Gontenschwil

Nach Alu-Schliessung: Jetzt fliesst Schweiss im Gewerbeareal

Das NRG Gym ist vor wenigen Tagen im AMG-Areal eröffnet worden.

Das NRG Gym ist vor wenigen Tagen im AMG-Areal eröffnet worden.

Nach der Schliessung des AMG-Werks werden für das Gewerbeareal Mieter gesucht. Als erste sind vier Freunde mit grossen Muskeln eingezogen.

Es war ein harter Schlag für Gontenschwil. Im Mai 2015 wurde bekannt, dass die Alu Metall Guss AG (AMG) nach über 100 Jahren ihr Werk schliesst und aus Kostengründen nur noch auf seinen Standort in Rumänien setzt. Betroffen waren rund 60 Mitarbeiter. Gontenschwil verlor damit seinen grössten Arbeitgeber und das Wynental die Wiege seiner einst starken Aluminium-Industrie (siehe Box).

Seit Ankündigung der Schliessung hat die Aluminium-Giesserei AMG ihre Produktion in Etappen fast vollständig eingestellt. Derzeit sind laut CEO Peter Hausherr noch 15 Mitarbeiter auf dem Areal beschäftigt, Ende Jahr ist definitiv Schluss. Dann wird AMG hier nur noch einige Büros belegen, Gontenschwil soll Hauptsitz des rumänischen Werks bleiben.

Areal ist in gutem Zustand

Für das fast leerstehende Gewerbeareal mit einer Bruttonutzfläche von 31 550 Quadratmetern werden seit einem Jahr neue Mieter gesucht. Im Angebot sind Produktions- und Fabrikationshallen, eine Werkstatt, mehrere Lager, Büros, Sitzungszimmer, sanitäre Einrichtungen sowie ein Labor und eine Kantine. Hinzu kommen Parkplätze und ein grosser Umschlagplatz. «Das Areal ist in einem sehr gepflegten Zustand», wird im Internet um Mieter geworben. «In den letzten Jahren wurden grosse Sanierungs-, Umbau-, Rückbau- und Neubaumassnahmen durchgeführt.»

Der AMG schwebt zwei Möglichkeiten der Umnutzung vor: Ein grosses Unternehmen übernimmt das gesamte Areal oder einzelne Gebäude werden an mehrere Firmen vermietet. Die zweite Variante scheint wahrscheinlicher: Mit dem Fitnessstudio NRG Gym, das am Wochenende eröffnet worden ist, hat ein kleineres Unternehmen eine der Hallen gemietet.

Vier Freunde erfüllen sich Traum

NRG Gym ist der erste Mieter auf dem Areal. Wo früher Metallteile gefräst wurden, werden heute Muskeln gestärkt. Ein Hauch Industrie ist immer noch spürbar: Violette Dachträger und ein gelber Lastenkran spannen sich über die Trainingsfläche von rund 800 Quadratmetern. Diese haben Michael Hager (23), David Eichenberger (25), Manuel Amrein (22) und dessen Bruder Sandro (25) nach amerikanischem Vorbild während zweier Monaten eingerichtet und mit Nebenräumen sowie einer Lounge ergänzt; dies neben ihren Vollzeitjobs im Büro und auf dem Bau. Die vier Freunde aus Reinach und Umgebung, die schon als Kind gemeinsam im Sandkasten spielten, haben beim Umbau mitgeholfen. «Wir haben uns damit einen Traum verwirklicht», sagt Michael Hager. «Wir trainieren seit Jahren vier- bis sechsmal die Woche gemeinsam und wollen diese Erfahrung nun weitergeben.» Dafür haben die vier Freunde Geld gespart und für ihr Projekt Investoren und Banken gewinnen können. Als ihre Kollegen im Ausgang waren, brüteten sie über dem Businessplan.

Gemeinde hofft auf weitere Mieter

Doch gibt es nicht schon genug Fitnessstudios? In Menziken buhlen deren zwei um Kunden, ein weiteres Studio gibt es in Unterkulm. «Ein Fitness-Center wie unseres gibt es noch nicht», sagt Michael Hager. Das Studio, das innert kürzester Zeit rund hundert Mitglieder gewinnen konnte, ist täglich rund um die Uhr geöffnet. Nachteulen können um 3 Uhr morgens Hanteln heben und sich auf die Beinpresse setzen, dies ohne Aufsicht. Die Trainingsfläche wird videoüberwacht. Ein Risiko ist das laut Hager nicht: Die eingeschriebenen Mitglieder müssen mit dem Vertrag Verhaltensregeln unterschreiben. «In anderen Studios, die ebenfalls rund um die Uhr geöffnet sind, funktioniert das gut.»

In der Gemeinde Gontenschwil hofft man, dass auf die vier jungen Männer weitere Mieter folgen. «Das AMG-Areal ist sehr wichtig für uns», sagt Gemeindeammann Renate Gautschy. «Wir hoffen, dass sich hier wieder Gewerbe und Industrie ansiedelt und so Arbeitsplätze zurückkehren.»

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