Schulpfleger im Dorf, heute ist er Mitglied der Baukommission. Dank seinen Ämtern sei er mit vielen Leuten in Kontakt gekommen. Vor allem junge Müheler Familien, so merke er, würden eher liberal denken. Viele von ihnen seien in den letzten Jahren aus anderen Regionen zugezogen und hätten eine neue Einstellung nach Muhen gebracht.

Politische Diskussionen anregen

An einer Infoveranstaltung am Donnerstag, 23. August, wollen die beiden – zusammen mit FDP-Nationalrat und Gastredner Thierry Burkart – herausfinden, wie viele Einwohner sich mit dem Freisinn identifizieren.

Hunziker ist überzeugt, dass viele Müheler nicht dasselbe SVP-Gedankengut vertreten, das die Gemeinde heute prägt und das Grundlage für viele politische Entscheide ist. «Gäbe es für diese Leute eine Partei, die ihre Bedürfnisse behandelt, würden sie sich eher politisch einbringen, an Diskussionen teilnehmen und darüber informiert werden, welche Traktanden der Gemeindeversammlung auch sie betreffen und weshalb.» Die meisten Stimmberechtigten nähmen nicht an Gemeindeversammlungen teil. Teilweise würden sie das hernach bereuen, wenn nicht in ihrem Sinne entschieden worden sei. «Diese Leute wollen wir abholen», so Hunziker.

Ortspartei-Mitgründer Michael Fretz (38) hat konkret im Rahmen der Umsetzung des Kinderbetreuungsgesetzes beobachtet, dass Müheler Eltern hinsichtlich Betreuungsanliegen noch wenig Gehör in der Gemeinde finden. «Leuten wie ihnen möchten wir eine Stimme geben», so Fretz.

Niemanden bekämpfen

«Wir gründen die Partei jedoch nicht aus Unmut gegen Behörden oder Politiker», sagt Fretz. Die Leute im Dorf seien zufrieden mit den Behörden und als neue Ortspartei wolle man auch gegen niemanden angehen. «Es soll für diejenigen eine Chance sein, sich mit Politik zu befassen, die weder zum einen noch zum anderen der bestehenden Lager gehören.» Zu konkret hinsichtlich ihrer künftigen Parteigeschäfte wollen die beiden aber nicht werden. Erst steht die Gründung an, danach diskutieren die Neumitglieder die Themen.

Hunziker, ursprünglich aus Staffelbach, ist vor 16 Jahren ins Dorf gezogen, nachdem er sich in eine Mühelerin verliebt hatte. Drei Töchter hat das Ehepaar inzwischen. «Ich bin ein Macher», sagt er von sich, deshalb liess er sich erst in die Schulpflege, dann in die Baukommission wählen. Vor einem halben Jahr fing er an, sich mit dem Gang zu den Freisinnigen zu beschäftigen. «Mit der FDP kann ich mich gut identifizieren, ich tendiere weder sehr nach links noch extrem nach rechts und finde, der Staat solle möglichst wenig dreinreden».

Er fing an, nach FDP-Sympathisanten an seinem Wohnort zu suchen – und traf auf Michael Fretz. Der Vater von zwei kleinen Kindern wohnt seit fünf Jahren in Muhen. Die Chemie stimmte auf Anhieb. Kurz darauf schmiedeten die beiden bereits Pläne zur Wiederbelebung der FDP-Ortspartei. Wann die Gründung genau stattfindet, wird am Infoabend bekannt gegeben.

Die Informationsveranstaltung zur Neugründung der FDP Muhen findet am Donnerstag, 23. August, um 19.30 Uhr im Kirchensaal Muhen statt.