Reitnau
Nach Aufruf: Für Dorfladen geht der tägliche Kampf ums Überleben weiter

Vor rund zehn Monaten wurde der Dorfladen wieder eröffnet. Seither konnte der Umsatz um 20 Prozent gesteigert werden. Aber es reicht immer noch nicht.

Zaneta Hochuli
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Geschäftsführerin Silvia Scherrer (rechts) freut sich über Stammkunden wie Madeleine Häsler, für die das Einkaufen im Dorfladen ein Erlebnis ist. zh

Geschäftsführerin Silvia Scherrer (rechts) freut sich über Stammkunden wie Madeleine Häsler, für die das Einkaufen im Dorfladen ein Erlebnis ist. zh

Anfang März fand die Bevölkerung von Reitnau, Attelwil und Wiliberg ein Schreiben des Ladenbesitzers Thomas Burgherr und der Geschäftsführerin Silvia Scherrer im Briefkasten. Darin baten die beiden die Bevölkerung, mitzuhelfen, den Dorfladen am Leben zu erhalten. «Die Einnahmen reichen bei weitem nicht aus, um den Laden kostendeckend zu führen», sagt Silvia Scherrer. «Wir sind motiviert, den Dorfladen weiterzuführen, dies gelingt aber nur mit der tatkräftigen Unterstützung der Bevölkerung.»

Es ist 9.30 Uhr an einem Dienstagmorgen. Das gemütliche Café mit Spielecke bleibt ungenutzt. «Nur sehr unregelmässig kommen Handwerker zum Znüni oder ein paar Frauen zum gemeinsamen Kaffeetrinken», zeigt sich Geschäftsführerin Silvia Scherrer enttäuscht. Im Laden läuft es besser. Es herrscht reger Betrieb, kaum verlässt ein Kunde den Laden, steht auch schon der nächste drin. Der eine benötigt frische Gipfeli für einen angekündigten Besuch, eine andere erledigt ihre täglichen Einkäufe. So auch Madeleine Häsler, die erst kürzlich mit ihrer Familie von Basel nach Reitnau gezogen ist. Aus dem Alltäglichen macht sie einen spannenden Dorfeinkaufsausflug mit ihrem Kleinkind. Viele Stammkunden kommen regelmässig, so wie Marie Hochuli, die etwa zweimal wöchentlich hier einkauft. «Ich mag die persönliche Note im Laden und ein kleiner Schwatz mit Nachbarn und Kunden verschönert mir den Tag», sagt sie.

Silvia Scherrer ist erfreut: «Seit dem Aufruf kommen vermehrt neue Kunden in den Laden.» Dem Verkaufsteam ist bewusst, dass es mit keiner grossen Ladenkette konkurrieren kann, dafür sei das Sortiment einfach nicht gross genug. «Vom Volg werden die Produkte des täglichen Bedarfs bezogen, sämtliche Aktionen stehen im Laden bereit», erzählt sie weiter. Ausserdem werden regionale Produkte wie Gemüse, Früchte und Charcuterie angeboten, frisches Brot bis zum Ladenschluss und besondere Wünsche bestmöglich erfüllt. «Für die Zukunft wird ein Heimlieferservice ins Auge gefasst», verrät Thomas Burgherr. Um die Existenz des Dorfladens zu sichern, müsste jeder Reitnauer und Attelwiler Haushalt einmal pro Monat für rund 76 Franken im Laden einkaufen. Wenn dabei nur das gekauft wird, was beim Mitbewerber vergessen ging, wäre allen geholfen.