Gut zwei Jahre ist es her, als Susanne Hochuli mit einer Politiker-Gruppe Eritrea bereiste, um sich ein eigenes Bild über die Lebensbedingungen der Bevölkerung zu machen, aus dem Tausende vor allem junge Männer in die Schweiz flüchten und Asyl beantragen.

Der Reisebericht der damaligen Regierungsrätin, der durchaus kritisch war, aber auch positive Eindrücke mitnahm (Eritrea sei nicht das «Nordkorea Afrikas»), stiess bei Linken, Flüchtlingshilfe und Bundesrätin Simonetta Sommaruga auf Kritik. Sie habe sich vom diktatorischen Regime in Eritrea instrumentalisieren lassen. Es sei unglaubwürdig, sich ein eigenes Bild vor Ort machen zu wollen. Hochuli blieb dabei: Nicht alles sei schlecht in Eritrea. Die Schweiz müsse diplomatische Beziehungen mit dem Regime aufbauen. Das sei Voraussetzung, damit weniger Eritreer zu uns kämen, beziehungsweise wieder mehr in ihre Heimat zurückkehrten.

In der Zwischenzeit hat sich einiges geändert: Bundesrätin Sommaruga ist von ihrer kategorischen Haltung abgewichen, Eritreer dürften aufgrund der Menschenrechtssituation unter keinen Umständen zurückgeschickt werden. Letzte Woche machte die «Rundschau» publik, dass Sommarugas Staatssekretariat für Migration (SEM) 3200 vorläufig aufgenommene Eritreer informiert, ihre Wegweisung anzuordnen. Gemäss Bundesverwaltungsgericht sei diese grundsätzlich zumutbar.

Inzwischen hat sich auch bei Susanne Hochuli einiges geändert: Nach ihrer Zeit als Regierungsrätin muss sie sich nicht mehr mit der Umsetzung von Berns Flüchtlingspolitik im Kanton herumschlagen. Stattdessen widmet sich die 52-jährige Biobäuerin wieder intensiv und mit Leidenschaft ihrem Hof in Reitnau. Hochulis Engagement für Flüchtlinge und ihr Interesse für das Horn von Afrika ist dagegen unverändert hoch.

Warum wird Äthiopien anders behandelt?

Ziemlich genau zwei Jahre nach ihrer Eritrea-Reise hat Susanne Hochuli diesen Januar der Region erneut einen Besuch abgestattet, diesmal ins Nachbarland Äthiopien. «Eine Bildungsreise», wie sie sagt. «Ich war drei Wochen mit einem regimekritischen Anthropologen unterwegs.» Ihre Erkenntnis: «Äthiopien ist genauso diktatorisch wie Eritrea.» Auch da herrsche eine Diktatur, auch da verschwänden Menschen ohne Begründung im Gefängnis und würden gefoltert. Wirtschaftlich sei das Land noch schlechter dran. «Eritrea geht es diesbezüglich sogar besser.»

Ein Mädchen aus Eritrea trägt Wasser zu ihrem Zelt.

Im Flüchtlingslager Somare an der äthiopisch-kenianischen Grenze.

Ein Mädchen aus Eritrea trägt Wasser zu ihrem Zelt.

Hochuli betont dies, weil sich die Schweiz just Anfang März «in einem politischen Dialog» mit dem Regime in Äthiopien auf eine Rückübernahme von Asylsuchenden geeinigt hat. Hochuli versteht bis heute nicht, warum sich Bundesbern kategorisch weigert, mit dem kleinen Nachbarn Eritrea ebenfalls diplomatische Beziehungen aufzunehmen. «Wenn man das mit Äthiopien kann, geht das doch auch mit Eritrea.» Eine Vermutung hat Hochuli für die unterschiedliche Behandlung: Äthiopien sei als grosses Land wirtschaftlich interessanter für die Schweiz und auch in der Terrorismusbekämpfung ein wichtiger Faktor.

Der jüngste Entscheid des Bundes, 3200 vorläufig aufgenommene Eritreer formell wegzuweisen, findet die ehemalige Regierungsrätin unbefriedigend. «Wenn diese Menschen nicht freiwillig zurückgehen, landen sie bei uns in der Nothilfe.» Das sei weder für die Betroffenen noch für unsere Gesellschaft gut. Für Hochuli ist die verzwickte Situation das Resultat einer verpassten Chance: «Man hat es versäumt, frühzeitig mit dem Regime in Eritrea Kontakt aufzunehmen und auf eine Rücknahmeregelung hinzuarbeiten.»

Eritreer auf Hochulis Bauernhof

Wie es mit der Eritrea-Politik weitergeht, liegt der grünen Politikerin auch persönlich am Herzen. Neben einer Flüchtlingsfamilie aus Angola beherbergt sie auf ihrem Bauernhof auch eine Mutter und drei Mädchen aus Eritrea. Bevor diese in die Schweiz kamen, waren sie in einem Flüchtlingslager in Äthiopien untergebracht. Schrecklich sei es gewesen, erzählen sie ihrer Gastgeberin.

Die Flüchtlingsfamilie ist nun seit zwei Jahren hier. Ihre Zukunft ist ungewiss. Letzten September wurden ihre Asylgesuche in Bern konkret geprüft. Seither warten sie auf einen Bescheid.

Hochuli erzählt von ihrer Eritrea-Reise

Hochuli erzählt von ihrer Eritrea-Reise (Februar 2016)

Diese Reise sorgte für Schlagzeilen. Susanne Hochuli reiste mit anderen Politikern nach Eritrea.