Oberkulm
Nach fast 40 Jahren: Die gute Seele des Alterszentrums tritt ab

Ende August geht im Alterszentrum Mittleres Wynental eine Ära zu Ende. Heinz Bertschi, der das Haus wie kein anderer kennt, wird pensioniert.

Sibylle Haltiner
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Heinz Bertschi, Leiter Technischer Dienst des Alterszentrums Mittleres Wynental wird bald pensioniert
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Heinz Bertschi, Leiter Technischer Dienst des Alterszentrums Mittleres Wynental wird bald pensioniert
Heinz Bertschi, Leiter technischer Dienst des Alterszentrums, wird bald pensioniert.
Heinz Bertschi, Leiter Technischer Dienst des Alterszentrums Mittleres Wynental wird bald pensioniert

Heinz Bertschi, Leiter Technischer Dienst des Alterszentrums Mittleres Wynental wird bald pensioniert

Mario Heller

Mehr als 38 Jahre hat er im Alterszentrum Mittleres Wynental gearbeitet. Rechnete man seine zahllosen Überstunden hinzu, wären es noch einige mehr. Heinz Bertschi war der gute Geist im Altersheim. Nicht nur war er Leiter des technischen Dienstes, sondern auch Gärtner, Tierpfleger, Bauleiter, Eventorganisator und Krisenmanager. Ende August wird Bertschi in den Ruhestand treten, der Abschied tut aber heute schon weh.

Am 1. März 1979 übernahm Heinz Bertschi den Posten des Hauswartes im Alterszentrum, doch seine Aufgaben gingen weit darüber hinaus. Gleich zu Anfang stand die Endreinigung des neu erstellten Gebäudes auf dem Programm. «Wir stellten ein Zimmer nach dem anderen fertig. Im April trat das erste Ehepaar ein», erzählt Bertschi. Nach und nach füllte sich das Alterszentrum.

«Damals waren die Leute beim Eintritt noch viel rüstiger als heute und brauchten nicht so viel Pflege. Die meisten Betten waren deshalb ganz normal und hatten keine Räder, sondern standen auf Stahlbögen.» Als sie ausgedient hatten, fand Bertschi eine neue Verwendungsmöglichkeit: Heute hängen einige dieser Kufen an der Decke in der Scheune seines über 100-jährigen Hauses als perfekte Aufbewahrungsvorrichtungen für Holzbretter und Stangen.

«Mit den Bewohnern hatte ich viel Kontakt, insbesondere auch mit dem Ehepaar, das als Erstes eingezogen ist. Die Beziehungen waren oft sehr persönlich und man hat sich mit der Zeit gut kennen gelernt», erzählt Bertschi. Zu Beginn seiner Tätigkeit konnte der junge Hauswart von den Erfahrungen der Bewohner profitieren. Zum Beispiel bei der Pflege des Gartens, den Bertschi schon bald anlegte und darin Gemüse und Kräuter zog für die Küche. «Die meisten Bewohner hatten ja zuvor einen Garten gehabt und gaben mir viele gute Tipps.»

«KMU» als Familie

Bertschi wohnt nur einen Steinwurf von seinem Arbeitsort entfernt. Der Job wie auch sein Nebenverdienst als Werklehrer in Teufenthal gefielen dem gelernten Schreiner von Anfang so gut, dass es ihm nichts ausmachte, auch nach Feierabend und am Samstagmorgen zu arbeiten. Zuhause hielt ihm seine Frau Helene den Rücken frei. Das Paar hat sechs Kinder, darunter Drillinge. Ein «richtiges KMU» nennt Bertschi seine achtköpfige Familie, für welche er in seiner Freizeit gerne da war.

Die Kinder ihrerseits unterstützten ihren Vater oft bei der Arbeit im Alterszentrum. Sie jäteten, mähten den Rasen oder räumten Schnee. «Die Pensionäre hatten immer Freude an den Kindern, spendierten eine Glace oder schenkten ihnen ein Chlaussäcklein», erzählt der stolze Vater. Unterdessen sind die Kinder erwachsen, Helene und Heinz bereits neunfache Grosseltern.

Sein Arbeitsbereich im Altersheim umfasste immer weitere Aufgaben: Bei Umbauarbeiten übernahm er die Bauleitung. Besonders anspruchsvoll, da mit engem Zeitrahmen und unter laufendem Betrieb, war der Einbau von Duschen in den Zimmern, die anfangs nur gerade mit Waschbecken und Toilette ausgestattet waren.

Die Nachrüstung dauerte von 2005 und 2015. «Immer bei einem Wechsel wurden die Zimmer renoviert und Duschen eingebaut. Dies erforderte von mir und den Handwerkern viel Flexibilität, die Zusammenarbeit mit ihnen ist mir in besonders guter Erinnerung geblieben», berichtet Bertschi.

15 Jahre lang hatte Bertschi den ganzen hauswirtschaftlichen Dienst unter sich und war auch für Reinigung, Lingerie und Hauswirtschaft verantwortlich. Ausserdem organisierte er mit Leidenschaft Personalanlässe. Auch der kleine Tiergarten geht auf seine Initiative zurück und in der Weihnachtszeit galt sein ganzer Stolz dem grossen Weihnachtsbaum auf dem Dach des Alterszentrum, der dank Notstromaggregat einmal sogar noch leuchtete, als im ganzen Dorf der Strom ausgefallen war.

Nachts aus dem Bett gerufen

Unter fünf verschiedenen Heimleitungen arbeitete Heinz Bertschi während seiner Dienstzeit und erlebte bestimmt rund 500 Todesfälle von Bewohnern. «Ein Wechselbad der Gefühle,» resümiert er. Nun gilt es, Abschied zu nehmen. Im Gespräch merkt man, wie schwer ihm das fällt. Er wird sich erst daran gewöhnen müssen, dass ihn nachts kein Telefonanruf mehr aus dem Schlaf zu einem defekten Pflegebett oder einem Wasserschaden ruft.

Doch er ist dankbar, die grosse Verantwortung abgeben zu können. Die Arbeit wird ihm dennoch nicht ausgehen: Das alte Haus und der grosse Garten geben viel zu tun, ausserdem freut er sich darauf, in seiner Werkstatt wieder vermehrt mit Holz arbeiten zu können und Zeit für die Familie mit den Grosskindern zu haben.

Kann sich Heinz Bertschi denn vorstellen, dereinst als Bewohner an seine ehemalige Wirkungsstätte zurückzukehren? «Wenn ich jeweils bei Wechseln die Zimmer vorbereitete, habe ich mir das auch schon überlegt», sagt er und fügt hinzu: «Die Eckzimmer sind sehr schön.»