Muhen

Nach dem Nein zum Kunstrasen: «Im Moment wissen wir nicht, wie es weitergeht»

«Masslos enttäuscht»: Chris Stecher, Präsident des FC Muhen, nach dem deutlichen Volks-Nein zur Sanierung des Fussballplatzes.

«Masslos enttäuscht»: Chris Stecher, Präsident des FC Muhen, nach dem deutlichen Volks-Nein zur Sanierung des Fussballplatzes.

Es ist ein herber Schlag für den FC Muhen: In einer Referendumsabstimmung wird die Sanierung des Fussballplatzes abgelehnt. FC-Präsident Chris Stecher ist «masslos enttäuscht», Gemeindeammann Andreas Urech hingegen «nicht eigentlich überrascht».

Chris Stecher sitzt auf einer Bank neben dem zu kleinen, sanierungsbedürftigen Fussballplatz. Der Präsident des FC Muhen macht keinen glücklichen Eindruck. Eben hat er erfahren, dass der Souverän in einer Referendumsabstimmung mit 784 zu 709 Stimmen den Kredit von 3,9 Millionen Franken für die Vergrösserung und Erneuerung des Fussballplatzes abgelehnt hat.

Es ist ein deutlicher Mehrheitsentscheid (Differenz 75 Stimmen). Das nach einem intensiven, emotional geführten Abstimmungskampf – und entsprechend hoher Stimmbeteiligung von 55,6 Prozent (im ganzen Kanton gingen am Wochenende nirgends mehr Stimmbürger an die Urne).

«Wir brauchen neue Infrastruktur»

«Im Moment wissen wir noch nicht, wie es weitergeht. Fakt ist: Wir brauchen eine neue Infrastruktur», sagt Stecher. «Wir», das sind die 250 aktiven Mitglieder des FC Muhen (davon 120 Junioren), die zwei Teams, die in der 4. Liga spielen (das bessere überwintert als Herbstmeister, hat also Chancen, aufzusteigen). Chris Stecher macht sich Mut: Die Notwenigkeit einer neuen Infrastruktur werde auch von den Gegnern nicht bestritten. Denen gehe es um den Kunstrasen.

FC Muhen verliert knapp an Urne

FC Muhen verliert knapp an Urne

Ein schwerer Schlag für den Fussballclub: Mit über 52 % stimmt Muhen gegen einen neuen Fussballplatz und lässt somit den Traum des FC Muhen platzen.

Das ist in der Tat so, auch wenn die Referendumsführer Irene und Urs Fäh gestern in einer Medienmitteilung noch anderes erwähnten: «Das Nein der Stimmbürger zum Kredit für den Ausbau des Fussballplatzes deuten wir nicht als Nein zum Fussballverein oder zu einem neuen Fussballplatz, sondern als Nein zu einem Kunstrasen, der Strassenverlegung und als ein Nein zur Höhe der Investition.»

Alle Parteien waren dafür

Gemeindeammann Andreas Urech ist vom Abstimmungsausgang «nicht eigentlich überrascht»: Er habe auf ein knappes Ja gehofft. SVP, SP, FDP – alle Parteien hatten das Projekt unterstützt. Das Ehepaar Fäh hatte zusammen mit einigen wenigen Helfern die 600 gültigen Unterschriften praktisch im Alleingang gesammelt.

Der Abstimmungsausgang ist für die beiden bisher politisch nicht sehr aktiven Rentner ein Grosserfolg – selbst wenn sie sich von der Gegenseite immer wieder vorwerfen lassen mussten, mit falschen Daten zu operieren.

Die Abstimmungssieger haben gestern nur schriftlich Stellung genommen. «Es ist erfreulich, dass dank dem Referendum eine aktive Diskussion geführt wurde und die ökologischen und finanziellen Argumente offenbar Anklang fanden», schrieben Irene und Urs Fäh.

Im Unterschied zur Gemeindeversammlung hätten sich die Stimmbürger in Ruhe Gedanken machen können. «Wir halten diesen demokratischen Prozess auch in einer kleinen Gemeinde wie Muhen für sehr wertvoll und hoffen, dass das erfolgreiche Referendum zukünftige Generationen motiviert, sich aktiver in der Kommunalpolitik zu engagieren», so die Fähs.

Neu 3 statt 3,9 Millionen Franken?

Für die Referendumsführer ist klar: «Die Verantwortlichen sind nun aufgefordert, eine neue Variante ohne Kunstrasen auszuarbeiten. Diese sollte für die Gemeindefinanzen möglichst tragfähig ausgestaltet und inhaltlich breit abgestützt sein.»

Was den Kunstrasen anbetrifft, besteht grosse Einigkeit. «Mit einem Kunstrasen können wir nicht mehr kommen – der ist erledigt», sagt FC-Präsident Stecher. Er will nun zuerst mit seinen Vorstandskollegen besprechen, wie es weitergehen soll.

Auf die Reaktion des Fussballclubs wartet auch der Gemeinderat. Dann will er das weitere Vorgehen definieren. «Ich gehe davon aus, dass wir der nächsten Gemeindeversammlung im Juni ein Projekt mit einem Naturrasen vorlegen werden», erklärt Ammann Urech. Das Projekt dürfte statt 3,9 noch 3 Millionen Franken kosten.

Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

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