Die Autonummer «AG 5040» (die Postleitzahl von Schöftland) konnte der Gemeinderat nicht wie erhofft beschaffen. Darum bekommt Gemeindeschreiber Rudolf «Ruedi» Maurer als Geschenk seinen Arbeitstisch, den Tisch, an dem er fast 45 Jahre lang im Schloss gearbeitet hat. Ende Jahr geht er in Rente. Nachdem er eine gefühlte Ewigkeit in Schöftland Gemeindeschreiber gewesen ist. Ganz genau 43 Jahre.

Am Montagabend wurde Maurer an der Gemeindeversammlung verabschiedet. Es war eine Sternstunde in seinem beruflichen Leben. Maurer wurde von den 175 Stimmberechtigten (Stimmbeteiligung 6 Prozent) mit einer Standing Ovation geehrt. Und er, der an fast 100 Gemeindeversammlungen das Protokoll geführt hat, durfte reden. Er tat das mit hörbarem Genuss. 12 Minuten lang – es war eine launige, humorvolle Ansprache.

«Keine Wohlfühloase»

Rudolf Maurer wies drauf hin, dass bereits seine Vorgänger ein grosses Durchhaltevermögen hatten. Seit 1870 hatte Schöftland nur vier Gemeindeschreiber. Er habe in Schöftland «eine sehr lange, wertvolle, spannende Zeit erlebt», erzählte Maurer. «Ich durfte fast 500 Trauungen machen.» Und er sei bei 1500 Todesfällen involviert gewesen.

Maurer betonte, das Schloss, in dem er all die Zeit habe arbeiten dürfen, sei «keine Wohlfühloase», aber auch «kein Minenfeld». Er gratulierte dem am 24. September in corpore wiedergewählten Gemeinderat. Das seien wirklich stark engagierte Persönlichkeiten: «Sie verwalten Schöftland nicht nur, sie führen Schöftland.»

Maurer sprach aber auch von Bereichen, die ihm «nicht unbedingt gefallen haben». Wie die allermeisten langjährigen Gemeindeschreiber nervt ihn die immer grösser werdende Flut von Vorschriften. An die Adresse der Grossräte sagte Maurer, der Staat brauche eine Abmagerungskur. In die falsche Richtung entwickle sich die Aufgabenteilung: Kosten und Aufgaben würden zu den Gemeinden verlagert, die Kompetenzen aber blieben beim Kanton.

Comeback im Keller

Wie geht es mit Rudolf Maurer weiter? Am 22. Dezember hat er seinen letzten Arbeitstag im Gemeindeschreiber-Büro. Am 28. Dezember feiert er den 65. Geburtstag. Und schon im Januar gibts ein Comeback im Schloss: allerdings nicht mehr im ersten Stock, sondern tief unten im Keller. «Absolut keine operative Tätigkeit mehr», betont Maurer. Es sei schon lange mit dem Gemeinderat vereinbart, dass er bis Ende April im Rahmen eines 30-Prozent-Pensums das Archiv auf Vordermann bringe. Danach will sich der Pensionär Maurer irgendwo im freiwilligen Dienst engagieren.

All das mit der Gewissheit, wie es Gemeindeammann Rolf Buchser ausdrückte, dass er «auf eine grossartige kommunal- und regionalpolitische Verwaltungskarriere zurückblicken kann».