Der Schweinestall von Bauer Peter Hochuli hat sich letzte Woche in einen Geburtssaal verwandelt. 230 Ferkel kommen hier innert wenigen Tagen zur Welt. Hochuli ist Geburtshelfer und fast rund um die Uhr für die Schweine da. Wiegen die Ferkel nach zehn Wochen 30 Kilo, gehts weiter zu einem Mäster ins Luzernische und von dort in die Regale der Migros –  als Schweinsschnitzel, Speck oder Steak. Rund 25 Kilo Schweinefleisch isst jeder Schweizer jährlich.

In sieben Monaten 110 Kilo

Angestrengt grunzt eine Sau. Ihre Augen sind geschlossen, der Bauch hebt und senkt sich in kurzen Abständen. Sie liegt in den Wehen. «Heute Abend gehts los», sagt Hochuli. Schräg gegenüber ist`s schon losgegangen. Ein paar Schweinchen suchen bereits die Zitzen. Grunzt die Mutter, spicken sie weg – sie sind noch etwas wacklig auf den Beinen. Ein Ferkel liegt blutverschmiert und etwas benommen neben der Mutter. Fünf Minuten alt ist es und eineinhalb Kilo schwer. In sieben Monaten wiegt es 110 Kilo. Dann ist seine Lebensaufgabe erfüllt. Bis es zum Mäster geht, hat Hochuli noch viel zu tun. «Irgendeines der 230 Ferkel hat immer ein Problemchen.»

Und schon passierts: Aus dem Klangteppich des Grunzens ertönt ein schrilles Quietschen. Hochuli rennt. Schwein gehabt – gerade rechtzeitig kann er ein besonders kleines Ferkel unter der Sau hervorziehen. Die Mutter ist die grösste Gefahr zu Beginn eines Schweinelebens. Damit keine Ferkel erdrückt werden, sind die Schweine im Ausland oft eingepfercht zwischen Gitterstäben – bewegungsunfähig. Hochuli nimmt ab und zu ein totes Ferkel in Kauf. Dafür haben seine Schweine mehr Platz und Stroh. Damit es trotzdem nicht zu oft vorkommt, erzieht er die Kleinen: Mit einer Wärmelampe lockt er sie in ein Nestchen, das geschützt ist vor den 300 Kilo der Mutter.

Zu Besuch in der Schweinezucht von Peter Hochuli in Reitnau

Zu Besuch in der Schweinezucht von Peter Hochuli in Reitnau

Aber auch Hochuli will, dass möglichst viel überleben. Er lebt davon. Darum werden die Ferkel auch nicht von der eigenen Mutter aufgezogen, sondern nach Grösse sortiert auf die Schweine verteilt. «So bekommen auch die schwächsten Ferkel Milch.»

Geboren, sortiert und kastriert wird alle sechs Wochen. In diesem Rhythmus kommen die schwangeren Schweine nach Reitnau, ziehen die Ferkel auf, gehen zurück zum Partnerbetrieb und werden dort vom Eber erneut gedeckt, tragen 115 Tage und kommen wieder. Knapp 2000 Ferkel werden hier jährlich geboren. Pro Kilo Schwein bekommt Hochuli zurzeit sieben Franken. Es war auch schon halb so viel.

Hochuli nennt die Dinge beim Namen. Er sagt nicht Zitze, sondern Püppi, nicht zertreten, sondern gschieget. Aber er sagt auch: «Ich hab sie gern, meine Schweine.»

Und isst Peter Hochuli Schwein, dann am liebsten gegrillt als Steak.