Berufsschule

Nach über 100 Jahren: Lichterlöschen im KV-Schulhaus in Reinach

Steht zum Verkauf: Das ehemalige KV-Gebäude in Reinach.

Steht zum Verkauf: Das ehemalige KV-Gebäude in Reinach.

Reinach verliert zum zweiten Mal eine Berufsschule. Nach 102 Jahren kommt nun das Aus für den KV-Standort. Das Gebäude soll aber weiterhin der Bildung dienen.

Das Ende des Schuljahres ist nah, der Moment grosser Veränderung. Nicht nur für die Schüler; im Wynental betrifft es dieses Jahr die Schulstandorte gleich mit. Mit der Kreisschule aargauSüd verliert Menziken seine Bezirksschule, der Gontenschwiler Oberstufenstandort fällt gänzlich weg. Und in Reinach schliesst das KV-Schulhaus – heute an der Hauptstrasse 80 – für immer seine Türen.

102 Jahre nach dem ersten Schultag der Kaufmännischen Berufsschule ist Lichterlöschen für das KV Lenzburg Reinach, so hat es der Regierungsrat im März 2019 definitiv entschieden. Nach den Sommerferien werden die rund 70 Reinacher Lernenden in Aarau und Wohlen zur Schule gehen, je nach Standort des Lehrbetriebes. Der Abschied von Reinach und Lenzburg wird laut Rektor Andreas Schmid sang- und klanglos geschehen – Corona macht allen Feierlichkeiten den Garaus.

Und so bleibt nichts anderes mehr, als aufzuräumen: Der Mietvertrag für das Reinacher Schulhaus ist gekündigt per Ende Juli, die Möbel sind bereits verkauft und werden nach dem letzten Schultag abgeholt. Das Haus steht zum Verkauf.

Reinach verliert bereits die zweite Berufsschule

Mit der 1918 gegründeten Kaufmännischen verliert Reinach bereits zum zweiten Mal eine Berufsschule. 1995 wurde bereits die gewerblich-industrielle Berufsschule geschlossen (gegründet 1902). Um beide Schulen wurde gekämpft, bei beiden waren es schliesslich die zu kleinen Schülerzahlen, die die Schliessung besiegelten.

Eine Schulschliessung tut immer weh, bedeutet immer einen Verlust in mehrfacher Hinsicht. Das sagte Gemeindeammann Martin Heiz schon vor einem guten Jahr, als das definitive Aus kam. Aber er sagte auch: «Man kann nicht immer vom Sparen reden und gleichzeitig über solche Entscheide klagen.» An dieser Haltung hat sich bis heute nichts geändert. «Auch wenn jetzt etwas Nostalgie hochkommt», sagt Heiz. Schliesslich ist er selbst ein Ehemaliger, hat das KV als Lehrling ab 1966 noch im Centralschulhaus besucht.

Gemeinderat hat Ideen für Ersatz

Mit der Schliessung des KV entsteht in Reinach eine weitere Lücke im Bildungsangebot. Eine, die der Gemeinderat gerne schliessen würde. Entsprechende Bestrebungen, wieder ein Bildungsangebot nach Reinach zu holen, seien am Laufen, so Heiz. Das Gebäude – ursprünglich ein Fabrikgebäude der Zigarrenfabrikanten Gautschi & Hauri, dem «Güggel-Gautschi», mit Baujahr 1881 – wäre ja bereits vorhanden. Was für ein Angebot das sein könnte, dafür habe der Gemeinderat bereits Ideen. «Möglich wäre beispielsweise ein Internat», sagt Heiz. Seine Wunschkandidatin? «Eine Migros-Clubschule.»

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