Leimbach
Nach der Lehre weiss die junge Hufschmiedin alles über Pferdebeine

Steffi Vogt lernt Hufschmiedin. Fehlende Kraft macht sie in ihrem körperlichanstrengenden Beruf durch Gefühl wett.

Sibylle Haltiner
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Steffi Vogt demonstriert an ihrer Ponystute Wendy, wie sie mit der Zange die Nägel aus dem Huf ziehen würde.

Steffi Vogt demonstriert an ihrer Ponystute Wendy, wie sie mit der Zange die Nägel aus dem Huf ziehen würde.

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Seit dem Kindergartenalter hat Steffi Vogt nur einen Berufswunsch. Heute steht sie im ersten Lehrjahr und nennt Hufschmiedin immer noch ihren Traumberuf. Die zierliche 16-Jährige ist selbstbewusst und hat klare Vorstellungen von ihrer Zukunft: «Nach der Lehre möchte ich etwa zwei Jahre auf dem Beruf arbeiten und Erfahrungen sammeln. Danach werde ich wahrscheinlich ein Studium zur Tierärztin in Angriff nehmen.»

Von klein an auf dem Pferderücken

Steffi Vogt reitet, seit sie sich erinnern kann. «Es gibt Fotos von mir als Zweijährige auf dem Pony», erzählt sie. In der Schmiede ihres Grossvaters gefielen ihr bereits als kleines Mädchen die Hufeisen, wenn sie glühend aus der Esse kamen. «Lüüchtig» kamen ihr diese vor. Auch die Technik, aus einem vorgefertigten Einheitseisen ein individuell auf den Pferdehuf angepasstes Hufeisen zu formen, faszinierte die Leimbacherin schon früh.

Nicht nur die Metallbearbeitung gefällt Steffi Vogt an ihrem Beruf. Es sind der Umgang mit Pferden und vor allem die umfangreichen Kenntnisse, die sie sich in ihrer vierjährigen Lehrzeit aneignen kann. «Hufschmiede wissen einfach alles über Pferdebeine», erklärt sie. «Bei bestimmten Krankheiten können wir den Pferden ermöglichen, wieder besser zu laufen. Ausserdem arbeiten wir oft eng mit Tierärzten zusammen. Das ist spannend.»

Unterwegs in verschiedenen Ställen

Steffi Vogt lernt im Hufschmiedebetrieb von Stephan Gloor. Kürzlich wurde die Werkstatt von Suhr nach Unterkulm verlegt. Doch meistens sind sie unterwegs, denn der Schmied besucht seine Kunden im Stall.

Bis Steffi selbst Eisen aufnageln darf, dauert es noch eine Weile, erst gegen Ende ihrer Lehrzeit wird sie alle Arbeiten ausführen dürfen. Zurzeit gehört die Bereitstellung der Arbeitsutensilien zu ihren Aufgaben, daneben auch die Fertigstellung der Eisen, also die Kontrolle der Nagellöcher oder das Einschlagen von kleinen Stiftchen, welche für einen besseren Halt des Pferdhufs auf dem Boden sorgen. An der Abschlussprüfung in dreieinhalb Jahren muss sie aus einem Stück Flachstahl ein perfekt sitzendes Hufeisen schmieden können.

Bereits jetzt darf die angehende Hufschmiedin den Pferden die alten Eisen abnehmen und die Hufwand in Form raspeln. Auch das Umschlagen der Nagelenden wird geübt, denn dies ist eine schwierige Technik, die sie an der Abschlussprüfung perfekt beherrschen muss. Die anstrengendste Aufgabe eines Hufschmiedelehrlings ist aber das Aufhalten der Pferdebeine. Neben der richtigen Technik verlangt diese Arbeit viel Kraft.

Als Frau in einer Männerdomäne

«Die ersten drei Monate, bis sich die Muskeln aufgebaut hatten, waren happig», erzählt sie und fügt hinzu: «Männer haben mehr Kraft, die Frauen machens halt mit Gefühl. Es geht immer.» Auch wenn der Arbeitstag noch so streng war, etwas lässt sich Steffi Vogt nicht nehmen: Am Abend reitet sie zwei der drei Pferde, die bei ihrem Vater Franz im Stall stehen.

Immer noch sind Hufschmiedinnen in der Schweiz in der Minderheit. In Steffis Klasse sind jedoch bereits vier von zwölf Auszubildenden weiblich und sie ist überzeugt, dass die Toleranz gegenüber Frauen in diesem Beruf steigt. «Es reiten ja auch viel mehr Frauen als Männer.»

Diese Entwicklung hat zu früheren Zeiten nicht allen Freude gemacht. Der Grossvater, in dessen Werkstatt Steffi ihre Leidenschaft entdeckte, hat den Hufschmiedeberuf an den Nagel gehängt, als immer mehr Frauen zu seinem Kundenkreis zählten. Dass seine Enkelin selbst diesen Beruf ergreift, konnte er allerdings nicht mehr erleben.