Nach erneuter Absage: Wie weiter beim Böhlerknoten?

Zum dritten Mal sagt der Kanton die Diskussionsrunde in Unterkulm ab. Kantonsingenieur Rolf H. Meier sagt, wie es nun weitergeht.

Katja Schlegel
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Der Kanton hat den auf mor-gen Samstag angesetzten Öffentlichkeitsanlass rund um den Böhlerknoten in der Mehrzweckhalle Unterkulm abgesagt. Die Begründung: Die vom Bundesrat beschlossene Coronamassnahme, dass keine Veranstaltungen mit über 50 Teilnehmern durchgeführt werden dürfen – und die Sicherheit der Besucher. So steht es im gestern unter anderem in der AZ publizierten Inserat, gezeichnet von Kantonsingenieur Rolf H. Meier.

Schon wieder eine Absage, die dritte in Folge nach April und August. Dabei ist der Redebedarf riesig, auf allen Seiten.

Rückblick: Der Innerortsabschnitt in Unterkulm ist ein Sicherheitsrisiko. Die Bahnübergänge (WSB) sind noch immer ungesichert, als letzte im Kanton (laut Bundesgesetz müsste dies seit 2014 passiert sein). Auch müssen die Strasse saniert und der Böhlerknoten umgebaut werden. All das ist unbestritten. Aber an der Form scheiden sich die Geister.

Die Kreisel-Idee des Kantons wurde während der Auflagefrist krachend versenkt. Die IG Bahntunnel setzt sich für eine Tunnellösung ein (Kostenpunkt rund 250 Millionen Franken). Der Kanton ist mittlerweile auf eine Lösung mit T-Knotens umgeschwenkt und hält aus Kostengründen an der oberirdischen Bahnführung fest. Das Projekt hätte 2020 aufgelegt werden sollen, wurde aber vom Grossen Rat auf Eis gelegt: Das Kantonsparlament verlangte (auf Antrag von Rolf Haller, EDU, Zetzwil) vom Kanton, vor der Auflage und dem Eintrag in den Richtplan (samt 22,4-Millionen-Kredit), die Bevölkerung zu involvieren. Das war vor einem Jahr, im November 2019.

«Nicht bis zum St.Nimmerleinstag hinausschieben»

Zwölf Monate ohne Dialog, und eine Entspannung der coronareglementierten Situation ist nicht absehbar. Im gestern publizierten Inserat steht: «Über das weitere Vorgehen wird mit der Spurgruppe beraten. Wir werden informieren, sobald Entscheide vorliegen.» Doch was heisst das genau?

«Der Dialog mit der Bevölkerung muss unbedingt stattfinden, und zwar mit der breiten Bevölkerung», sagt Kantonsingenieur Rolf Meier auf Anfrage. Das sei mit einer Obergrenze von 50 Teilnehmenden einfach nicht möglich. Jetzt muss eine andere Form her: Eine Info­veranstaltung, wie sie nun mehrfach abgesagt werden musste, werde die nächsten Monate nicht möglich sein, ist Meier überzeugt. «Deshalb wollen wir nun mit der Spurgruppe zeitnah eine Lösung suchen, wie wir die Bevölkerung in den Austausch mit einbeziehen können.»

All das soll möglichst rasch geschehen. «Wir wollen die Diskussion nicht bis zum St.Nimmerleinstag hinausschieben. Wir müssen vorwärtsmachen», so Meier. Zu gross seien sicherheits- und verkehrstechnische Mankos. «Allein in den letzten Wochen haben sich fünf Unfälle ereignet, glücklicherweise nur mit Blechschäden», sagt Meier. «Diese Situation können wir nicht länger mehr hinnehmen.»

Die nun zu suchende Lösung soll «eine minimale kurzfristige Lösung für einen sicheren Betrieb in den nächsten rund 20 Jahren gewährleisten». Was langfristig passiert – Stichwort «Tunnel» – muss in einem separaten Projekt entwickelt werden. «Wir können nicht alle Wünsche in ein Projekt packen», sagt Meier. Dazu sei die Zeit zu knapp, das Sicherheitsrisiko zu gross. «Was wir jetzt finden müssen, gemeinsam mit der Bevölkerung, ist eine Lösung für die dringlichsten Aufgaben, die an der Urne mehrheitsfähig ist – und einen Weg für die längerfristigen Lösungen festlegen.»