Vor 75 Jahren gründeten Bewohner aus dem Suhrental den Samariterverein. Der Zweck steht in den Statuten: die Förderung des Samariterwesens und die Erfüllung humanitärer Aufgaben im Sinne des Rotkreuz-Gedankens. Mitglieder aus Reitnau, Attelwil, Moosleerau und Wiliberg gehören ihm an.

Wie in anderen Vereinen jammern auch die Samariter über Mitgliederschwund. 17 aktive Mitglieder zählt der Samariterverein noch. «Früher war das anders, da haben sich die Leute noch mehr engagiert», erinnern sich Klara Hochuli und das Ehepaar Elsbeth und Hans Neeser. Seit 50 Jahren sind sie aktiv dabei. Verständlich werden sie als die guten Seelen des Vereins bezeichnet.

Heimliche Psychologen

Bei allen stand ein Wunsch im Vordergrund: die Not anderer Menschen zu lindern. Erst kürzlich, auf einer Carreise, stand Klara Hochuli einer Frau zur Seite, deren Mann auf der Fahrt ein Herzstillstand hatte und starb. Dass sie bei diesem schrecklichen Zwischenfall ruhig blieb, kommt nicht von ungefähr. «Als Samariterin lernt man auch, Betroffene psychologisch zu unterstützen.» Vieles habe sich in diesen 50 Jahren geändert, erinnern sich die drei. Erstens die Sprache: «Gabi» (Gibt er Antwort? Atmet er? Blutet er? Ist der Puls normal?) hat ausgedient, dafür bedient man sich heute des modernen englischen ABCD-Schemas (Airway, Breathing, Circulation, Defibrillation).

Zweitens: Die Samariter verwenden ganz anderes Verbandsmaterial. «Wir legten noch Achter- oder Schildkrötenverbände an», erinnert sich Klara Hochuli. «Heute sind die Binden elastischer und einfacher anzulegen.» Hans Neeser – er war 25 Jahre lang Samariterlehrer – musste sich ebenfalls der Zeit anpassen. «Defibrillatoren gabs bei uns noch keine. Wir durften nur wiederbeatmen.» Und das sei ein «Chrampf» gewesen.

Der Samariterverein ist aktiv. Am Bergrennen, beim einheimischen Grümpelturnier und bei sportlichen Anlässen helfen die Mitglieder mit. «Schreckliche Unfälle habe es selten gegeben, so das Ehepaar Neeser und Klara Hochuli. Einmal sei ein Rennfahrer, weil er am Bergrennen ausgeschieden sei, dermassen wütend geworden, dass er seinen Helm gegen einen Pfosten geschmissen habe.

Der Samariterverein bietet auch spannende Kurse an. Das beginnt beim Nothelferkurs, geht über Anatomielehre und endet beim Postendienstkurs. Einmal im Monat führt er eine Übung durch – und da ist jedermann willkommen.

www.samariterverein-reitnau.ch